buchreport

Ein Monopolgeschäft lässt sich kartellrechtlich nicht durchsetzen

Auf dem Online-Markt für gebrauchte Bücher bahnt sich eine gewaltige Konzentrationswelle an: Zum Wochenende hat Amazon, größter Online-Händler der Welt, angekündigt, den größten Internet-Marktplatz für gebrauchte Bücher, Abebooks aus Kanada, übernehmen zu wollen – über die Kaufsumme wurde nichts bekannt (hier die Pressemitteilung). Sollten die Kartellwächter die Übernahme durchwinken, erfolgt die Übernahme zum 4. Quartal 2008. In entsprechenden Foren hat die Nachricht für teilweise heftige Reaktionen unter Antiquaren gesorgt. Im Interview erklärt Eberhard Köstler (Foto: Dr. Barbara Werner van Benthem), Vorsitzender im Verband Deutscher Antiquare, den Stellenwert der Allianz.

Wie schätzen Sie die Allianz ein? Profitieren die Antiquariate davon?
Eberhard Koestler: Man müsste prophetische Gaben besitzen, um darüber eine stichhaltige Prognose zu wagen. Einerseits ist Amazon sicher eine der bekanntesten ,Marken’ auf dem Gebiet der Online-Buchhandels, andererseits ist die Provisions- und Gebührenstruktur bei Amazon und Abebooks für die einzelnen Beiträger, zu denen nicht nur Antiquare, sondern auch Privatanbieter zählen, nicht günstig. Ob der breitere Markt die hohen Vermittlungskosten decken kann, und somit die Antiquare profitieren, steht momentan in den Sternen. Es wird wohl Gewinner und Verlierer geben.

Abebooks gilt als größter Online-Händler für gebrauchte Bücher und arbeitet angeblich seit seiner Gründung profitabel. Kann Abebooks Ihrer Einschätzung nach nicht alleine überleben?
Die Übernahme von Firmen durch andere, meist größere Unternehmen gehört zu den Alltäglichkeiten im Wirtschaftsleben und folgt ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten. Es geht nicht um die Frage des Überlebens, sondern darum, daß der Kauf und Verkauf von Firmen ein Geschäft ist wie viele andere. Wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten vermischen sich hier wie dort mit Spekulation.

Droht den Antiquariaten jetzt die große Konzentrationswelle, wie Blogger schwarzmalen?
Das geltende und angewandte Kartellrecht in USA sowohl als auch in Europa ist Monopolisierungsbestrebungen ungünstig gesonnen. Möglicherweise wird sich die Anzahl der Wettbewerber am Markt verringern, aber ein Monopolgeschäft wird sich wahrscheinlich kartellrechtlich nicht durchsetzen lassen.

Wie wird sich der Online-Vertrieb antiquarischer Bücher in den kommenden 5 Jahren entwickeln?
Der Marktplatz ,Internet’ ist raschen Veränderungen unterworfen, die eine Prognose, wie gesagt, nicht angezeigt erscheinen lassen. Eine berechtigte Erwartung könnte es aber sein, daß eine jetzt bereits sich abzeichnende Tendenz sich noch verstärkt, nämlich dass das Online-Antiquariat zwar für Gebrauchsliteratur, Second-Hand-Bücher und allenfalls wissenschaftliche Literatur eine geeignete, wenn auch preislich hart umkämpfte Verkaufsplattform sein kann, qualitätsbewußte, anspruchsvolle Büchersammler und sammelnde Institutionen jedoch wieder mehr und mehr die Vorteile der traditionellen Vertriebswege (Ladengeschäft, Druckkatalog, Messen, persönliches Verkaufspespräch) zu schätzen wissen, weil sich momentan nur dort eine zuverlässige Qualitätssicherung erreichen lässt.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Ein Monopolgeschäft lässt sich kartellrechtlich nicht durchsetzen"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Themen-Kanäle

SPIEGEL-Bestseller

1
Fitzek, Sebastian
Droemer
2
Neuhaus, Nele
Ullstein
3
Garmus, Bonnie
Piper
4
Schlink, Bernhard
Diogenes
5
Follett, Ken
Lübbe
27.12.2023
Komplette Bestsellerliste Weitere Bestsellerlisten

Veranstaltungen

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

größte Buchhandlungen