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Insolvenzrecht ist verfassungswidrig

Der Fall Suhrkamp könnte auch das höchste deutsche Gericht beschäftigen: Minderheitsgesellschafter Hans Barlach will eventuell eine Klage beim Verfassungsgericht einreichen, meldet der „Focus“. 
Wie berichtet, wurde das Insolvenzverfahren gegen Suhrkamp inzwischen eröffnet. Der Insolvenzplan sieht vor, den Verlag in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, um den ungeliebten Minderheitsgesellschafter zu entmachten. Das Gericht lasse sich „auf Grund falscher Daten instrumentalisieren“, kritisiert Barlach jetzt gegenüber „Focus“. Er prüfe, ob er gegen Teile des 2012 eingerichteten Schutzschirmverfahrens Klage beim Verfassungsgericht einreichen könne (s. auch: „Was ist ein Schutzschirmverfahren?“). 
Auch das „Handelsblatt“ (12.8.) greift das Thema auf und analysiert, welche Konsequenzen der Fall Suhrkamp haben kann. Sofern es tatsächlich gelinge, Barlach aus dem Unternehmen zu drängen, könne dies eine Lawine ähnlicher Verfahren auslösen könnte, kritisiert Bernd Ziesemer. Denn – anders als die Feuilletonredakteure meinten – sei Suhrkamp kein Ausnahmefall: „In Personengesellschaften kommt es häufiger zu erbitterten Streitereien, nun könnten Mehrheitsgesellschafter auf manche dummen Gedanken kommen.“ 
Statt ökonomische und rechtliche Fragen zu erörtern und über den neuesten Schachzug von Ulla Unseld-Berkéwitz zu jubeln, sollte sich das Feuilleton lieber intensiver mit dem Aktienrecht beschäftigen, wirft Ziesemer den Kollegen vor. Dann wüssten sie: „Auch die Umwandlung von Suhrkamp in eine Aktiengesellschaft kann und wird den Streit nicht beenden. Eher im Gegenteil: Es wird nicht besser für Suhrkamp, sondern schlimmer.“

Ehepaar Ströher springt Suhrkamp zur Seite

Auch im Werben um die Anteile des Suhrkamp-Verlags gibt es eine neue Wende: Wie die „FAZ“ berichtet, hat das Ehepaar Ströher sich bereit erklärt, dem Verlag eine Zwischenfinanzierung bereitzustellen, mit der die Mitarbeiter und Verlage bezahlt werden können.

Die Ströhers werden bereits seit Wochen als mögliche Investoren des Verlags gehandelt. Sie gehörten zu den Besitzern des Wella-Konzerns, der 2003 für 6,5 Mrd Euro an Procter & Gamble verkauft wurde. Das Ehepaar selbst soll dabei 1,6 Mrd Euro bekommen haben. „Wir wären bereit, uns im Rahmen einer Kapitalerhöhung zu beteiligen oder Aktien bisheriger Gesellschafter zu erwerben“, heißt es in einem Schreiben des Ehepaars, das laut SPIEGEL (12.8.) im Insolvenzplan aufgeführt wird. 

Neben den Ströhers haben auch die Gesellschafter des Deutschen Taschenbuch Verlags (dtv) zusammen mit dem Verlag ihren Hut in den Ring geworfen und ihr Interesse an Suhrkamp signalisiert (hier mehr). 

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