Thalia: Einsammeln und integrieren

Legt man die Zahlen der Filialen und bespielte Verkaufsflächen zugrunde, hat sich im deutschen Filialbuchhandel zuletzt nicht so viel getan. Der neue buchreport-Filialatlas weist eine normale Fluktuation aus: Größenordnungen: 4% Schließungen, 3% Umzug/Umbau und knapp 5% neue Filialen durch neu erschlossene Standorte und Übernahmen von Standorthändlern, die zu Filialen umgewandelt werden.

Hinter den Übernahmen steht die verstärkte Suche nach Nachfolge­lösungen. Die hat das Zeug, die Branchenstrukturen stark zu verändern. Vor allem Osiander und Thalia haben ihre Wachstumsstrategie auf die Übernahme eingeführter Standorthändler ausgerichtet: Deren bisherige Zahlen, kombiniert mit Synergien und Rabattvorteilen der Ketten, sind ein gut kalkulierbares Modell für Übernahme und Preisfindung.

 

Monochrom mit rotem Fleck: Ganz Nordrhein-Westfalen ist im neuen buchreport-Filialatlas blau. Seit dem Zusammenschluss von Thalia (hellblau) und Mayersche (dunkelblau) ist die Buchfiliallandschaft im dichtbesiedelsten Bundesland weitgehend flurbereinigt. Zwar sind aus Kundensicht weiterhin zwei große Marken am Start, sie stehen aber unter einer Führung und werden in den kommenden Monaten effizienz- und gewinnsteigernd integriert. Neben kleineren Standortbuchhändlern ist noch Hugendubel (rot) in Siegen mit einer Vollbuchhandlung vertreten.

Im Namen der Zukunftssicherung

Diese Entwicklung wird die Filialisierung des Buchhandels in den kommenden Jahren weiter vorantreiben. Womöglich in unterschiedlichen Formaten, wie sie Marktführer Thalia zuletzt verstärkt neben der klassischen Übernahme propagiert: Partnerschaftsmodelle, bei dem Buchhandlungen Thalia als Plattform und Dienstleistungspartner nutzen, in einer Art Franchise-Konzept mit dem Marktführer als Kümmerer.

Dramatischer als dieses Agglomerations-Wachstum ist die Konzentration, die Thalia in diesem Jahr mit der Übernahme der Mayerschen vollzogen hat, ebenfalls im Namen der Zukunftssicherung, aber mit besonderem Effekt: Noch mehr Einkaufs- und Marktgestaltungsmacht und im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen nur noch kleine, lokale Wettbewerber. Und mit der Filialdichte (s. Abb.) lässt sich ein leistungsfähiges Liefernetz aufbauen, das vielleicht den Amazon-Päckchen paroli bieten kann. Amazon ist Gegenspieler und Treiber zugleich: Ohne Verweis auf Amazon hätte Thalia den Mayersche-Deal kartellrechtlich nicht durchbekommen.

Auf 23 Seiten und einer Karte präsentiert buchreport den Filialatlas 2020 im buchreport.magazin 11/2019. Hier geht es zum E-Paper und hier zur Bestellung des gedruckten Magazins 11/2019. Die Analyse: Nachfolgelöser Thalia – Blick auf die deutsche Filiallandschaft  ist auch online verfügbar.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Thalia: Einsammeln und integrieren"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Dossier

Aktuelles aus dem Handel

  • Gewerbemieten auch in vielen 1b-Lagen unerschwinglich  …mehr

  • SPIEGEL-Bestseller im Blick

    Der SPIEGEL-Bestseller-Newsletter gibt Ihnen jede Woche kostenlos einen Überblick zu den Aufsteigern der neuen SPIEGEL-Bestsellerlisten.

    » Melden Sie sich hier kostenlos an.

    Wollen Sie sich darüber hinaus schon vorab und detailliert über die Toptitel von morgen informieren, um frühzeitig disponieren zu können?

    » Bestellen Sie das SPIEGEL Bestseller-Barometer ab 8 Euro pro Monat.

    Wenn Sie die SPIEGEL-Bestesellerlisten z.B. in Ihren Geschäftsräumen präsentieren wollen oder online in Ihren Web-Auftritt integrieren möchten, hat buchreport weitere Angebote für Sie.

    » Weitere Angebote zu den SPIEGEL-Bestsellerlisten