Anja Hirsch über »Was von Dora blieb«

In den aktuellen Frühjahrs-Programmen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. buchreport stellt 15 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Anja Hirsch.

Mein Roman in drei Sätzen

Während einer Ehekrise vergräbt sich die konfliktscheue Isa fern von zu Hause am Bodensee lieber in alte Familiendokumente. Ihre Großmutter Dora studierte in den Zwanzigern an der Essener Kunstgewerbeschule, Vorläufer der Folkwangschule. Doch je mehr Isa recherchiert, desto tiefer verfängt sie sich in den Schattenseiten des Jahrhunderts und stellt Fragen, deren Antworten auch die Sicht auf ihr eigenes Leben verändern.

Mein Weg zu C. Bertelsmann

Ging über die Agentur Petra Eggers, die mein Buch in einem Verlag untergebracht hat, in dem ich mich gut aufgehoben fühle.

Das Verdienst meiner Lektorin

Linda Walz stellte die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Tonfall und hat mich noch einmal sanft hineingestoßen ins Buch. Die Entdeckung: Alles ist schon drin und muss nur gehoben werden. Hat Spaß gemacht!

Anja Hirsch, geboren 1969 in Frankfurt am Main, studierte in Freiburg im Breisgau, Kanada und Bielefeld und wurde in Germanistik promoviert. Sie arbeitet als freie Journalistin für überregionale Medien (u.a. Deutschlandfunk, FAZ, WDR) und lebt in Unna. „Was von Dora blieb“ (C. Bertelsmann) ist ihr Debüt. (Foto: Frank Wierke)

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Eine Wunderpackung. Wo man auch hineinsticht: Meistens begegnet man hoch motivierten Menschen. Ihre Leidenschaft ist faszinierend. Ehe man sichʼs versieht, hat man einen Haufen neuer Bücher in der Tasche.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Hornung in Unna. Da gibt es das gemütlichste Sofa und immer ein schönes Gespräch.

Meine Lieblingsautoren

Das wechselt mit Stimmung und Lebensphasen. Zur Zeit nach reich gedecktem Gabentisch mit Gegenwartsliteratur wieder gern Älteres. Klassiker bis Moderne. Querbeet. Ich kann mich nicht entscheiden! Bitte entschuldigen Sie. Es gibt zum Glück zu viel gute Literatur.

So lese ich

Je nach Buch gern langsam, wegen des Hallraums der Sprache. Aber es gibt auch die Bücher, die schnell gelesen werden wollen! Und ja: Ich mache Anstreichungen in Büchern. Aber immer nur mit Bleistift! Die schönsten Funde schreibe ich mir raus. Und in stillen Momenten ein gutes Gedicht. Da weitet sich alles.

Schreiben ist für mich

eine Art konzentriertes Freischwimmen? Einerseits stößt man – aller besten Pläne zum Trotz – ins Ungewisse. Andererseits hält man etwas fest, betrachtet es, lässt es ziehen. Dabei ordnet sich Chaos, während gleich wieder neues entsteht. – Schön!

Wenn ich nicht gerade schreibe

… dann kreisen meine Gedanken, um etwas zu verstehen oder weil ich gerade journalistisch an etwas arbeite. Die meisten Knoten lösen sich zum Glück draußen beim Spazierengehen.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Anja Hirschs Manuskript hat mich sofort für sich eingenommen. Das Ruhrgebiet, gemeinhin als Industrieregion mit rauchenden Schloten wahrgenommen, entpuppt sich in ihrem Generationenroman als Keimzelle der Kunstavantgarde im frühen 20. Jahrhundert. Anja Hirsch erzählt ergreifend und mit eigenem Ton über die Schwierigkeiten der Kriegsenkelgeneration, sich im eigenen Leben zu verankern. Man folgt ihr fasziniert bei der Spurensuche, bei der man sich als Leser immer wieder selbst begegnet.

Linda Walz, Senior Editor

Debütantinnen und Debütanten – im buchreport.magazin 01/2021

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