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Thomas Böhm empfiehlt Clarice Lispector

Thomas Böhm (Foto: privat)

Thomas Böhm ist neuer künstlerischer Leiter des Festivals LIT:potsdam (26. Juni bis 3. Juli 2022). Hier seine aktuelle Buch-Empfehlung:

„‚Ich habe die Sphinx nicht entziffern können. Aber sie mich auch nicht‘, schrieb Clarice Lispector von einer Ägyptenreise. Ein typischer Satz für die 1920 geborene brasilianische Autorin, die ihrer Zeit ein Rätsel blieb. Vielleicht auch, weil sie ihr voraus war; mit ihren Beschreibungen von Zuständen der Einsamkeit, Zurückgesetztheit, Müdigkeit. Zustände, die uns heute traurig vertraut sind.

Zeitlebens schrieb Lispector Kurzgeschichten – oft nur wenige Seiten umfassend. Beeindruckend intensive Porträts von Menschen, die gerade eine einschneidende Erfahrung gemacht haben: verlassen wurden, desillusioniert, gedemütigt. Doch diese Erfahrungen führen bei Lispector nicht zur Niedergeschlagenheit; vielmehr werden sie dargestellt als Erlebnisse, die ihren Figuren einen Moment der Klarheit schenken. Der Ekstase. Sie dem Geheimnis der Existenz näherbringen. Und uns damit auch.

Clarice Lispectors Kurzgeschichten liegen in zwei Bänden vor – ich empfehle besonders auch das Hörbuch, auf dem Hannelore Hoger ihre Verehrung von Clarice Lispector durch eine ungemein einfühlsame Vortragsart zum Ausdruck bringt.“

Clarice Lispector: Aber es wird regnen, 288 S., 22 €, Penguin, ISBN 978-3-328-60095-4

Clarice Lispector: Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau, 416 S., 24 €, Penguin, ISBN 978-3-328-60094-7

 

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