Deutsche Verlage präsentieren sich in Angoulême

Dass der Comic in Frankreich eine große Rolle spielt, ist hinlänglich bekannt. Zum 47. internationalen Comic-Festival von Angoulême (Donnerstag, 30. Januar, bis Sonntag, 2. Februar) kam Präsident Emmanuel Macron mit einer besonderen Botschaft: Er rief ein Jahr des Comics aus. Staatliche Investitionen sollen dem französischen Comic national wie international mehr Gewicht verschaffen – in einer Zeit, in der der franko-belgische Comic selbst in seinen frankophonen Heimatländern immer mehr gegenüber den japanischen Mangas und US-Comics ins Hintertreffen zu geraten droht.

Das zeigte der Rundgang über das Comic-Festival in Angoulême, das immer Ende Januar das bestimmende Kulturereignis in Frankreich ist. Hier gab es nicht nur wieder ein ganzes Ausstellerzelt exklusiv für die Mangas, auch im Hauptzelt mit den franko-belgischen Großverlagen wie Casterman, Glenat oder Dargaud stellen deren für US-Comics gegründete Imprints die großen Attraktionen dar, gerade beim jüngeren Publikum.

Auch alle namhaften Comic-Verlage aus dem deutschsprachigen Raum waren wieder mit ihren Programmleitern in Angoulême vertreten. Machte sich diese Karawane in früheren Zeiten aber fast ausschließlich zum Einkauf von franko-belgischen Lizenzen auf den Weg, so nimmt inzwischen auch der Verkauf eigener Rechte immer größeren Raum ein.

Zu diesem Zweck hatten Verlage wie Carlsen, Splitter oder Bahoe Books dieses Jahr eigene Stände im Rechtezelt. Selbst der neue Berliner Kinder-Comic-Verlag Kibitz konnte schon erste Lizenzen aus seinem erst im Mai erscheinenden Startprogramm verkaufen.

Die wichtigsten in Angoulême vergebenen Preise im Überblick

  • Grand Prix 2020: Emmanuel Guibert (dt. u.a. „Der Fotograf“, Edition Moderne)
  • Preis für das beste Album: „Révolution 1. Liberté“ von Florent Grouazel & Younn Locard (noch keine dt. Veröffentlichung)
  • Spezialpreis der Jury: „Clyde Fans“ von Seth (dt. diesen Sommer in der Edition 52)
  • Preis für die beste Serie: „Dans l’abîme du temps“ von Tanabe Gou nach H.P. Lovecraft (dt. Edition der Lovecraft-Mangas bei Carlsen)
  • René-Goscinny-Szenariopreis: „Le Dernier Atlas“ von Gwen de Bonneval und Fabien Vehlmann (noch keine dt. Veröffentlichung)

Kommentare

1 Kommentar zu "Deutsche Verlage präsentieren sich in Angoulême"

  1. Doll, die deutschen Comics können nach Frankreich verkauft werden, wer hätte das vor 30 Jahren erwartet, aber es spricht für eine lange kontinuierliche Entwicklung, Zeichner und Szenearisten haben es zwar noch schwer, aber da geht was, und nebenbei erfährt man vom „Jahr des Comic“. „Viva bande dessinée!“, möchte man jubeln. Ich als Nachwuchszeichner und Nachwuchsszenarist bin hoffnungstrunken. Ein guter Roter muss ja nicht aus Burgund kommen.

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