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Bastei Lübbe: Ritt durch das Tal der Tränen

Carel Halff, Ulrich Zimmermann und Klaus Kluge (v.l.) stellten sich auf der Hauptversammlung den kritischen Fragen der Aktionäre.

Bleiben die Aktionäre ruhig? Das war die spannende Frage auf der Hauptversammlung von Bastei Lübbe. Vorstandschef Carel Halff, seit 10 Monaten im Amt, hat für die Fortführung seines strikten Sanierungskurses grünes Licht und der Aufsichtsrat wurde für eine neue Periode im Amt bestätigt. Aber: Die Auf- und Abarbeitung der  Vergangenheit ist längst nicht abgeschlossen. Und Dividende bleibt wohl für länger ein Wunschtraum.

Dass die Hauptversammlung für die Führungscrew nicht vergnügungssteuerpflichtig werden würde, ist angesichts der Eckdaten des börsennotierten Publikumsverlags nicht verwunderlich: Das Geschäftsjahr 2017/18 hat das Unternehmen im Minus bilanziert und auch im 1. Quartal des laufenden Berichtszeitraums war Bastei Lübbe auf der Rüttelstrecke unterwegs. Ein negatives Konzern-Ebit von 18 Mio Euro (2017/2018) hängt Bastei Lübbe wie Blei an den Beinen und zwingt zu harten Einschnitten auch in Form von Personalabbau. „Es ist brutal, schmerzhaft aber unvermeidlich. Aber es gibt auch viele gute Gründe für Zuversicht“, blickte Halff mit Verweis auf das von ihm implementierte Programm zur Effizienzsteigerung vor den Aktionären nach vorn.

Wohin geht die Reise? Futter für die Fantasie der strapazierten Anleger lieferten Halff und Vorstand Klaus Kluge (Programm, Marketing und Vertrieb) u.a. mit folgenden Perspektiven:

  • Eroberung neuer Zielgruppen und Nutzung von Markttrends: Besondere Erfolge feiert Bastei Lübbe derzeit mit dem Romance-Label Lyx für die jüngere Leserinnen-Generation. Paradebeispiel dafür ist die „Save“-Reihe der Autorin Mona Kasten. Bastei Lübbe will Lyx multiplizieren: In Form von Glyx, einem Label für Frauen ab 40.
  • Zukäufe auf der Agenda: Wachsen könnte Bastei Lübbe auch wieder durch Übernahmen oder Beteiligungen. Im Blick haben die Kölner auch den attraktiven Kinder- und Jugendbuchmarkt. Aber es wird keine Abenteuer mehr geben, wurde klargestellt.    
  • Variantenreichere Verwertungskette: Bei der Vermarktung von starken Stoffen geht Bastei Lübbe neue Wege. Die Taschenbuchausgabe des Bestsellers „Origin“ von Dan Brown (12 Euro) wird von einer limitierten Top-Seller Edition im Hardcover (18 Euro, Laufzeit: bis 31. Dezember) begleitet. Hinzu kommt eine Weltbild-Ausgabe für 16,90 Euro. Eine mehrstufige Deklination, die sich Kluge auch bei anderen Großkalibern vorstellen kann.      
  • Breitere Basis: Um Dellen in den Jahren abzufedern, in denen keine Besteller von Hausautoren wie Dan Brown, Ken Follett oder Jeff Kinney kommen, setzt Bastei Lübbe auf den gezielteren Aufbau von Autoren. Als Beispiel dafür führte der Verlag die Autorin Romy Fölck ins Feld. Die „erfolgreichste Krimidebütantin des Frühjahrs 2018“ legt Ende des Monats ihren neuen Titel „Bluthaus“ vor.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Bastei Lübbe einen Gesamtumsatz von 95 Mio Euro, davon entfallen rund 78 Mio Euro auf das Segment Buch. Für den Geschäftsbereich Digital wird ein Umsatz von rund 10 Mio Euro prognostiziert. Dem neuen Aufsichtsrat unter Vorsitz von Robert Stein und dem Vorstand um Carel Halff, ihm gehört neben Kluge seit Juni 2017 auch Finanzchef Ulrich Zimmermann an, wurde am Ende der Hauptversammlung Entlastung erteilt. Erneut vertagt wurde die Entlastung von Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Vorstands für das Geschäftsjahr 2016/2017, gegen die das Unternehmen juristisch vorgeht.

Die Banken haben die Kreditlinie für Bastei Lübbe bis 2020 verlängert, obwohl während des Geschäftsjahres 2017/2018 vereinbarte Finanzkennzahlen nicht eingehalten wurden. Bei der Aufgabe, die Wende zu schaffen, steht die Führungsmannschaft von Bastei Lübbe auch hier zeitlich unter hohem Druck.

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