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Die große Frankophonie

Jedes Jahr steht ein Gastland im Fokus der Frankfurter Buchmesse. 2017 bekommt nicht ein Land, sondern die französische Sprache ihren Auftritt. Organisatoren, Verlage und Buchhändler sehen viel Potenzial fürs Gelingen.

Wer denkt, der deutsche Buchmarkt sei stark saisonal geprägt, sollte einen Blick ins Nachbarland Frankreich werfen. Dort überrollt im Rahmen der sogenannten „Rentrée littéraire“ im Herbst alljährlich eine Novitätenwelle Händler und Leser, die fast alle Toptitel der Verlage beinhaltet. Sie schicken ihre vielversprechendsten Romane am liebsten im September und Oktober ins Rennen, weil der Literatur dann traditionell große Aufmerksamkeit gewiss ist:

  • In dieser Zeit berichten sämtliche Medien umfänglich über die wichtigsten Bücher der Saison.
  • Literaturpreise schaffen neue Bestseller-
  • Die Verlage erwirtschaften so viel Umsatz wie in den gesamten fünf oder sechs vorangegangenen Monaten.

In diesem Jahr legt sich die Branche im Bücherherbst noch etwas mehr ins Zeug als sonst, denn vom 11. bis zum 15. Oktober wird ihr als Ehrengast in Frankfurt eine große Bühne bereitet.

 

Unterstützung durch die Politik

Insgesamt sind in Frankreich im vergangenen Jahr 68.000 Novitäten und Neuausgaben erschienen. Damit hat sich die Buchproduktion im „Hexagone“ seit 1995 nahezu verdreifacht. Verantwortlich dafür zeichnen mehrere Hundert Verlagshäuser unterschiedlichster Ausrichtung und Größe – wobei auch in Frankreich eine Konzentration im Verlagssektor spürbar ist.

Der Publikumsmarkt profitiert von einer Politik, die sich sehr darum bemüht, der Buchbranche den Rücken zu stärken. So profilieren sich die französischen Kulturminister regelmäßig durch neue Gesetzesinitiativen oder Förderfonds, die der Branche zugute kommen. Um den stationären Buchhandel zu unterstützen, wurde beispielsweise vor wenigen Jahren die als „Loi Lang“ bekannte Preisbindung dahingehend verschärft, dass Online-Händler Bücher zwar weiterhin mit dem im französischen Preisbindungsgesetz erlaubten Rabatt von 5% verkaufen, aber nicht mehr versandkostenfrei liefern dürfen.

Der neue Staatspräsident Emmanuel Macron hat mit Françoise Nyssen, Leiterin des Verlags Actes Sud, sogar eine Verlegerin zur Kulturministerin ernannt. Sie kann jetzt ein Event begleiten, das bereits vor sieben Jahren angestoßen wurde, aber eine Zeit lang auf der Kippe stand: ein deutsch-französisches Kulturjahr mit seinem Höhepunkt auf der weltgrößten Buchmesse.

 

Nicht »La France à Francfort«

Deutsch-französische Vorfreude: Auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr rührten Paul de Sinety (l.), Vorsitzender der Initiative „Francfort en français“, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, gemeinsam die Trommel für das große Kulturprojekt, an dem unter anderem das Institut français, das Bureau international de l’édition française (BIEF) und das Centre national du livre (CNL) mitwirken. (Foto: buchreport)

Es war ein steiniger Weg zum Gastlandauftritt, denn dem Projekt ging ein längeres Hin und Her voraus: Die von der Messe ausgesprochene Einladung blieb 2014 zunächst unbeantwortet – bis sie öffentlich bekannt wurde. Es folgte eine hitzige Debatte pro und contra Messepräsenz. Uneinigkeit herrschte darüber, ob der kostspielige Auftritt sich wirklich lohne.

Seit die Kooperation feststeht, wird dafür ein umso größeres Rad gedreht. Das Ergebnis: ein deutsch-französisches Kulturjahr mit bundesweit bereits im Vorfeld der Messe mehr als 300 Veranstaltungen verschiedenster Art.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, sieht bei aller Freude an Literatur- und Kultur­events auch eine wichtige politische Komponente: „Die Ehrengastpräsentation Frankreichs steht unter der Schirmherrschaft des französischen Präsidenten Macron. Das allein zeigt schon die politische Dimension dieses Auftritts. Im Wahljahr 2017 ist die Präsenz Frankreichs ein starkes Symbol der Solidarität und der Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich innerhalb Europas.“

1989, als Frankreich zum ersten und seither einzigen Mal Frankfurter Ehrengast war, standen die Leitmotive der geistigen Aufklärung und der sich zum 200. Mal jährenden Französischen Revolution im Mittelpunkt. Diesmal hat das Ehrengastkomitee einen anderen Fokus gewählt: Zentrales Thema des Auftritts sind die französische Sprache und die französischsprachige Literatur aus aller Welt. Unter dem Motto „Francfort en français“, (Frankfurt auf Französisch) und nicht etwa „La France à Francfort“ (Frankreich in Frankfurt) werden deshalb neben Literatur aus Frankreich auch Werke aus der Schweiz, Belgien, Luxemburg, Kanada, Afrika, Asien und dem Maghreb präsentiert.

 

Zur Einstimmung auf den Gastlandauftritt hat die Fachzeitschrift „Livres Hebdo“ ein Dossier in englischer Sprache über die französische Verlagslandschaft zusammengestellt. Es enthält neben diversen Markteinschätzungen u.a. ein Ranking der größten Verlage. Hier geht es direkt zum 69-seitigen PDF.

 

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