Comics in Leipzig auf der Kippe?

Die Leipziger Buchmesse hat sich einen Comic-Schwerpunkt aufgebaut, aber Verlage kritisieren das Konzept wie auch das zugehörige Online-Forum.  
Seit 2001 gibt es den Comic-Bereich auf der Leipziger Buchmesse, der Jahr für Jahr mehrere Zehntausend Besucher anzieht. Vor allem geht es dort um die bei Jugendlichen besonders beliebten Mangas. Das Manga-Publikum konnte die Leipziger Messe auch über die Messetage hinaus im „Comics-in-Leipzig-Internetforum“ (kurz CiL-Forum) an sich binden – zumindest bis zu den jüngsten Irritationen. 
Vor etwa eineinhalb Monaten kam es im CiL-Forum zu größeren Umbauarbeiten, die sich über mehrere Wochen hinzogen. Über diese lange Offline-Phase wurden jedoch weder die Nutzer informiert noch die Manga-Verlage wie Carlsen, Egmont/EMA und Tokyopop, die dort ihre Verlagsforen für die Manga-Sparten angesiedelt haben. Als jetzt auch noch zahlreiche unabhängige Fan­bereiche des CiL-Forums gelöscht werden sollten, kam es zum Aufstand. Nicht nur Fangruppen verlassen das CiL-Forum, auch die Manga-Verlage wollen in diesen Tagen in das konkurrierende Comic-Forum wechseln. Ob das CiL-Forum unter diesen Bedingungen ab Juni noch weiterbestehen wird, ist derzeit offen. Die Leipziger Buchmesse sah bei Redaktionsschluss noch Abstimmungsbedarf, bevor sie sich zur CiL-Perspektive äußern wollte. 
Verlage und Buchmesse verhandeln

Aber auch hinter dem eigentlichen Messebereich „Comics in Leipzig“ stehen Fragezeichen:

  • Im März 2012 war von den größeren Comic-Verlagen nur noch Carlsen mit einem eigenen Stand vertreten.
  • Neben den großen, von der Messe selbst bespielten Flächen wie dem Signierbereich, dem „Schwarzen Sofa“ für Gesprächsrunden oder dem Dojinshi-Markt sind es überwiegend Händlerstände, die die Halle 2 füllen und für Mieteinnahmen sorgen. 
  • Weil jetzt nur diese Händler auf der Leipziger Buchmesse selbst verkaufen durften, meldeten sich einige Verlage notgedrungen über ihre selbst betriebenen (Online-)Shops als Händler an oder blieben wie Tokyopop der Messe ganz fern.
Zudem entzündete sich an zahlreichen Händlerständen zusätzlicher Streit, da dort  offensichtlich im großen Stil Merchandising-Produkte verkauft wurden, die aus Produktpiraterie stammten. Die Verlage ma­chen deutlich, dass sie hier in Zu­kunft deutliche Gegenmaßnahmen erwarten, wie sie auch andere Messeveranstalter wie die Organisatoren der Kasseler Connichi in solchen Fällen ergreifen.

Über die diversen Probleme wurde inzwischen auf einem ersten, von Carlsen initiierten Treffen mit der Leipziger Buchmesse diskutiert, an dem auch Vertreter von Egmont und Tokyopop beteiligt waren. Denn auch Carlsen signalisiert, dass nur  eine breitere Verlagspräsenz ein Festhalten an „Comics in Leipzig“ ermögliche.

Martin Jurgeit, redaktion@buchreport.de
aus: buchreport.magazin 6/2012

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