Galeria Karstadt Kaufhof: Drohender Kahlschlag

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) hat sich in der Coronakrise zügig in ein Schutzschirmverfahren gerettet. Laut übereinstimmender Medienberichte, darunter SPIEGEL und „Wirtschaftswoche”, hat sich der Sanierungsplan jetzt konkretisiert – mit „Kahlschlag“-Charakter: Demnach sollen bis zu 80 der rund 170 Filialen des Konzerns geschlossen werden, heißt es mit Verweis auf Unternehmenskreise.

Das ist nicht nur ein harter Schlag für die Mitarbeiter durch den damit verbundenen massiven Stellenabbau. Es hätte auch massive Folgen für die betroffenen Einzelhandelsstandorte: Statt eines Frequenzbringers im Zentrum Leerstandklötze. Direkt betroffen ist auch der Buchfilialist Hugendubel, der in den Karstadt-Häusern Shop-in-Shop-Buchhandlungen betreibt und begonnen hatte, auch in den Kaufhof-Häuser ein zugespitztes Buchangebot zu präsentieren.

Die Verschmelzung der beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof unter dem Dach von René Benkos Signa-Gruppe war erst Anfang Januar amtlich geworden. Auch vor der Coronakrise bedeutete das für die Beschäftigten vor allem Stellenabbau und Sanierungstarifvertrag. Zudem sollten Synergien im Einkauf und in der Logistik helfen, die fusionierten Unternehmen aus der Verlustzone zu führen.

Mit dem im April angestoßenen Schutzschirmverfahren wegen des Corona-Shutdowns war klar, dass die Einschnitte noch drastischer ausfallen würden. Der SPIEGEL spekuliert darüber, dass die jetzt lancierte hohe Zahl von Schließungen nicht das letzte Wort sein müsse, sondern auch für den Versuch stehe, „unter anderem durch Gespräche mit Vermietern von Filialen eine Senkung von Mieten zu erreichen und so Läden vor dem Aus zu bewahren“.

Corona-Schließungen: Umsatzminus von einer halben Milliarde

Die Unternehmensführung hatte die GKK-Mitarbeiter bereits am Wochenanfang in einem Brief darüber informiert, dass der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz klar gemacht hätten, dass es auch zu Standortschließungen kommen müsse. In dem Schreiben, über das zunächst das „Manager Magazin“ berichtet hatte, heißt es auch, GKK habe während der Komplettschließungen mehr als eine halbe Milliarde Euro an Umsatz verloren. Der Verlust könne sich aufgrund der anhaltenden Kaufzurückhaltung sogar auf bis zu einer Milliarde Euro summieren.

Am Jahresanfang hegte Signa – neben der Trennung von Altlasten – noch ambitionierte Pläne für die Warenhäuser, die wieder zu Kundenmagneten der Innenstädte werden sollten. Umschrieben wurde die Vision als „Marktplatz der Zukunft”, einschließlich Profilierung gegenüber den Online-Playern, die in den vergangenen Jahren zunehmend Boden abgegraben hatten: Während „führende, reine Online-Anbieter händeringend nach Präsentationsflächen in Toplagen“ suchten, habe der neue Warenhausverbund eine „hervorragende“ Ausgangslage für eine Omnichannel-Strategie. Mitten in „allen relevanten Innenstädten Deutschlands“ verortet und „intelligent verknüpft mit erfolgreichen digitalen Plattformen“ würden 80% der urbanen Bevölkerung in unmittelbarer Nachbarschaft erreicht. Was davon noch bleiben wird, ist offen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Galeria Karstadt Kaufhof: Drohender Kahlschlag"

  1. Sollte das Kaufhaus Galeria Karstadt Kaufhof in München am Marienplatz , also direkt im
    Zentrum von München auch betroffen sein, wäre dies ein sehr großer Verlust für München.
    Dies würde sich dann direkt auf die anderen Geschäfte in der Innenstadt auswirken, denn die Galeria Kaufhof zog bisher viele Menschen in die Stadt München hinein.
    Es müssten irgendwie noch alle Anstrengungen unternommen werden, um insgesamt diesen großen Konzern zu retten.
    Insgesamt sind sehr viele Arbeitsplätze von den geplanten Schließungen bedroht.

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