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Leipziger Buchhandlungen sorgen sich um Bibliotheksaufträge

In Leipzig hängt der Haussegen schief: Die Leipziger Städtischen Bibliotheken haben bekanntgegeben, dass sie ihre Etats für die Jahre 2023 bis 2026 europaweit ausschreiben werden. Für die knapp 30 zumeist inhabergeführten Buchhandlungen Leipzigs sei das eine echte Hiobsbotschaft, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) in ihrem Feuilleton. 

„Warum?“ fragt sich die „FAZ“ und erklärt das Problem der Ausschreibung auch direkt: „Es gibt doch im Buchhandel die Preisbindung. Der Bezug preisgebundener Bücher – für die öffentliche Bibliotheken, gesetzlich fixiert, einen Rabatt von zehn Prozent bekommen – ist in der Ausschreibung an „bibliotheksspezifische Serviceleistungen“ wie Folierung oder Anbringung von Barcodes und Diebstahlschutz gekoppelt; ganz offensichtlich sind dies die Zuschlagskriterien, und Outsourcing soll Kosten sparen. (…) Das Anforderungspaket ist ganz offensichtlich so gestrickt, dass es nur für große Player wie Schweitzer, EKZ-Bibliotheksservice oder Hugendubel zu erfüllen ist, die über entsprechende Software, Maschinen und Know-how verfügen.“ 2018 sei das bereits in Berlin der Fall gewesen: Damals übernahm Hugendubel die Belieferung der Berliner Zentral- und Landesbibliotheken. Für den lokalen Buchhandel sei nichts mehr übrig geblieben. 

In Leipzig sei es bisher so gewesen, dass die Städtischen Bibliotheken frei über ihre Etats verfügen konnten. Und diese wären gerne auf den Buchhandel vor Ort verteilt worden. Für manch einen Buchhändler sei das eine existenzsichernde Aufgabe gewesen, schreibt „FAZ“-Redakteur Nils Kahlefendt. Zur Aufklärung über die neuen Vergabekriterien habe vor allem Peter Hinke, der in Leipzig die Connewitzer Verlagsbuchhandlung und die Buchhandlung Wörtersee betreibt, beigetragen. Im Newsletter seine Buchhandlung machte er auf den Problem aufmerksam und lenkt seitdem die Korrespondenz mit dem Kulturamt, den Leipziger Städtischen Bibliotheken, dem Börsenverein und seinen lokalen Kollegen. 

Die Stadt verschanze sich hinter den Paragraphen des Vergaberechts, lässt Kahlefendt verlautbaren. Dass die Stadt tatsächlich ihren gesamten vergaberechtlichen Spielraum genutzt habe, um Leipzigs Buchhandel zu unterstützen, würden die Buchhändler anzweifeln. Und inzwischen hätten sie auch den Börsenverein hinzugezogen. Laut Börsenverein-Justiziar Christian Sprang sei rechtlich gesehen gegen die Ausschreibung wohl nichts einzuwenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Leipzig zu „vergaberechtlichen Auseinandersetzungen“ komme, halte er jedoch für „sehr groß“. 

Kahlefendts Fazit: „In der ehemaligen Buchhauptstadt, in der man vom Glanz früherer Zeiten nur noch träumt, hat man ein handfestes Problem.“

Kommentare

1 Kommentar zu "Leipziger Buchhandlungen sorgen sich um Bibliotheksaufträge"

  1. Das Problem gibt es nicht nur in Leipzig. Auch hier in Bayern kaufen viele Bibliotheken bei den entsprechenden Anbietern, die Folierung, Beschriftung, etc anbieten können. Da ist der lokale Buchhandel meistens außen vor. Dort werden oft nur noch Spezialtitel oder Randwarengruppen gekauft. Könnte der lokale Buchhandel dies anbieten, sähe es anders aus. Aber ohne diese Zusatzservices hat man das Nachsehen.

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