50.000 Euro für Felicitas Hoppe

Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums vergibt der Deutsche Literaturfonds erstmals den mit 50.000 Euro dotierten „Großen Preis“ und damit nach eigenen Angaben einen der höchstdotierten Literaturpreise. 2020 geht dieser an Felicitas Hoppe. Über den Kranichsteiner Literaturförderpreis kann sich Christian Schulteisz freuen.

Der neue Preis geht aus dem zuletzt mit 30.000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis hervor. Die Gewinnerin des Großen Literaturpreises wurde aus dem Kreis der bisher durch den Deutschen Literaturfonds geförderten Stipendiaten und Stipendiatinnen durch eine Jury gewählt. Zur Begründung hieß es:

„Felicitas Hoppe, 1960 geboren, hat seit dem Erzählungsband ‚Picknick der Friseure‘ im Jahr 1996 ein im besten Sinne breit gefächertes Werk vorgelegt: erzählerisch reizvolle Erkundungen zu Fragen der Identität ebenso wie lebendige Geschichten für Kinder oder auch eine Reihe aufschlussreicher Poetik-Vorlesungen.“ Felicitas Hoppes Romane bergen stets ein besonderes, nicht zuletzt sprachliches Geheimnis. „Weitgereist teilt die Autorin ihren neugierigen Blick, aufgeschlossen begegnet sie der Welt und der Literatur. Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lässt uns über den Horizont unserer alltäglichen Wahrnehmung hinausblicken. Ihrer Leserschaft wie auch ihren Zuhörerinnen und Zuhörern gibt sie immer wieder neue Schlüssel zum Verständnis in die Hand, wenn sie so klug wie amüsant über ihre eigenen wie die Werke anderer Auskunft gibt.“

Der zweite Preis, der Kranichsteiner Literaturförderpreis wird seit 2003 jährlich durch den Deutschen Literaturfonds an eine Autorin oder einen Autor unter 35 Jahren mit mindestens einer Buchveröffentlichung vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert. In diesem Jahr erhält Christian Schulteisz die Auszeichnung. Die Jury (Bettina Fischer, Manuela Reichart und Hans Thill) begründete ihre Wahl folgendermaßen:

„Christian Schulteisz entwirft in seinem eindrucksvollen Debüt-Roman ein Porträt des (erst posthum entdeckten) Schriftstellers und ‚Universaldilettanten‘, des ekstatischen Wanderers Hans Jürgen von der Wense. Während des Zweiten Weltkrieges musste der hochbegabte Eigenbrötler in Göttingen Kriegsersatzdienst leisten. Wie dieser Held, der nicht urteilt und nicht rechtet, sich in der Gesellschaft bewegt, wie er ganz nebenbei überzeugte Parteigenossen von Mitläufern unterscheidet, wie er ein kluger Sonderling bleibt inmitten des Nazi-Wahnsinns – davon wird hier in einer poetischen und empfindsam-genauen Sprache erzählt. Christian Schulteisz versetzt sich in seine Figur, in jenen Wense, der angelehnt an die historische Person des Dichters, aber nicht autobiographisch verbürgt ist. Er schreibt eindrucksvoll von dessen Verbindung zur Natur, vom entschiedenen Staunen und Wahrnehmen. Der Autor biedert sich dabei seinem Protagonisten nicht an, er fordert keine Sympathie von uns, stattdessen sollen wir staunen über einen Mann, der sich leidenschaftlich in Gedanken und in Büchern verliert und sich in der Kriegszeit anpasst, damit er unangepasst bleiben kann.“

Die Preisverleihung soll am 7. Oktober, dem Gründungstag des Deutschen Literaturfonds vor 40 Jahren, in Berlin stattfinden. Die Vergabe der jeweils zehnwöchigen New York- und London-Stipendien des Kranichsteiner Literaturförderpreises wird in diesem Jahr ausgesetzt. Die Preisgelder und die Preisverleihung werden gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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