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Auch Spitzengruppe unter Druck

Buchhandelsmarktführer Thalia hat erstmals die Umsatz-Milliarde erreicht. Im Kalenderjahr 2010 hat die Buchsparte der Douglas AG nach buchreport-Berechnungen knapp über 1 Mrd Euro zu Endverbraucherpreisen umgesetzt und damit ihren Vorsprung im Ranking „Die größten Buchhandlungen“ (zur kompletten Liste) weiter ausgebaut. Das Ranking listet die 50 marktführenden stationären Handelsunternehmen der Branche im deutschsprachigen Raum auf und wurde in der März-Ausgabe des buch­report.magazins veröffentlicht (hier zu bestellen).

Der erneute Wachstumsschritt von Thalia (+10%) und auch der direkt damit verbundene Zuwachs der addierten Umsätze der Top-50 insgesamt auf
jetzt 3,3 Mrd Euro (+3%) sind allerdings keine Indizien für eine kraftstrotzende Vitalität der Branche. In der Analyse bestätigt sich vielmehr die These, dass der stationäre Buchhandel auch an der Spitze mächtig unter Druck steht:

  • Von den zehn marktführenden Unternehmen weisen fünf einen Umsatzrückgang, zwei unveränderte Werte aus (s. Tabelle am Ende), im 50er-Ranking weist mehr als die Hälfte der Buchhandlungen rückläufige oder lediglich stagnierende Umsätze aus.
  • Branchenprimus Thalia, mit knapp 300 Filialen und über 250.000 qm im Markt, hat zuletzt nur dadurch zulegen können, dass der im Dezember 2009 zugekaufte Online-Umsatz des Internetshops buch.de konsolidiert worden ist, der im letzten Jahr gut 120 Mio Euro zu Endverbraucherpreisen umgesetzt hat. 
  • Unter dem Stichwort Multichannel wächst das Online-Geschäft organisch auch in anderen Buchhandlungen mit einem allerdings sehr unterschiedlichen Wirkungsgrad zwischen weniger als 1% und 10% Umsatzanteil.
  • Unter dem Eindruck rückläufiger Buchverkäufe spielen Sortimentserweiterungen durch Nonbooks eine große Rolle. Nach den im Rahmen des Rankings erhobenen Daten sind bei großen Branchenunternehmen 5 bis 10% Nonbook-Sortiment Standard, mit teilweise deutlichen Ausreißern nach oben.

Breite Spreizung: Ranking reicht bis 7 Mio Euro

Die Struktur des Rankings zeigt weiterhin eine ausgeprägt mittelständische Branche. Hinter Thalia und der DBH gibt es nur noch zwei Buchhandelsunternehmen mit zumindest dreistelligem Millionenumsatz: Die mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen agierende Mayersche mit allgemeinem Sortiment sowie der Fachinformationsspezialist Schweitzer mit deutschlandweiter Vor-Ort-Ladenpräsenz und zugleich ausgeprägter Direkt- und Online-Betreuung von Unternehmenskunden und Institutionen.

Insgesamt ist das Ranking der größten deutschsprachigen Buchhandlungen neben wenigen Solisten (u.a. Duss­mann in Berlin, Stern in Düsseldorf) durch Filialbetriebe unterschiedlichsten Typs geprägt:

  • Kleinere regional verbundene Allgemeinsortimente;
  • Fachbuchhandel wie Lehmanns (Rang 7) und die Sack Mediengruppe (19);
  • Spezialisten wie die Kunstbuchhandlungen von Wal­ther König (29) oder die christliche Alpha-Kette (42);
  • eine ganze Reihe von Anbietern, bei denen Bücher ein relativ kleines Segment in ihrem Gesamtsortiment darstellen, in Warenhäusern, in Medienhausketten oder in Bahnhofsbuchhandlungen, deren Hauptstandbein der Pressehandel ist.

Fotos: Thalia

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