»Ein Sachbuch muss auch Orientierung stiften«

Markus J. Karsten (Foto: privat)

Sachbücher sorgen im deutschen Buchmarkt für Lichtblicke: Die Warengruppe 9 hat im 1. Halbjahr gegen den Trend zugelegt. Das liegt nicht nur am Preis, sondern auch an der höheren Nachfrage. Den politischen Entwicklungen kommen Sachbücher aber kaum noch nach. Markus J. Karsten, Verleger des Frankfurter Westend Verlags, spricht im Interview über die besonderen Herausforderungen eines Buchbereichs, der sich auch auf das Zeitalter der beschleunigten Informationen und eine starke Medienkonkurrenz einstellen muss.

Was muss ein gutes Sachbuch leisten?

Es muss analytisch, ausgewogen und glaubhaft sein. Wichtig: niemals tendenziös. Bei Westend setzen sich Bücher immer prinzipiell und grundsätzlich mit einer Thematik auseinander. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen sie verschiedene Blickwinkel auf ein Sujet ausleuchten. Und ein Sachbuch muss auch Orientierung stiften.

Auf der politischen Bühne überschlagen sich die Ereignisse. Wird es schwerer, in unruhigen Nachrichtenzeiten ein langwelliges Sachbuch zu platzieren?

Das glaube ich nicht, weil es ein Publikum gibt, das an fundierter und Orientierung stiftender Information ein Interesse hat. Sachbücher können die großen Lücken füllen, die in der zunehmend schnelllebigen Nachrichtenzeit entstehen.

Wird das Digitalformat wichtiger?

Beim Verhältnis E-Book zum gedruckten Buch liegen wir im üblichen Branchendurchschnitt und ich sehe auch nicht, dass sich hier signifikant etwas ändert. Aber natürlich denken wir auch verstärkt daran, gewisse Themen zunächst nur als E-Book zu spielen oder ausschließlich digital zu publizieren. Aber das ist noch keine Konstante im Programm.

Ein geeignetes Instrumentarium für Schnellschüsse?

Wir sind Experten für Schnellschüsse, zum Leidwesen unserer Vertriebskollegen. Ich würde es aber nicht auf das Digitalformat zuspitzen. Mit Adelheid Bahr, der Witwe von Egon Bahr, arbeiten wir an dem Buch „Letzte Texte von Egon Bahr“, mit vielen weiteren Beiträgen, unter anderem von Oskar Lafontaine, Peter Gauweiler oder Sigmar Gabriel. Sie schreiben alle über das Thema, warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen. Das Buch, bei dem Adelheid Bahr als Herausgeberin fungiert, haben wir erst in den vergangenen Wochen fertig konzeptioniert und gehen damit schon bald in den Handel. So ein Projekt würde ich immer zuerst gedruckt herausbringen.

Die Digitalisierung verändert das Rezeptionsverhalten. Hat das gedruckte Buch in seiner durchgeschriebenen langen Form eine Zukunft?

Wenn potenzielle Interessenten mit einem Buch in Kontakt kommen, sei es durch ein Interview im Radio oder im Fernsehen oder über eine gute Besprechung, dann wollen Sie eigentlich immer auch mehr wissen. Und dann verstehen viele auch, dass sie zu einem bestimmten Thema bislang unterkomplex versorgt worden sind. Aber das Finden von Sachbüchern ist schwieriger geworden. Wir müssen uns heftig bemühen, damit die Menschen mitbekommen, was es zu einem bestimmten Thema gibt. Kommunikation, Pressearbeit, Marketing müssen sehr gut funktionieren. Es ist nicht so, dass die Menschen sagen, wir lesen keine Sachbücher mehr. Aber die mediale Konkurrenz ist sehr viel stärker geworden.

  • Schwerpunktmäßig ausgeleuchtet wird das Segment Sachbuch im buchreport.magazin 7–8, das am Freitag auf die Post geht und als Digitalausgabe ausgeliefert wird. (Hier zu bestellen).

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