Was Mentoring Unternehmen, Mentees und Mentoren bringt

Auch in unserer Zeit beschleunigter Veränderung zählt die Erfahrung routinierter Kräfte. Ein Weg, den Erfahrungstransfer abzusichern, ist das Mentoring. In Großunternehmen längst etabliert, beginnen Mentoringprogramme auch im Mittelstand Fuß zu fassen.

Mentoringprogramme sind unternehmensintern und unternehmensübergreifend möglich. In einer Serie im HR-Channel von buchreport.de schildert Coach und Mentoring-Expertin Agnes Senger unter anderem am Beispiel des Mentoringprogramms der Jungen Verlagsmenschen, wie professionelles Mentoring abläuft. Im zweiten Teil dieser Serie beleuchtet sie die Vorteile, die Mentoring für Unternehmen, Mentoren und Mentees hat.

Mentoring ist ein Gewinn für alle

Mentoring hat sich als eine der wertvollsten und effektivsten Entwicklungsmöglichkeiten erwiesen, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern bieten kann. Dabei profitieren nicht nur Mentees von den persönlichen und beruflichen Vorteilen des Mentorings, sondern auch die ausführenden Unternehmen haben einen kontinuierlichen Nutzen.

Von Fachkräfte-Gewinnung und -Förderung, dem Ausbau von Führungskompetenzen bis hin zur Stärkung der gesamten Firmenkultur fördert Mentoring eine besondere fachliche und emotionale Bindung zum Unternehmen.

Neben meiner eigenen Erfahrung aus verschiedenen Workshops mit Mentoren und Mentees werde ich mich in diesem Artikel auf verschiedene aktuelle Studien und Befragungen beziehen, die die Wirksamkeit von Mentoring nachweisen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass mit der richtigen Konzeption und Qualifikation sowie einem bewussten Erwartungsmanagement alle Beteiligten – Unternehmen, Mentoren und Mentees – gleichermaßen von Mentoring profitieren.

Vorteile für das Unternehmen

Zum einen gilt es für Unternehmen, sich beim Kampf um Fachkräfte gut zu positionieren. Ein Mentoring Programm kann genutzt werden, um auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Vorteil spiegelt sich in der Befragung von Robert Walters Germany & Switzerland unter 130 Arbeitnehmern und -gebern wider, bei welcher 86  der Befragten Mentoring für aufstrebende Young Professionals als besonders wichtig empfinden. Prof. Ulrike Weber und Prof. Ute Rademacher, Hochschullehrerinnen an der International School of ­Management in Hamburg, haben das Thema Mentoring im heutigen Kontext untersucht. Daraus geht hervor, dass allein durch die Erwähnung eines Mentoring-Programms im Bewerbungsprozess Absolventen und Berufsanfänger eine positive Erwartung bezogen auf Kultur und Entwicklung im Unternehmen haben.

Darüber hinaus lässt sich nachweisen, dass Mentoring sowohl die fachliche als auch die emotionale Bindung von Mentoren und Mentees an das Unternehmen fördern kann, wodurch Mitarbeiterfluktuation reduziert werden kann. Eine Untersuchung im Jahr 2017 durch die ATD (Association for Talent Development) mit 969 Teilnehmern, von denen 285 an einem formalen Mentoring-Programm teilnahmen, erbrachte dazu sehr positive Ergebnisse: Sie zeigte, dass bei 50 % der Unternehmen mit einem Mentoring Programm ein höheres Mitarbeiter-Engagement und eine höhere Bindung nachgewiesen werden konnte.

46% der Befragten sagten außerdem, dass sie mit dem Mentoring-Programm die Entwicklung ihrer Führungskräfte unterstützen. Beim Mentoring werden nicht nur die Softskills der Mentees verbessert, sondern auch Mentoren entwickeln nach eigener Aussage “berufliches Selbstbewusstsein” und werden als Führungskraft gestärkt. 49 % entwickeln aus dem Mentoring heraus neue Führungsqualitäten wie zum Beispiel aktives Zuhören, weitere Kommunikationsmethoden und Perspektivwechsel.

Durch Mentoring wird eine Kultur des Austauschs gefördert und Mitarbeitende erleben, dass das Unternehmen bereit ist, in diesen Wissensaustausch zu investieren. Mentoring kann eine kostengünstige und qualitativ hochwertige Lösung sein, um das Wissen von Mitarbeitenden zu konservieren und im Unternehmen zu verbreiten. Durch Mentoring bekommt der Mentee das benötigte Wissen für Projekte oder Prozesse, das auf sein berufliches Entwicklungsbedürfnis ausgerichtet ist. Das steigert sowohl Produktivität als auch das Engagement.

Personalkonzepte für die Zukunft

Mehr zum Thema Personalmanagement und -führung lesen Sie im HR-Channel von buchreport und Channel-Partner Bommersheim Consulting. Hier mehr

Vorteile für Mentoren

Wie schon erwähnt, entwickeln Mentoren durch das Mentoring wichtige Führungs- und Sozialkompetenzen. Darüber hinaus verbessert es die Fähigkeiten des Mentors, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen und auszubauen.

Mentoren gibt es die Möglichkeit, ihren eigenen beruflichen Werdegang zu reflektieren und ihre wichtigsten (Lern-)Erfolge mit ihren Mentees zu teilen. Nach der ATD-Studie von 2017 berichten 59 % der Mentoren, dass sich für sie durch die Arbeit mit Mentees neue Perspektiven und Horizonte eröffnet haben. Mentoren, die ihre Mentees ermutigen, über wichtige Aspekte des Berufs(-lebens) nachzudenken und Ziele und Gewohnheiten infrage zu stellen, wenden diese Methode tendenziell öfter auch bei sich selbst an.

Das Gefühl und die Fähigkeit, dem Mentee Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, fördert das eigene Selbstwertgefühl und wird als befriedigend empfunden – vor allem, wenn man von Mentee und Unternehmen Wertschätzung und Anerkennung für den Einsatz als Mentor erhält.

In meinen Gruppen empfinden die Mentoren – wie die Mentees – besonders das Netzwerken mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe als besonders bereichernd. Darüber hinaus fördert Mentoring eine positive Einstellung, da man als Mentor bemüht ist, die positiven Eigenschaften, Kompetenzen und Fähigkeiten zu fördern. Das bestärkt nicht nur den Mentee, sondern ebenso den Mentor.

Viele Mentoren haben Freude am Umgang mit frischen Berufsanfängern, Mentees aus anderen Hierarchiestufen oder sogar anderen Abteilungen. So fördert Mentoring die allgemeine Zufriedenheit der Mentoren, da sie andere Menschen fördern und somit an deren Erfolgen teilhaben können.

Vorteile für Mentees

Mentees erhalten durch Mentoring die Möglichkeit, konkrete Beispiele aus ihrem beruflichen Alltag mit einer erfahrenen Person zu reflektieren und sich dadurch fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Durch eine externe Perspektive und das Feedback der Mentoren können Mentees ihre Fremd- und Selbstwahrnehmung und ihre Wirkung innerhalb des Unternehmens überprüfen und anpassen.

Die Anforderungen eines Unternehmens an Berufsanfänger werden durch Mentoring klarer. Außerdem gewinnen Mentees ein besseres Verständnis von expliziten und impliziten Regeln und Erwartungen der Organisation. In der Umfrage durch ATD 2017 erwähnten 30 % der Mentees, dass sie durch Mentoring die Kultur ihrer Organisation oder ihres Unternehmens besser verstanden.

Das Mentoring gibt Mentees die Sicherheit, die viele von ihnen brauchen, damit sie es wagen, Fragen zu stellen – aber auch um Hilfe zu bitten. Durch Mentoring bekommen sie neue Perspektiven auf ihre Fähigkeiten und werden in ihrem Prozess der Selbstreflexion begleitet.

Auch für Karriereplanung, Kommunikationsfähigkeiten und Zeit- und Selbstmanagement ist der Input von Mentoren besonders bereichernd und wegweisend. Die Stärkung der Kompetenzen und der Effektivität, die in der Regel aus einem Mentoring resultiert, befähigt Mentees außerdem oft dazu, selbstbewusst für eigene Belange einzustehen.

Vielen Mentees hilft das Mentoring, persönliche Ziele, Ideen und Werte mit denen des Unternehmens zu vergleichen und eine bessere Passung zu finden. Das ist ein möglicher Erklärungsansatz für die Berichte vieler Mentees, dass sie durch Mentoring in ihrer Karriereentwicklung weite Sprünge nach vorne gemacht haben. Es gibt sogar Untersuchungen, die belegen, dass Teilnehmer an Mentoring-Programmen im Schnitt mehr verdienen und öfter befördert werden.

Zusammenfassung und Fazit

Gewinn für Unternehmen:

  • Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber
  • Wissen in Unternehmen teilen und halten 
  • Mitarbeiter binden und Engagement fördern

Gewinn für Mentoren:

  • Wertschätzung und Anerkennung erhalten 
  • Sozial- und Führungskompetenzen erweitern 
  • Neue Perspektiven entwickeln

Gewinn für Mentees:

  • Karriereentwicklung 
  • Erweiterung von Sozial- und Selbstregulation und von Führungskompetenzen
  • Ausbau von Handlungs- und Problemlösungskompetenzen durch Feedback

Den Vorteilen von Mentoring für Unternehmen, Mentoren und Mentees ist kaum zu widersprechen. Jedoch müssen für eine erfolgreiche Etablierung eines Mentoring Programms einerseits individuelle und organisatorische Potenziale identifiziert und andererseits Risiken und Grenzen abgewogen werden. Was das konkret bedeutet und wie man ein Mentoring-Programm startet und damit eine Mentoring-Kultur etabliert, zeige ich im dritten Teil dieser Serie.

Agnes Senger ist Managerin Training & Operations bei der Berliner TAM Akademie GmbH, die Unternehmen bei der Personalentwicklung unterstützt, indem sie im TAM Leadership Programm Führungskräfte zu Coaches und Mentoren für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbildet, in der New Work Facilitator-Ausbildung Organisationsentwickler zu Change-Experten macht und in der BusinessTrainer Ausbildung selbst Trainer ausbildet und zertifiziert.

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