Bernhard Heckler über »Das Liebesleben der Pinguine«

In den aktuellen Frühjahrs-Programmen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. buchreport stellt 15 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Bernhard Heckler.

Mein Roman in drei Sätzen

Bernhard Heckler, geboren 1991 in München, hat in Regensburg, Istanbul, Wien und München Politikwissenschaft und Journalismus studiert. Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens und der FAZIT-Stiftung. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule. Schreibt für die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Zeit“ und deren Magazine. Er lebt in München. „Das Liebesleben der Pinguine“ (Tropen) ist sein erster Roman. (Foto: Thomas Dashuber)

Ein Roman über die Eifersucht auf einen Vibrator und andere Ur-­Szenen der digitalen Liebe. Ein italienischstämmiger Strongman mit liebesbedingtem Formtief, ein Influencer mit mittelmäßigem Einfluss und eine Ghostwriterin für Online-Dating, die nicht mehr weiß, was sie schreiben soll. Je mehr sie die Kontrolle über ihr Leben behalten wollen, desto mehr entgleitet sie ihnen.

Mein Weg zu Tropen

Text für Zeitung geschrieben, E-Mail von Tropen-Verlagsleiter Tom Müller bekommen: Ob ich mir vorstellen könnte, ein erzählendes Sachbuch oder ein „außergewöhn­liches literarisches Projekt“ daraus zu machen. Beim persönlichen Treffen mit dem Größenwahn des Ahnungslosen für das außergewöhn­liche literarische Projekt plädiert.

Das Verdienst meiner Lektoren

Tom Müller hat den Roman gesehen, bevor ich ihn gesehen habe. Hat mich auf dem Weg aus­reichend überfordert und mich mindestens einmal vor mir selbst gerettet. Ohne ihn gäbe es dieses Buch nicht.

Bärbel Brands hat aus einer Collage einen eleganten Text geformt. Hat die Fähigkeit, mit nur einem Wort einen Satz von seiner Mittelmäßigkeit zu befreien. Hat besonders der Figur Nura ein interessanteres Gesicht gegeben.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Der Betrieb und ich: Das könnte passen.

Meine Lieblingsbuchhandlung

  • Belletristik/ Sachbuch: Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg
  • Comic/ Graphic Novel: Comic Com­pany, München

Mein Lieblingsautor

Belletristik: Heinz Strunk, „Der goldene Handschuh“. Die Figuren verlieren auch in der Hölle ihre Würde nicht. Viermal gelesen, zweimal Hörbuch, zweimal Hörspiel. Drehbuch: Mizzi Meyer. „Der Tatortreiniger“. Beste deutsche Fernsehserie.

So lese ich

„Süddeutsche Zeitung“ zum Frühstück. Erst Sportteil, dann den Rest. Dann Twitter. Dann am Schreibtisch erratisches und wahlloses Rumblättern in Büchern, die ich schon mal gelesen habe, aus Inspirationsgründen. Schließlich diszi­plinierte Lektüre von 40 Seiten des aktuell zu lesenden Buchs. Momentan: Haruki Murakami, „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“. Nach den ersten 40 Seiten selbst neue Laufschuhe gekauft.

Schreiben ist für mich

Alternativlos

Wenn ich nicht gerade schreibe

Genieße ich drei Tage die Freuden des einfachen Mannes. Am vierten Tag werde ich nervös.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Wir sehen die Welt durch unsere Smartphones und Laptops, durch die Fensterfronten der Fitnessstudios. Sie sieht echt aus. Aber von Zeit zu Zeit pressen wir unsere Hände an das Glas, werfen das Smartphone an die Wand. Wir wollen uns begegnen. Uns berühren. Das ist alles. Wie immer schon. Und es ist, wie immer schon, unendlich schwer. Das Liebesleben der Pinguine erzählt von der Eifersucht auf einen Vibrator und an­deren Ur-Szenen der Liebe in der digitalen Gegenwart. Ein heraus­ragendes Debüt!

Tom Müller, Verlagsleiter

Debütantinnen und Debütanten – im buchreport.magazin 01/2021

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