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Papiervermeidung ja, aber Kritik an »umständlicher« Bildschirmarbeit

Die Umstellung der Verlagsvorschauen von Print auf digitale Datenbank wird im Buchhandel weiterhin kritisch gesehen, zeigt eine buchreport-Umfrage. Neben der systematischen Befragung haben eine ganze Reihe von Umfrage-Teilnehmern ihre Ablehnung/Skepsis in Kommentaren begründet.

Bei einer ersten buchreport-Umfrage im Mai hatten viele Buchhändler die Veränderung ihrer (gar nicht immer als Arbeit empfundenen) Vorschausichtung beklagt und die Notwendigkeit, viel Zeit vor dem Bildschirm zu verwenden. Das ist auch immer noch ein Thema in den Kommentaren zur ähnlich angelegten Umfrage Ende September/Anfang Oktober. 

Hinzu kommen offenbar von vermehrter Erfahrung mit Digital-Vorschauen getragene Einschätzung und auch konkrete System-Kritik an VLB-Tix. Der Ökologie- und Spar-Gedanke wird durchaus geteilt und weniger Opulenz bei den Papier-Vorschauen gefordert.

 

Kommentare zur Umfrage

    • Im Grunde finde ich die Möglichkeit, die Vorschau parallel in unterschiedlichen Abteilungen nutzen zu können, gut. Da allerdings bei den meisten Verlagen keine Backlist mehr zu sehen ist, kann ich auf gedruckte Vorschauen nicht verzichten. Das ist der Hauptgrund, weshalb wir NICHT mit den digitalen Vorschauen arbeiten.
    • Das Auge erfasst schnell alle wesentlichen Informationen auf der aufgeschlagenen Doppelseite – hierzu sind im Netz mehrere Klicks notwendig. Zudem kann ich Titel direkt scannen – vom Bildschirm nicht möglich.
    • Die gedruckten Vorschauen bieten durch die Darstellung schon Gewichtungen = Zeitersparnis bei der Entscheidungsfindung. Außerdem werden keine Computerplätze sinnlos zeitraubend belegt.
    • Wir müssen sowieso schon den ganzen Tag am PC arbeiten. Übersicht im VLB-Tix ist nach wie vor sehr schlecht, alles sehr langsam, Handling mit den Mitarbeiter wird dadurch immer schwieriger, nicht genügend PC-Plätze vorhanden…

Umfrage zur digitalen Vorschau

buchreport führte vom 28. September bis 1. Oktober eine Buchhandelsumfrage durch, an der sich auf E-Mail-Aufforderung online 394 Buchhandlungen beteiligten. 

Die Teilnehmer setzen sich so zusammen:

  • 58% sind kleinere Buchhandlungen mit bis zu 500.000 Euro Jahresumsatz
  • 21% setzen 0,5 bis 1 Mio Euro um
  • 11% bewegen sich in der Umsatzklasse ab 1 Mio Euro

10% machten zur Unternehmensgröße keine Angaben.

An dieser Umfrage haben sich überwiegend Standortbuchhändler beteiligt. Antworten aus Filialbetrieben sind in positiven und negativen Bewertungen der Digital-Vorschau bzw. des Verzichts ausgeglichen. Die Geschäftsführungen großer Filialbetriebe akzentuieren Vorteile und große Rationalisierungseffekte durch die Nutzung der Digital-Vorschau. In welchem Umfang die sehr positive Einschätzung von den Mitarbeitern geteilt wird, ist nicht bekannt.

 

Weitere Kommentare:

  • Mir persönlich eröffnet die gedruckte Vorschau eine bessere Übersicht und erleichtert mir die Auswahl. Auf Papier gedruckte Texte behält man besser im Gedächtnis als Bildschirmtexte. Nicht umsonst druckt man sich gerne komplexere Texte aus.
  • Grundsätzlich finde ich die Papiervermeidung gut. Bei bestimmten Verlagen wird es mir trotzdem schwer fallen, auf die Papierform zu verzichten.

Die Hochglanzvorschauen sind überflüssig, eine gedruckte Fassung hingegen beim Bestellen sehr hilfreich, denn die digitalen Vorschauen sind zu langsam und zu unübersichtlich.

  • Trotz der massenhaften VLB-Tix-Werbung hat sich das Programm seitdem nicht verbessert. Es ist langwierig und umständlich und erfüllt die eigenen Argumente nicht. Im Juni-Buchmarkt-Artikel vom Buchhändler Jens Bartsch aus Köln wird das Problem deutlich beschrieben, es fehlt der menschliche Faktor. Großverlage, die ihr Augenmerk ausschließlich auf die Großen der Branchen richten, die effiziente Arbeitsweise der kleinen Buchhandlungen außer Acht lassen, können nicht mit Beifall für Ihre Rücksichtslosigkeit rechnen.
  • Die Hochglanzvorschauen sind überflüssig, eine gedruckte Fassung hingegen beim Bestellen sehr hilfreich, denn die digitalen Vorschauen sind zu langsam und zu unübersichtlich.
  • Der Zeitfaktor wird in dieser Umfrage nicht berücksichtigt. VLB-Tix kostet nach eigener Erfahrung mehr Zeit in der Bearbeitung und führt dazu, dass Buchhändler mehr Zeit am Rechner verbringen; insbesondere wenn dies im Back-Office geschehen soll, fehlt die Kraft in der Ladenbesetzung.
  • Unsere Methode, die entsprechenden Seiten mit den von uns gewünschten Büchern herauszureißen und in eine Monatshängeregistratur zu stecken, um dann 4 bis 8 Wochen vor Erscheinen diese Titel bei Anabel zu ordern, funktioniert jetzt nicht mehr. Wir werden uns nun über Libri pro 5 die unbedingt nötigen titel heraussuchen, indem wir nach ET und Relevanz selektieren. Alles Andere fällt hinten runter und wird bestellt, wenn ein Kunde es wünscht. Schade!
  • Gut ist, dass Kolleginnen an anderen Orten zur gleichen Zeit arbeiten können. Schlecht – die Verlage sind nicht konsequent mit der digitalen Vorschau. In der gedruckten Ausgabe gibt es oft mehr Info zu Werbemaßnahmen.
  • Im Tagesgeschäft unpraktisch. Es ist außerdem ein Wechsel von einer push-Information hin zu einer pull-Information. Ich bekomme bei digitaler Vorschau nur noch die Infos die ich aktiv suche und nicht die, die mir Verlage überlassen. Oder es wird dann über die spamigen Email-Aufforderung laufen, doch mal in die digitale Vorschau zu schauen 🙁
  • Verkehrte Welt, der Kunde soll dem Willen des Anbieters folgen – eine aufgelegte Frechheit!
  • Digitale Vorschauen machen es mir schwerer, zu blättern und auszusortieren.

Wenn ich am Ende ein Programm abgearbeitet habe, wusste ich schon nicht mehr, welche Bücher mich besonders interessiert hatten, welche ich wie besonders in Szene setzen wollte

  • Ich bin eher der Meinung, dass die Buchhandlungen sich die Vorschauen bestellen sollten, die sie interessiert. In einer Kunstbuchhandlung brauche ich keine Vorschauen von juristischen Verlagen oder in einer Kinderbuchhandlung Vorschauen von einem Verlag mit dem Schwerpunkt Philosophie. Ich finde es viel problematischer, dass wir Vorschauen erhalten, die nichts mit unserem Fachgebiet zutun haben und teilweise die Vorschauen, doppelt und dreifach zugesandt bekommen.
  • Nicht noch mehr PC-Arbeit. Werde ggf. ganz auf RH verzichten. Bestseller über Barsortiment-Abo
  • 1. Interessanterweise haben alle uns besuchende Vertreter (30) von VLB-TIX abgeraten. Woher kommt‘s? 2. Interessanterweise hat gerade Random House einen riesigen Materialausstoss in seinen Vorschauen, gefühlt für jede zweite Neuerscheinung einen Extra-Folder. Nee, das brauchen wir wahrlich nicht. Liebe Verlage: Hört endlich auf, die Vorschauen aufzublähen. Eine Seite pro Buch sollten i.d.R. reichen, gerne auch mal mehrere Bücher auf einer Seite. Keine Extra-Folder mit glänzendem Lack etc. Und lasst den Kram weg, ich brauche weder ein Säckchen Sternenstaub noch einen Extra-Karton mit muhendem Soundmodul. 3. Auch wir möchten weiterhin mit gedruckten Vorschauen arbeiten. Der effizienteren Arbeitsweise wegen. Auch wenn ich die vielen Vorteile des VLB -Tix durchaus zu schätzen weiß und auch gelegentlich nutze, so haben meine Tix-Versuche gezeigt: Wenn ich am Ende ein Programm abgearbeitet habe, wusste ich schon nicht mehr, welche Bücher mich besonders interessiert hatten, welche ich wie besonders in Szene setzen wollte. Ich habe meine Bestellungen gut verwaltet mit allen digitalen Vorteilen, aber eine Beziehung zur bestellten Ware habe ich nicht aufgebaut. Papier in der Hand zu halten, den Finger an eine bestimmte Stelle legen, zu blättern und handschriftliche Notizen zu machen, Eselsohren machen, Seiten für KollegInnen und Dekorateurin herausreißen, all das scheint also auch was mit einer besseren Auffassungsgabe zu tun haben.
  • Ehrlich gesagt und wenig professionell: bei Random House ist es mir egal.
  • Einerseits finde ich den Verzicht gut, weil nicht mehr so viel Müll produziert und Vorschauen doppelt und dreifach geschickt werden. Andererseits ist die Übersichtlichkeit und das Lesegefühl in einer gedruckten Vorschau schöner und mit Notizen leichter zu handeln.
  • Das betrifft vornehmlich die Konzernverlage. Bei kleineren und unabhängigen Verlagen brauchen wir die Vorschauen für unsere Arbeit.

Ich finde es schade, dass Kollegen gezwungen, statt überzeugt werden.

  • Wir sind eine kleine Buchhandlung mit nur einem Bildschirm, der gleichzeitig Kasse und Warenwirtschaft ist: zu sehen auch auf YouTube, Deutschlands Schönste Buchhandlungen, Nummer 39. Digitale Vorschauen gehen gerade am Bedarf kleiner Buchhandlungen vollkommen vorbei. Wir können diese gar nicht nutzen: Es lebe das gedruckte Wort!
  • Es wird zu viel Papier vergeudet – für teure Vorschauen und schlechte Bücher.
  • Ich finde es schade, dass Kollegen gezwungen, statt überzeugt werden.
  • Es ist ein sehr widersprüchliches Feld: Ich selbst werfe tatsächlich bei weitem den größten Teil der Papierkataloge weg, oft auch ungeöffnet … digitale Kataloge schaue ich für sich praktisch nie an, es sei denn auf der Suche nach einem konkreten Titel. Denn digitale Kataloge finde ich zum Durchblättern ausgesprochen ungünstig und unpraktisch – zum Suchen natürlich viel besser. Eigentlich sollten die einzelnen Verlage mit dem einzelnen Buchhändler geschwinder Vereinbarungen schließen, WELCHE Kataloge im betreffenden Buchladen gewünscht werden.
  • Ich verzichte gerne auf Papiervorschauen. Ich finde den Vorstoß klasse.
  • Es läuft mittlerweile so viel Arbeit über den PC, diese weitreichende Digitalisierung spart meiner Meinung nach Zeit, an verschiedensten Stellen Arbeit(-szeit) und vor allem wertvolle Ressourcen.
  • Wenn ALLE Verlage mitmachen würden, fände ich das sehr gut. So bedeutet es, dass ich die Vorschauen, die ich haben möchte, nicht mehr bekomme, dafür aber weiterhin Mengen derer, die ich ungesehen in den Müll schmeiße.

Für mich als Buchhändler ist die Arbeit mit VLB tix immer noch viel zu zeitaufwendig. Genauso sieht es im Vertetergespräch aus, hier sprengt VLB tix jeden Zeitrahmen.

  • Die gedruckte Vorschau kann ich überall mitnehmen und bearbeiten. Es schont die Augen. Ich bin nicht auf einen Computerplatz angewiesen. Sie ist übersichtlich und klar strukturiert. Wir werden in diesem Fall weniger bei Random House bestellen.
  • Ich arbeite nicht nur als Buchhändler, sondern auch als Verlagsvertreter und kenne die Arbeit mit digitalen Vorschauen (VLB tix ) von beiden Seiten. Für mich als Buchhändler ist die Arbeit mit VLB tix immer noch viel zu zeitaufwendig. Dies reflektieren auch die meisten Kollegen privat geführter Buchhandlungen. Genauso sieht es im Vertetergespräch aus, hier sprengt VLB tix jeden Zeitrahmen. Ganz abgesehen davon besteht unsere Arbeitszeit schon jetzt zu 2 Dritteln aus Bildschirmarbeit. Da muss ich mir nicht auch noch die Vorschauen auf den Bildschirm laden.
  • Als Anabelisten reißen wir die gedruckten Vorschauen auseinander und heften die gewünschten Titel nach Erscheinungsmonat sortiert ab, um die Novitäten monatsweise zu bestellen. Ein Verfahren, das sich als äußerst praktisch und effektiv herausgestellt hat. Ohne gedruckte Vorschauen ist dies unmöglich. Ob sich dieses Verfahren auf digitale Vorschauen irgendwie übertragen lässt, haben wir noch nicht herausgefunden.
  • Ich halte den Wechsel zur digitalen Vorschau für verfrüht, da TIX noch keine wirtschaftlichen Vorteile gegenüber der analogen Variante bietet.

Natürlich macht die digitale Vorschau vieles einfacher, nur das Gefühl, in Ruhe und NICHT vor dem Computer nach neuen Bücher zu suchen, geht völlig verloren

  • Für mich ist es „Arbeit“ außerhalb der Buchhandlung und ich werde nicht auf gedruckte Vorschauen verzichten. Eher kaufe ich bei diesen Verlagen nicht mehr ein. Ich lehne digitale Vorschauen ab, denn es verursacht eine deutlich höhere schlechte Ökobilanz als Papierausgaben, die gerne gekürzt werden können.
  • Natürlich macht die digitale Vorschau vieles einfacher, nur das Gefühl, in Ruhe und NICHT vor dem Computer nach neuen Bücher zu suchen, geht völlig verloren. Sehr schade.
  • Ich hätte gerne weiter gedruckte Vorschauen, jedoch deutlich!! abgespeckt und ohne den vielen Werbe-Firlefanz. Das ist Papier-und Ressourcen-Verschwendung.
  • Wir haben es versucht mit der eVorschau. Aber: NEIN. Der Kontakt zu einem neuen Buch über einen Printkatalog ist viel intensiver. Allein der Umstand, dass wir Buchhändler abends auf dem Sofa unsere Programme wählen und die Buchtitel auf uns wirken lassen.
  • Warum fragt man Buchhändler nicht, wie sie es möchten, und die digitalen sehen die Vorschauen online und die analogen bekommen eine Printvorschau. Diese könnte abgespeckter als heute kommen.
  • Die gedruckte Vorschau muss ja nicht aufwendig sein, keine Folder von 8 Seiten für 1 Buch.
  • Man kann sich gut fragen, ob die derzeitige Ausstattung der Vorschauen in dieser Qualität nötig ist. Vom Arbeitsablauf her will ich aber so lange als möglich bei der Druckversion bleiben.
  • Die Verlage werden sehen was sie davon haben werden… Kleine Aufträge natürlich!

In der gedruckten Vorschau bestelle ich mehr, als digital. Somit ist digital gut für mich.

  • Ich glaube nicht, dass schon mal die Vertriebsleitung eines Verlages versucht hat, mit der digitalen Vorschau eines Fremdverlages eine sinnvolle Bestellung zu erzeugen!
  • Ich finde es unmöglich, dass der Verlag seinen Kunden die Arbeitsgrundlage entzieht. Die reklamierte Kosteneinsparung könnte allemal mit der Reduktion des Programms erreicht werden.
  • Mir reicht es schon, wenn der Vertreter mit seinem Laptop beschäftigt ist, soll ich nun auch noch so ihm gegenübersitzen. Die gedruckte Vorschau ist unabdingbar für den Einkauf, da nur diese Struktur schafft im Arbeitsablauf. Nach 23 Uhr nehme ich eine Vorschau mit ins Bett aber nicht den Laptop…
  • In der gedruckten Vorschau bestelle ich mehr, als digital. Somit ist digital gut für mich. Mein Problem ist noch, wenn ich erscheinungsnäher bestellen will, dies nicht zu vergessen. Aus der gedruckten Vorschau reiße ich es einfach raus.
  • Ich lasse mir doch nicht von Vertriebspartnern vorschreiben, wie ich zu arbeiten habe.

(Auswahl)

 

Kommentare

1 Kommentar zu "Papiervermeidung ja, aber Kritik an »umständlicher« Bildschirmarbeit"

  1. Schlimm zu sehen, wie fürchterlich analog diese Branche ist.

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