Das Buch hat Sexyness verloren

Am Wochenende hat der Buchhändlerverbund eBuch seine Jahrestagung in Neuendettelsau (Franken) abgehalten. Die aktuellen Herausforderungen der gesamten Branche beleuchtet eBuch-Vorstand Lorenz Borsche (Foto) im Interview mit buchreport
Die Buchhandelsbranche schrumpft: Wie stehen die eBuch-Handlungen da?
Die eBuch wächst zwar weiter durch neue Mitglieder, aber unsere Buchhandlungen sind nicht atypisch und spüren den Markttrend. Dafür sind es mit 541 Buchhandlungen auch zu viele. Es gibt Leuchttürme, die mit zweistelligem Zuwachs glänzen, ebenso Ausreißer nach unten, ohne dass das immer genau zu erklären ist. Im Schnitt sind es aber die marktüblichen 3 bis 4% Umsatzrückgang. 
Was sind die Ursachen?
Auch andere Einzelhandelsbranchen haben stärkere und schwächere Jahre, sogar mit deutlicheren Ausschlägen. Dem Buch ma­cht ziemlich zu schaffen, dass die menschliche Medienaufnahmefähigkeit an Grenzen stößt. Es gibt immer neue handliche Geräte, die uns in der Bahn oder auf dem Sofa mit Informations- und Unterhaltungshäppchen beschäftigen. 
Smartphones und Tablets als Einstieg ins digitale Lesen…
Ich sehe da aber nicht den Trend zum E-Book, sondern eher, dass wir zu News-Junkies werden und es immer seltener schaffen, uns mal drei Stunden mit einem Buch zurückzuziehen und uns intensiv mit einem längeren Text zu beschäftigen. Dazu passt der Eindruck, dass das Buch in jüngster Zeit an Sexy­ness verloren hat. Dazu haben auch die Verlage ihren Teil beigetragen.
Inwiefern?
Jede Branche erzieht sich ihre Kunden. Eine große Zahl von Verlegern hat es geschafft,  ein Buch, das viele Menschen lange als Wertstück begriffen haben, durch die 99er-Preis­endung zu aldisieren. Der Marketingeffekt ist, dass der Kunde jetzt billig und Sonderangebot assoziiert. Das gerade bei potenziellen Buchkäufern vorhandene Gefühl, ich leiste mir etwas, ist durch diese Preisdämlichkeit  beim Buch verloren gegangen. Es hatte schon seinen Grund, warum Bücher lange 8,80 oder 17,80 Euro gekostet haben. 
Sie sprechen gar nicht von Amazon als Hauptgrund für die Umsatzrückgänge des stationären Buchhandels…
Ich höre nicht, dass die Amazon-Umsätze das ausgleichen und die Verlage deshalb ganz entspannt sind. Auch die verlieren. Die Probleme haben schon mit der rückläufigen Attraktivität des Buches zu tun, auch wenn Amazon den örtlichen Handel tatsächlich Umsatz kostet. 
Das haben Große und Kleine verschlafen: Ist online noch irgendetwas zu retten?
Ja, insofern als sie die Kunden, die sie noch haben und von denen sie leben, nicht auch noch verlieren. Deshalb bieten wir unseren Mitgliedern verschiedene Shops an einschließlich einer sehr kostengünstigen Variante in Anbindung an unser Zentrallager Anabel.
Die Fragen stellte Thomas Wilking

Die Ergebnisse der eBuch-Jahrestagung lesen Sie im aktuellen buchreport.express 19/2012 (erscheint am Donnerstag, 10. Mai).

Kommentare

1 Kommentar zu "Das Buch hat Sexyness verloren"

  1. Robert Stöppel | 9. Mai 2012 um 15:34 | Antworten

    Eine der besten Bestandsaufnahmen, der letzten Zeit! Es geht auch ohne panische Untertöne…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Dossier

buchreport.spezial

Aktuelles aus dem Handel

  • Erfolgreich werben auf Facebook und Instagram  …mehr
  • Unabhängige Verlage: Kritik an den Auslistungen von Libri  …mehr

  • SPIEGEL-Bestseller im Blick

    Der SPIEGEL-Bestseller-Newsletter gibt Ihnen jede Woche kostenlos einen Überblick zu den Aufsteigern der neuen SPIEGEL-Bestsellerlisten.

    » Melden Sie sich hier kostenlos an.

    Wollen Sie sich darüber hinaus schon vorab und detailliert über die Toptitel von morgen informieren, um frühzeitig disponieren zu können?

    » Bestellen Sie das SPIEGEL Bestseller-Barometer ab 8 Euro pro Monat.

    Wenn Sie die SPIEGEL-Bestesellerlisten z.B. in Ihren Geschäftsräumen präsentieren wollen oder online in Ihren Web-Auftritt integrieren möchten, hat buchreport weitere Angebote für Sie.

    » Weitere Angebote zu den SPIEGEL-Bestsellerlisten