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Antonius Linnemann: »Gesunder Branchenmix ist ein Schlüsselfaktor«

Antonius Linnemann (Foto: prviat)

Das Südring Center in Paderborn ist beim Shopping Center Performance Report (SCPR) zum besten Shopping-Center Deutschlands gekürt worden. Die Buchhandlung Linnemann ist dort seit 1989 mit einem Zweitgeschäft vertreten. Seniorchef Antonius Linnemann (78) spricht über den Charme des Centers auch im Vergleich zu seiner Innenstadt-Buchhandlung.

Das Südring Center in Paderborn ist bei einer Unter­suchung auf Basis der Mieterurteile zum besten Shopping-Center in Deutschland gewählt worden. Was macht es so gut?

Es hat einige Besonderheiten. Es steht kein gesichts­loser Konzern dahinter, es ist inhabergeführt und mit dem Eigner Friedrich Klingenthal gibt es stets einen engen Kontakt. Und es wird dafür gesorgt, dass es im Haus einen gesunden Branchenmix gibt, der es für die Kunden attraktiv macht, dort einzukaufen. Eine weitere Besonderheit: Alle Mieter arbeiten konstant gemeinsam daran, dass das auch so bleibt.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Wir haben im Center einen Werbe-Arbeitskreis, der sich kontinuierlich trifft, sowie regelmäßige Mieterbesprechungen. Was können wir tun? Wo setzen wir an? Was verändern wir? Das sind zentrale Fragen, die bei uns auf den Tisch kommen. Auf der Agenda steht zum Beispiel derzeit ein Projekt, mit dem wir den Kunden zeigen wollen, bei uns gibt es nicht nur ein breites Warenangebot, sondern auch Einkaufserlebnisse mit Begegnungen, Service und all die Dinge, die man braucht, um sich auch als Mensch angenommen zu fühlen. Damit bereichert das Center zusätzlich die Attraktivität der Einkaufslandschaft des Oberzentrums Paderborn.

Wie läuft das Center-Geschäft wirtschaftlich?

Wir sind dankbar, diese Buchhandlung zu haben, sie ist eine sehr wertvolle und notwendige Ergänzung zu unserer Innenstadtlage. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Einkaufszonen in den Städten Kunden verlieren, weil immer mehr Kaufkraft ins Internet abwandert. Heute ist der Kunde der Chef, der entscheidet, ob er im Internet kauft, mögliche Unannehmlichkeiten der Innenstädte auf sich nimmt oder auf die grüne Wiese fährt, wo er problemlos einen Parkplatz und darüber hinaus einen Branchenmix findet, der ihm eine große Auswahl bietet.

Unterscheidet sich das Publikum?

Gar nicht, es gibt auch keine Unterschiede bei den gefragten Warengruppen oder beim Durchschnittsbon. Früher war das anders, als die Innenstadt noch ihr Gewicht hatte. Vor 10 Jahren war unsere Buchhandlung im Center noch eine Ergänzung in der Ansprache zusätzlicher Käuferschichten. Sie hatte 230 qm und der Pro-Kopf-Umsatz war geringer. Heute bewirtschaften wir dort 330 qm mit dem gleichen Sortiment, das wir auch in der Innenstadt anbieten.

Was kann der stationäre Handel in der Innenstadt vom Center lernen?

Die Innenstädte stehen und fallen mit dem Branchenmix, den sie potenziellen Kunden anbieten können. Das müssen auch die Vermieter begreifen. Die sehr hohen Mieten bleiben das zentrale Problem. Wie man das abfedern kann, zeigt das Beispiel Gießen. Dort hat ein Vermieter, der auch selbst Händler ist, die anderen Inhaber von Immobilen im Quartier zusammengerufen und gesagt: Wenn wir in fünf Jahren noch einen Teil unserer Mieter haben wollen, dann müssen wir schon jetzt die Mieten etwas reduzieren.

Kommentare

1 Kommentar zu "Antonius Linnemann: »Gesunder Branchenmix ist ein Schlüsselfaktor«"

  1. Reinhard Kniepkamp | 1. November 2018 um 10:40 | Antworten

    “Gesunder Branchenmix ist ein Schlüsselfaktor” beschreibt Antonius Linnemann treffend die Situation, die sowohl das Paderborner Südring-Center wie auch die Innenstadt betrifft. Somit ist die Buchhandlung Linnemann mit zwei unterschiedlichen Standorten gut aufgestellt.

    In der Innenstadt ist sie meines Erachtens sehr darauf angewiesen, dass im Gegensatz zum Standort im “Shopping-Center” Südring der individuelle Einzelhandel das Umfeld prägt, der eine Unverwechselbarkeit schafft, die anonyme Ketten nicht bieten können.
    Hier leistet die Inhaberpersönlichkeit verbunden mit ihrem Engagement für eben diese Umfeld, wie das Beispiel Linnemann zeigt, einen wesentlichen Beitrag.

    Reinhard Kniepkamp

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