Das Verbund-Dilemma

Für die Buchbranche hat Lorenz Borsche, Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch, kürzlich angeregt, dem Online-Riesen Amazon nicht mit vielen Websites und individuellen Shops entgegenzutreten, sondern mit einer Sortimenter-Phalanx in Form eines einheitlichen, gemeinsamen Webshops für alle Buchhändler (buchreport.de berichtete). Die eBuch-Genossen selbst haben einen solchen Gemeinschaftsladen bereits für digitale Bücher aufgezogen („500000 E-Books – 600 Buchhandlungen – ein Shop“).

Ähnliche Diskussionen werden auch in anderen Branchen geführt, wie die „LebensmittelZeitung“ anhand der Aktivitäten von Verbundgruppen analysiert, darunter Euronics und EP (Unterhaltungselektronik), Vedes (Spielwaren), Intersport und Sport 2000 (Sportartikel). Die Verbundgruppen, so das Fazit, tun sich allerdings ausgesprochen schwer, den Rückstand auf die große Online-Konkurrenz aufzuholen.

  • Die Einkaufsgemeinschaften haben vor allem Probleme, die Interessen der heterogenen Mitgliedschaft zu vereinen; viele Mitglieder stehen Online-Shops generell skeptisch gegenüber.
  • Die Shop-Strategie ist uneinheitlich. So wollen etwa Einzelhändler vermeiden, dass der Shop zu offensiv verkauft, um ihre Kunden nicht aus dem Laden zu vertreiben. Der eigene Internetauftritt wird etwa mit dem Ziel angelegt, die Kunden doch ins stationäre Geschäft zu locken.
  • Anders als beim preisgebundenen Buchhandel muss in anderen Branchen bei einer Gemeinschaftslösung die Preispolitik festgelegt werden: Werden die Preise für alle Produkte einheitlich und dem Online-Wettbewerb angemessen aggressiv von der Zentrale festgelegt, fühlen sich die stationären Händler unter Druck, auch im Laden mit diesen als zu niedrig empfundenen Preisen zu arbeiten. Oder die Händler legen mit sehr viel Aufwand die Preise individuell in ihren Ablegern des zentral zur Verfügung gestellten Shops fest.
  • Die Retourenlogistik bereitet ebenfalls Kopfzerbrechen, wenn online bestellte Waren in einem Verbundgeschäft zurückgegeben wird.

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