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Frankfurter Buchmesse: Die Unruhe wächst

Nachdem die Frankfurter Buchmesse in der vergangenen Woche angekündigt hat, aktuell am Termin festzuhalten und erst später zu kommunizieren, wie die internationale Bücherschau in diesem Jahr stattfinden kann, melden sich jetzt Skeptiker zu Wort.

Das ist der aktuelle Stand: Das Verbot von Großveranstaltungen wurde in Deutschland offiziell bis Ende August verlängert, Berlin hat Veranstaltungen mit mehr als 5000 Personen gar bis zum 24. Oktober verboten. Als Folge wurden weitere Veranstaltungen abgesagt, die eigentlich für den Sommer und Frühherbst geplant waren. Besonders öffentlichkeitswirksam entwickelte sich die Absage des Münchner Oktoberfestes.

Die Frankfurter Buchmesse hat indes lediglich vermeldet, dass die Messe nach derzeitigem Stand (22.4.) vom 14. bis 18. Oktober 2020 stattfinden werde. „Wie die 72. Buchmesse dann genau aussehen wird, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen”, heißt es. Es werde in jedem Fall aber „eine sehr besondere Messe” werden.

„Wie soll das gehen?”, fragte daraufhin die „FAZ” kritisch mit Blick auf die internationale Großveranstaltung. 2019 waren mehr als 300.000 Besucher sowie Aussteller aus mehr als 100 Ländern nach Frankfurt gekommen. 

„Es gibt die Entscheider, die es sich nicht leichtmachen und abwägen zwischen der großen Hoffnung auf die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Verpflichtung gegenüber der Fürsorge für Aussteller und Besucher“, zitiert die „FAZ” in ihrem Beitrag Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs, die auch von Bitten der Branche um eine rasche Entscheidung berichtet. In normalen Jahren läuft die Messeplanung bei den Ausstellern längst. In Corona-Zeiten ist jetzt alles mit einem großen Fragezeichen versehen und der Aussicht, wie bei der kurzfristig abgesagten Leipziger Buchmesse, in Vorleistung zu gehen und am Ende auf einem Großteil der Kosten sitzenzubleiben. S. Fischer-Geschäftsführerin Siv Bublitz bleibt gegenüber der „FAZ” zurückhaltend, Verleger Klaus Schöffling und Joachim Unseld, Leiter der Frankfurter Verlagsanstalt zeigen sich eher skeptisch.

Wolfgang Tischer sinniert bei literaturcafé.de unter der Überschrift „Warum wird die Frankfurter Buchmesse nicht abgesagt?” auch über Alternativen: „Eine kleine symbolische Messe ohne Gastland, die nur unter strengen Regeln für ausgewählte Fachbesucher geöffnet ist? Eine in großen Teilen virtuelle Messe? Vielleicht. Aber es wäre nicht die Frankfurter Buchmesse.”

Kommentare

1 Kommentar zu "Frankfurter Buchmesse: Die Unruhe wächst"

  1. Werner E. Gerabek, DWV Baden-Baden | 30. April 2020 um 10:31 | Antworten

    Unser Verlag, der Deutsche Wissenschafts-Verlag (DWV) Baden-Baden, wird heuer wegen der Corona-Krise erstmals seit 14 Jahren nicht an der Frankfurter Buchmesse teilnehmen. Zu hoch ist uns das Risiko einer Infektion, zumal wir in unserem Messe-Team Personen haben, die zur Corona-Risikogruppe gehören.

    Zu denken gibt uns, dass das Land Berlin sämtliche Großveranstaltungen bis zum 24. Oktober 2020 untersagt, dass das Oktoberfest in München abgesagt wurde, ebenso das zweitgrößte Volksfest in Deutschland, das Cannstatter Volksfest in Stuttgart, das vom 25.9.-11.10.2020 dauern sollte. Es wäre daher nur folgerichtig und begrüßenswert, wenn die Frankfurter Buchmesse ebenfalls abgesagt werden würde.

    Auch die FAZ wundert sich in einem Beitrag vom 25. April, dass die diesjährige Buchmesse noch nicht abgesagt wurde:
    https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/corona-krise-findet-die-frankfurter-buchmesse-statt-16741098.html

    Stand heute müsste unser Verlag an die Buchmesse die vollen Kosten bezahlen, falls wir wegen der Corona-Krise nicht an der Messe teilnehmen. Auf meine Anfrage, ob eine kostenlose Stornierung angesichts der besonderen Situation möglich wäre, erhielt ich am 17. April von der Buchmesse folgende offizielle Antwort: „Da wir momentan davon ausgehen, dass die Frankfurter Buchmesse stattfinden kann, würden momentan die normalen Stornobedingungen greifen. Dies bedeutet, dass eine Stornierung bis zum Anmeldeschluss am 31.01.2020 mit einer Bearbeitungsgebühr von 20 % möglich war. Nach diesem Termin muss die Standmiete dennoch bezahlt werden. Falls wir die Fläche weitervermieten können (bei vorheriger Belegung aller andern möglichen Flächen), kann ein Teil der Standmiete zurückerstattet werden. Den Passus zum Rücktritt finden Sie in unseren Teilnahmebedingungen auf S. 9, § 8.

    Wir würden uns sehr wünschen, dass die Frankfurter Buchmesse 2020 wegen der besonderen Situation baldmöglichst – und nicht erst Mitte Juni – abgesagt wird, damit wir Planungssicherheit haben, und dass die bereits angemeldeten Verlage die schon gezahlten Beträge voll zurückerstattet bekommen.

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