Einstieg in die Buchbranche: 6 Fehler, die Bewerber vermeiden sollten

Johannes Haupt ist Geschäftsführer von 4pub, das ein Content-Netzwerk in den Themenfeldern digitales Lesen und Lernen, Gesundheit und Fitness sowie Online-Marketing betreibt.

Die Medienbranche zieht nach wie vor junge Menschen in ihren Bann. Viele von diesen wirken allerdings im Bewerbungsprozess so, als ob sie nicht recht wüssten, welche Skills heute gefragt sind. Ein Medienunternehmer erklärt, worauf es ankommt.

Johannes Haupt leitet ein digitales Content-Netzwerk zu Special-Interest-Themen. Im HR-Channel von buchreport.de zeigt er auf, welche Fehler Jobkandidaten in der Medienbranche vermeiden sollten, wenn sie tatsächlich in die engere Wahl kommen wollen.

Für unsere Einstiegsjobs mit redaktionellem Schwerpunkt – vornehmlich rekrutieren wir Werkstudenten und Volontäre – gingen im Jahr 2018 um die 500 Bewerbungen ein. Dabei sind wir für viele Studierende und Absolventen mit Sicherheit nicht die allererste Wahl: Wir haben zwar einen attraktiven Standort (Kölner Medienpark) und bezahlen gut, platzieren uns als kleines Medienunternehmen aber ansonsten zwischen den Stühlen.

So ist 4pub weder ein vielfältig verzweigter Großkonzern noch ein vom Feuilleton gefeierter kleiner Literaturverlag noch ein „klassisches“ Startup, wo Berufseinsteiger nach einem halben Jahr schon einmal ein zehnköpfiges Team leiten. In all diesen Unternehmen dürfte die Zahl der Bewerber entsprechend noch viel höher sein. Dennoch haben auch wir schon die ganze Bandbreite an Bewerberfehlern auf dem Tisch gehabt. Mehrfach. Hier die überflüssigsten Fehler, die Kandidaten bei ihrer Bewerbung in der Buchbranche vermeiden sollten.

1. Zurschaustellung technischer Unkenntnis

In den Anforderungen für sämtliche offene Stellen fordern wir eine „große Digital-Affinität“, was im Jahr 2018 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Bewerber müssen keinesfalls in allen sozialen Netzwerken präsent sein oder schon in der Schule den ersten Blog aufgesetzt haben (wobei Letzteres keinesfalls verkehrt ist – wenn man seine Schreibe erproben will, warum nicht auf diesem Weg?).

Aber mit Mitte 20 und einem Master-Abschluss in der Tasche darf man schon gerne wissen, wie man in einem visuellen Editor – ganz gleich ob Word oder WordPress – einen Link einfügt. Oder wie man in seinem E-Mail-Programm einen Absendernamen hinterlegt, der dann auch beim Empfänger angezeigt wird. Oder wie man seine Bewerbungsunterlagen in einer oder zumindest in mehreren gleichartig strukturierten pdf-Dateien zusammenführt. Wenn in der Bewerbung sogar das Bewerbungsfoto als separater Anhang mitgeschickt wird, ist das schon bitter und fast für sich schon ein Ausschlussgrund. Apropos:

2. Kein (passendes) Foto

Sicherlich kein schwerwiegender Fehler, aber doch eher nachteilig ist die Tendenz zum Weglassen des Bewerbungsfotos. Im angloamerikanischen Raum Usus, ist das bei uns noch eine absolute Ausnahme – und verleitet jeden Personaler (zumindest jeden, mit dem ich darüber gesprochen habe) zum Googeln. Und vermitteln Facebook-Partyfotos tatsächlich einen repräsentativeren ersten Eindruck als ein professionelles Foto in der eigenen Bewerbung?

Passend zum Thema: Wir müssen nicht wissen, was Eltern und Geschwister der Bewerber machen, und spätestens nach Abschluss des Studiums interessiert auch ein Abiturzeugnis nicht mehr, ebenso wie Teilnahmebestätigungen an Schülerpraktika aus der 11. Klasse und dergleichen. Ich persönlich finde auch die Angabe von Hobbys bestenfalls skurril, darüber gehen aber die Meinungen auseinander.

3. Nur darlegen, warum man den Job will…

In bemerkenswert vielen Bewerbungen findet sich ein Satz à la „Ich habe schon immer gerne gelesen“. Dagegen ist zunächst einmal auch nichts einzuwenden, unterstreicht er doch die Entscheidung für den eingeschlagenen Lebens- und Karriereweg. Viel zu oft steht diese Passage aber für sich alleine. Merke (auch in anderen Lebensbereichen nicht ganz verkehrt): der Recruiter interessiert sich weniger dafür, wie er dem Bewerber helfen kann, als wie der Bewerber ihm helfen kann. Zumal Schon-immer-gerne-Lesen allenfalls bei Bewerbungen als Bibliothekar und im literarischen Lektorat ein handfestes Pfund ist. Wenn jemand sich aber bewirbt etwa im Marketing eines Buchverlages oder bei einem Plattform-Betreiber wie uns, dessen Unternehmensgegenstand nutzwertige Ratgeber von Detox über  Geburtstagswünsche bis Traumdeutung sind, ist ein frühkindliches Interesse an großen Texten eher peripher relevant.

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4. … und mangelnde Beschäftigung mit dem Unternehmen

Es gilt sich mit dem Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, zu beschäftigen und zu unterstreichen, wie genau man zur Erreichung der Unternehmensziele beitragen kann. Zu viel Arbeit angesichts der Dutzende von Bewerbungen, die man zu schreiben hat? Dann weniger und gezielter bewerben! 10 „personalisierte“ Bewerbungen werden mit Sicherheit mehr positive Resultate in Form von Einladungen und Jobangeboten bescheren als 100 Copy-and-Paste-Bewerbungen.

5. Unvollständige Unterlagen

Ein häufiges und völlig unnötiges Ärgernis. Daher: Mitschicken, was in der Ausschreibung gewünscht wird – oder begründen, warum das unterbleibt. Wenn um die Übersendung von Arbeitsproben beziehungsweise Links dorthin gebeten wird und diese weder mitgeschickt werden noch ihr Fehlen erklärt wird, deutet das bestenfalls auf eine nur oberflächliche Beschäftigung mit Ausschreibung und Stelle hin. Das färbt auch auf den Kandidaten ab, da kann in der eigentlichen Bewerbung noch so oft von Gewissenhaftigkeit die Rede sein.

6. Unkenntnis des eigenen Wertes

In diesem Zusammenhang: Wir fragen in den Bewerbungsunterlagen keine Gehaltsvorstellung ab (bei Werkstudenten schreiben wir die Vergütung sogar in die Ausschreibung), bei Vollzeit-Einstiegsjobs sollten Bewerber aber schon wissen, was sie (sich) wert sind. Diese Frage wird früher oder später auf den Tisch kommen, und die Antwort drückt auch etwas über Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein der Kandidaten aus. Und bitte eine exakte Brutto-Summe nennen, kein „von … bis …“ – Personaler hören dann ohnehin nur die niedrigere Zahl. Dieser Punkt geht übrigens Hand in Hand mit Punkt 4: Nur wenn man weiß, wie man das Unternehmen weiterbringt, kann man seiner Arbeitskraft auch selbst einen Wert geben und diesen selbstbewusst vertreten.

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