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Rezepte für den Erfolg in der Kochbuchnische

Spezialisierte Kleinverlage und Selbstverleger setzen Bestseller-Akzente. Bei der Vermarktung spielen soziale Medien eine wichtige Rolle.

Kochbuch-Oscar: Die Autoren und Selbstverleger Verena Scheidel und Manuel Wassmer sind zur Verleihung der „Gourmand World Cookbook Awards“ aus Bühl im Schwarzwald nach China gereist, wo ihr Kochbuch „Schwarzwälder Tapas 2“ als „Best Cookbook in the World“ ausgezeichnet wurde. (Foto: Cook & Shoot)

Im Kochbuchmarkt stehen die großen Buchverlage nicht allein am Herd: Immer wieder schaffen es Titel in die Verkaufsränge, die nicht aus den führenden Verlagshäusern stammen. In der Ratgeberbestsellerliste Essen & Trinken (erscheint monatlich im buchreport.express) platzieren sich immer wieder Akteure mit ihren Büchern, die trotz individueller Konzepte Gemeinsamkeiten aufweisen: Die Autoren sind allesamt Hobbyköche oder Foodblogger, die sich auf ein besonderes Thema im Kochbuchfach spezialisiert haben, wobei einige ihre Bücher im Selbstverlag publizieren und vermarkten.

Zu den Selbstverlegern und Hobbyköchen zählen Manuel Wassmer und Verena Scheidel, die mit ihrem Kochbuch „Schwarzwälder Tapas 2“ (Cook & Shoot) sogar in die Top 10 der Ratgeberbestsellerliste reüssierten. Ausschlaggebend für den erstmaligen Einstieg ins Ranking der meistverkauften Titel dieser Warengruppe war die Auszeichnung des Buches beim inter­nationalen Gourmand World Cookbook Award im Frühjahr dieses Jahres.

Rund um den Thermomix: Verlagsgründerin Corinna Wild hat sich auf Kochbücher zum Thermomix-Küchengerät spezialisiert und damit ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufgezogen. (Foto: Ilona Weiss)

Die beiden anderen Kandidaten mit Titeln auf der Verkaufsliste sind Corinna und Thomas Wild, ebenfalls Hobbyköche und Selbstverleger (Platz 10: „Mix ohne Fix“, C. T. Wild), und der Regionaliaverlag Edi­tion Lempertz mit dem Kochbuch „Unsere Lieblingsrezepte“ der Bloggerinnen Manuela und Joelle Herzfeld (Platz 13). Die Verlage C. T. Wild und Edition Lempertz eint, dass sie sich in den vergangenen Jahren mit Publikationen zum Thermomix-Küchen­gerät neu positionieren konnten.

Drei Fallbeispiele zur Frage, wie sich Spezialisten im umkämpften Kulinaria-Buchmarkt behaupten.

 

1. Verlegerjob im Nebenerwerb

Als unbekannte Neueinsteiger veröffentlichten die Autoren Verena Scheidel und Manuel Wassmer im Oktober 2014 im eigens gegründeten Verlag Cook & Shoot ihr Kochbuch „Schwarzwälder Tapas“. Zwei Monate später war die erste Auflage mit einer Stückzahl im vierstelligen Bereich ausverkauft, mittlerweile gibt es den Titel in der 5. Auflage mit insgesamt 35.000 verkauften Exemplaren.

Es war der Start einer Buchserie: 2015 folgten die „Schwarzwälder süßen Minis“ und im September 2017 dann der Nachfolger „Schwarzwälder Tapas 2“, der im Mai 2018 beim renommierten Gourmand World Cookbook Award als „Bestes Kochbuch des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Mit der Auszeichnung zogen das Medieninteresse und auch der Buchabsatz kräftig an: „Nach vielen Berichten, Radio- und TV-Interviews sind unsere Verkaufszahlen in kürzester Zeit geradezu explodiert“, berichtet Wassmer, der als selbstständiger Leuchtendesigner den Autoren- und Verlegerjob mit seiner Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin Scheidel, die technische Zeichnerin ist, bisher noch im Nebenerwerb bestreitet.

Wenige Tage später war der Titel ausverkauft, auch die rasch nachgedruckten Exemplare waren bei einem der Barsortimente schnell wieder vergriffen. In diesem Zuge habe sich auch das geografische Verbreitungsgebiet der Bücher spürbar verändert, bemerkte Wassmer: „War unser Schwerpunkt vorher mehr der Süden Deutschlands, kamen jetzt Anfragen aus ganz Deutschland.“

Ursprünglich wurde das Paar durch Auftritte im Fernsehen (z.B. der Vox-Sendung „Das perfekte Dinner“) und Teilnahmen an Kochwettbewerben im In- und Ausland bekannt, wie z.B dem „Cooking Cup“, bei dem sie 2012 und 2015 als „Deutschlands beste Hobbyköche“ abschnitten. Ihre Bücher vermarkten sie über ihre Verlagshomepage, wobei sie Foodfotografie als zusätzliche Dienstleistung anbieten. Darüber hinaus sind die beiden auf Messen und Veranstaltungen präsent und suchen laut Wassmer so oft wie möglich den Kontakt zu ihren Lesern – vor allem auch auf Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram, wo sie Fragen beantworten und Anregungen aufgreifen.

Dass andere Verlage ihr Buchkonzept kopieren könnten, befürchtet Wassmer nicht: „Da wir als Autoren von der ersten Idee über die Rezeptentwicklung und die Fotografie bis zur Ausarbeitung alles in Eigenregie erarbeiten, wird es für einen anderen Verlag schwierig sein, genau das zu bieten.“

 

2. Fokus auf besondere Themen

Die Edition Lempertz muss sich bei ihrem kulinarischen Kernthema, den Thermomix-Kochbüchern, mittlerweile den Markt mit arrivierten Verlagen wie Gräfe und Unzer, Südwest und Dr. Oetker teilen. Der Regionaliaverlag mit Sitz in Königswinter bei Bonn startete 2015 seine „Mixtipp“-Reihe, als das Interesse an Thermomix-Koch­büchern noch nicht so groß war. „Wir waren zudem mit die Ersten, die eine Reihe veganer Kochbücher herausgegeben haben, und auch das Nischenthema Stevia haben wir aufgegriffen“, berichtet Geschäftsführerin Antje Heel. „Als Verlag fokussieren wir uns auf ebensolche spezielle Themen im Kochbuchbereich.“

Engagierte Hobbyköche: Das „Mixtipp“-Team der Edition Lempertz testet und entwickelt neue Rezepte für den Thermomix (v.l.n.r: Susanne Mittag, Eva Weigelt, Annemarie Thon, Gabriele Krause-Schmidt, Philipp Gierenstein, Carmen Martín und Antje Heel). (Foto: Edition Lempertz)

Bei „Mixtipp“ hat sich der Verlag markenrechtlich bei Thermomix abgesichert, der Produktname darf nur im Untertitel stehen. Auf rund 30 Titel ist die Buchreihe mittlerweile gewachsen. Dabei sei es am Anfang nicht einfach gewesen, den Buchhandel für Thermomix-Kochbücher zu gewinnen, erinnert sich Heel, doch spätestens mit dem Erfolg von „Unsere Lieblingsrezepte“ von Manuela und Joelle Herzfeld habe sich das geändert.

Neben dem bei der Edition Lempertz erschienenen Kochbuch waren die beiden Bloggerinnen mit einem weiteren Titel an der Spitze der Ratgeberbestsellerliste vertreten: „Food with Love“, ein sogenanntes Bookazine, ist ergänzend zur Zeitschrift „Mixx“ im Heel Verlag erschienen (dessen Verleger Franz-Christoph Heel ist der Ehemann von Antje Heel).

Ausschlaggebend für den Erfolg der „Mixtipp“-Bücher bei der Edition Lempertz ist laut Antje Heel die Endkundenansprache: Die bereits zahlreichen Kochevents in Buchhandlungen sollen für Bindung zur Leserschaft sorgen, genauso wie die Aktivitäten in den sozialen Medien. Die zuletzt zurückgehenden Verkaufszahlen bei den Thermomix-Geräten bereiten Heel keine Sorgen, schließlich gebe es einen großen beste­henden Markt an Besitzern der Küchen­maschine, die auch weiterhin an Koch­büchern interessiert seien. Und für den Fall, dass der Thermomix-Trend einmal an sein Ende kommen sollte, sei der Verlag breit aufgestellt mit Regionalliteratur (Krimis, Kalender etc.) sowie historischen Publikationen.

 

3. Social-Media-vernetzte Autorin

Corinna Wild glaubt erst gar nicht daran, dass der Thermomix-Trend enden wird. Mit ihrem Mann Thomas hat sie 2011 den Verlag C. T. Wild gegründet und sich seitdem auf Themenkochbücher rund ums Kochen mit dem Thermomix spezialisiert. „Es gibt den Thermomix seit über 30 Jahren und es wird immer Leute geben, die damit kochen“, verweist sie auf die lange Tradition des Küchengerätes, dessen erste Vorläufer schon Anfang der 70er-Jahre auf den Markt kamen.

Und wie behauptet man sich, wenn große Verlage das eigene Thema ebenfalls für sich entdeckt haben? „Indem man Qualität liefert“, antwortet Corinna Wild, Autorin des auf der Ratgeberbestsellerliste platzierten Titel „Mix ohne Fix“ und „A.i.O. – All in One“: „Bei uns werden alle Rezepte gekocht, getestet und selbst fotografiert.“

Auf diese Weise habe man eine große Leserschaft erreicht: „Bei Facebook folgen uns bereits über 100.000 Menschen und für Fragen bin ich als Autorin immer zur Stelle.“ Die Verkaufszahlen der Bücher seien gut, nur den Buchhandel habe man noch nicht so richtig für sich gewinnen können: „Das ist für uns eher schwierig, da uns das Netzwerk fehlt.“

Till Spielmann, spielmann@buchreport.de

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