Helene Bukowski über »Milchzähne«

In den aktuellen Frühjahrsprogrammen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autoren. buchreport stellt 13 dieser Nachwuchsschriftstellerinnen und -schriftsteller in Steckbriefen vor. Heute: Helene Bukowski, deren erster Roman „Milchzähne“ im März im Programm des zu Aufbau gehörenden Blumenbar Verlags erscheint.

Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studiert zurzeit literarisches Schreiben und Lektorieren in Hildesheim. Sie ist Ko-Autorin des Dokumentarfilms „Zehn Wochen Sommer“, der 2015 den Grimme-Sonderpreis Kultur erhalten hat. Ihre Texte erschienen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien und sie war Mitherausgeberin der „Bella triste“. „Milchzähne“ ist ihr erster Roman. (Foto: Rabea Edel)

Mein Roman in drei Sätzen

In einer Gegend, die abgeschnitten von der Außenwelt existiert, leben Skalde und ihre Mutter Edith. Eines Tages findet Skalde ein Kind im Wald, das zu niemandem gehört, nimmt es mit zu sich und alles gerät in Aufruhr, denn die anderen die dort leben, dulden es nicht. Es geht um die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Angst vor dem Fremden, um Familie und Heimat und um eine Landschaft, die in einer anhaltenden Trockenheit immer mehr verdorrt.

Mein Weg zu Blumenbar

Durch die großartige Arbeit meiner Agentur und die Hilfe von anderen tollen Menschen haben Blumenbar/Aufbau und ich ziemlich schnell zueinander gefunden. Und natürlich hat auch ein bisschen Glück und der Zufall mit reingespielt – wie so oft im Leben.

Das Verdienst meines Lektors

Da könnte ich jetzt einiges aufzählen. Um die Bandbreite deutlich zu machen, hier zwei Beispiele: 1. Dass ich mich nicht verrannt habe, kurz vor Abgabe (ich wollte alles noch mal ganz anders schreiben und habe das wirklich für eine gute Idee gehalten). 2. Die richtige Menge Zucker beim gemeinsamen Korrekturlesen (frittierte [!] Croissants und karamellisierte Birnenplunder).

Mein Eindruck von der Buchbranche

Ein toll durchgemixter Haufen. Viele kluge, interessierte und engagierte Leute. Da ist Bewegung drin. Können sich andere „Branchen“ ruhig ne Scheibe abschneiden.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Ebert & Weber in Berlin-Kreuzberg. Beste Beratung, bester Geschmack und lauter schöne Bücher.

Meine Lieblingsautorin

Christa Wolf! Gerade weil ihr Schreiben im Gegensatz zu meinem eigenen viel stärker in der Realität verhaftet ist. Ihr schlauer Blick geht durch alles durch, als wären die Dinge gläsern, und dann ist da noch ihre Sprache, die mir manchmal fast haptisch erscheint, so präzise ist sie. Und Antonia Baum will ich hier auch erwähnen. Alle bisher von ihr erschienenen Bücher habe ich verschlungen – wenn das kein gutes Zeichen ist, weiß ich auch nicht.

So lese ich

Viel und querbeet. Am liebsten im Bett. Zug oder Liege am Pool geht auch, dann aber mit Sonnenbrille und Kaltgetränk.

Schreiben ist für mich

Welten bauen, mit Sprache hantieren, neues Terrain erkunden und neugierig bleiben.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Laufe ich durch unverstellte Landschaft, bilde Banden (für mehr Solidarität!), lerne Kickboxen, esse Kuchen oder püriere Gemüse.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Als ich die ersten Seiten von Helene Bukowskis Debütroman „Milchzähne“ las, begeisterten mich die soghaft spannende Geschichte des Romans, der literarische Ton der erst 25-jährigen Autorin und die unwahrscheinlich atmosphärischen Beschreibungen der Figuren und der Landschaft, in der sie leben. Und ich liebe den Mut, mit dem sich Helene Bukowski auch den drängenden Fragen unserer Gegenwart stellt. Fremd und vertraut sind abstrakte Begriffe, aber indem wir der Autorin in den Kopf und die Gefühlswelt ihrer so lebendigen wie unvergesslichen Figuren folgen, fühlen wir Ablehnung und Ausgrenzung, Schutz, Verteidigung und Zuversicht. Was es heißt, Mensch zu sein, und warum das Leben geschützt werden muss.

Anvar Cukoski, Lektor

Debütanten im Frühjahr 2019

– im buchreport.magazin 3/2019

 

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