Ein unmoralisches Angebot

Bietet sich nach der Tolino-Allianz bald Amazon als neuer Partner des unabhängigen Buchhandels an? Ganz so fern, wie zunächst vermutetet, ist ein solches Angebot nicht: Denn in den USA will sich der große Disruptor jetzt mit den Indies zusammentun.
Das neue Angebot von Amazon Source:

  • Unabhängige Buchhändler, die den Kindle vertreiben, bekommen 10% Provision für jedes verkaufte E-Book – begrenzt auf zwei Jahre. Die Kindle-Geräte sind für sie beim Einkauf 6% günstiger als im Verkauf. Auf Kindle-Zubehör erhalten die Buchhändler einen Rabatt von 35%.
  • Auch für Elektronik-Händler hat Amazon ein eigenes Angebot zusammengestellt: Sie können 9% pro verkauftem E-Reader verdienen – verzichten aber auf eine Beteiligung am Inhalteverkauf. 


„Das Beste aus beiden Welten“: So wirbt Amazon für das neue Partnerprogramm.

Das Angebot erinnert an das des E-Book-Spezialisten Kobo, der sich in den USA und in Großbritannien mit den unabhängigen Buchhändlern zusammengeschlossen hat, um gemeinsam ein E-Book-Angebot aus Geräten und Inhalten anzubieten. Laut „Digital Book Worlderhalten die Kobo-Partner bei Geräten 8% des Verkaufspreises und für künftige E-Book-Käufe zwischen 8% und 18%. Die Buchhändler scheinen recht zufrieden mit der Partnerschaft, klagen aber teilweise über zu geringe Margen.

Kaum ein Buchhändler wird seine Kunden an Amazon verweisen

Zumindest zwei Händler haben sich bereits auf den Amazon-Deal eingelassen. So verweist der Onliner auf ein Pilotprogramm mit der Campus-Buchhandlung Puget Sound und mit JJ Books (beide aus Washington). Zudem kann Amazon mit dem britischen Buchfilialisten Waterstones aufwarten, der seit Mitte vergangenen Jahres gemeinsame Sache mit Amazon im E-Book-Geschäft macht und damit einen Aufschrei in der Buchbranche ausgelöst hat.

Dennoch ist es fraglich, ob die Buchhändler dem mächtigen Konkurrenten in die Hände spielen werden, schließlich haben sie Amazon schon einmal ihr Schaufenster verwehrt: So weigerten sich die unabhängigen US-Buchhändler, Titel aus dem Amazon-Verlagsprogramm ins Sortiment zu nehmen – wodurch der Onliner gegenüber den Autoren deutlich an Attraktivität eingebüßt hat.  

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