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18. Rattenfänger-Literaturpreis geht an John Hare

Der 18. Rattenfänger-Literaturpreis geht an den US-amerikanischen Künstler John Hare für sein Bilderbuch „Ausflug zum Mond“  (Moritz Verlag, Frankfurt/Main), das die Jury als rundum gelungenes Buchkunstwerk begeistert hat. Als Meister der Andeutung, so die Jury in ihrer einstimmigen Entscheidung, gelingt es Hare eine zarte, hoffnungs-volle Geschichte über die Zukunft einer Menschheit zu erzählen, die ganz ohne Worte die Gesprächspartner berührt und verändert.

John Hare: „Ausflug zum Mond“. 18. Rattenfänger-Literaturpreis. (Foto: Moritz-Verlag)

Der Rattenfänger-Literaturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird seit 1984 alle zwei Jahre von der Stadt Hameln für herausragende Märchen- und Sagenbücher, fantastische Erzählungen, moderne Kunstmärchen oder Erzählungen aus dem Mittelalter für Kinder und Jugendliche vergeben. Für den Preis waren 199 Bücher eingereicht worden, die im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2019 erschienen sind.

Aufgrund der Pandemieentwicklung ist noch nicht absehbar in welcher Form eine Preisverleihung an den Autor erfolgen wird.

Begründung der Jury

Der 18. Rattenfänger-Literaturpreis geht an den US-amerikanischen Künstler John Hare für sein Bilderbuch „Ausflug zum Mond“, das die Jury als rundum gelungenes Buchkunstwerk begeistert hat. Ganz ohne Worte evoziert Hare eine wundersame  Welt aus Schwarz und Grau und leuchtenden Farbtupfern – und erzählt die Geschichte einer Mondlandung der anderen Art: Wir befinden uns in einer nicht näher bestimmten Zukunft, in der es die Technik erlaubt, mal eben zum Mond zu fliegen. Das Buchcover zeigt eine Gruppe entspannt plaudernder Kinder, die, in Raumanzüge verpackt und Helme unter den Arm geklemmt, durch eine Plexiglasröhre ins Raumschiff einsteigen. Was heißt da Raumschiff: Mit seinen runden Formen und dem warmen Gelbton sieht es aus wie eine Mischung aus Schulbus und Yellow Submarine.

Auf dem Mond ist alles grau – eine berückend fremde Wüsten- oder Schneelandschaft lädt die Schulklasse zum Grabenhüpfen und Kraterklettern ein. Ein Wunder nur, dass dieser so leicht erreichbare Mond außer den Spuren der Kinderfüße keinerlei menschliche Aneignungsversuche aufweist. Die Menschheit scheint dazugelernt zu haben, denn anstatt den Mond zu kolonisieren, wird nach dem Schulausflug wieder schön aufgeräumt. Eigentlich kein Wunder, wenn man die Doppelseite betrachtet, auf der John Hare die Erde am tiefschwarzen Himmel aufgehen lässt. Blau und grün und gelb, mit zarten Schleierwolken leuchtet sie aus der absoluten Dunkelheit – so berückend schön, dass eins der Kinder die unternehmungslustige Gruppe aus den Augen verliert, sich hinsetzt und den magischen Anblick zu zeichnen beginnt.

Das Kind, das die ganze Zeit etwas verträumt hinter der Gruppe hergetrödelt ist, hat Zeichenblock und „Crayons“, Wachsmalkreiden, dabei. Während es malt, döst es weg – und verpasst den Abflug des Raumschiffes. Doch als es, mutterseelenallein im Weltraum, einfach weiterzeichnet, ploppen nach und nach erst Köpfe, dann die restlichen Körper neugieriger Mondwesen aus dem gar nicht so monochromen Grau: Ihnen gehen ganz wörtlich die Augen über, als sie die Farbtupfer sehen, die das Kind in ihre Welt bringt. Das löst das Kind aus seiner Selbstversunkenheit und ein Erstkontakt der besonderen Art entspinnt sich: Ohne Worte, aber in allen Farben des Regenbogens – bald bedienen sich Mondwesen, denen die Augen gehören, bei den bunten Kreiden und bemalen sich selbst und das Mondgestein mit großer Lust.

„Ausflug zum Mond“ ist eine atmosphärische Bildergeschichte, in der viel Wissen und viele Geschichten stecken, die man sich beim gemeinsamen Blättern erzählen kann. Das Bilderbuch ist aber auch ein Plädoyer für Entschleunigung, für das ziellose, aber kreative Herumtrödeln. Denn das straffe Ausflugsprogramm ließ kein Verweilen und damit auch keine Begegnung mit den einäugigen Mondbewohnern zu. Und es ist eine zarte, hoffnungsvolle Geschichte über die Zukunft einer Menschheit, die einen nachhaltigen Umgang mit dem Universum gelernt hat. Aus dem kindlichen Staunen über die Schönheit des Weltraums wird Kunst, und aus der Kunst ergibt sich ganz organisch eine verspielte Form der Kommunikation mit extraterrestrischen Wesen, die ganz ohne Worte die Gesprächspartner berührt und verändert. Oder war alles nur ein Traum? Wie so vieles in diesem zauberhaften Buch bleibt auch dies der Fantasie der Leserinnen und Leser überlassen. Denn John Hare ist ein Meister der Andeutung – auch wenn er uns einlädt, uns selbst in den undurchsichtigen Raumhelmvisieren in die Geschichte hinein zu spiegeln. Aber auch, indem er gar keine Mimik zu zeichnen braucht, um die Erleichterung des Kindes bei seiner Rettung greifbar zu machen – und seine Bockigkeit, als es gleich auf dem nächsten Bild seine Malereien wegwischen muss.

Schlägt man das Buch am Ende zu, lädt die Eingangsschleuse zum interplanetaren Schulbus auf der Rückseite gleich noch einmal dazu ein, das Gefährt zu besteigen und sich ein weiteres Mal auf Abenteuerreise zu begeben. Eine Einladung, der man ohne zu zögern folgt – immer und immer wieder.

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