»Das E-Book ist ein dummes Produkt: keine Kreativität, keine Verbesserung«

Arnaud Nourry (Foto: Eric Couderc)

Arnaud Nourry, Konzernchef von Hachette Livre, einer der international größten Publikumsverlage, hat mit dem Online-Nachrichtenportal Scroll.in über die Zukunft des Publizierens gesprochen. Dabei überrascht er mit seiner Einschätzung zum Potenzial des digitalen Buches und mit lobenden Worten über den Versandriesen Amazon.

Gefragt nach der leicht rückläufigen Entwicklung des E-Book-Marktes unterscheidet Nourry zunächst zwischen USA bzw. Großbritannien, wo der Anteil des E-Books am Gesamtmarkt rund 20% ausmache, und “überall sonst”, wo der Marktanteil etwa 5 bis 7% betrage. Generell ist er der Überzeugung, dass das E-Book seinen Zenit erreicht hat, und zwar offenbar nicht nur hinsichtlich des Umsatzanteils am Buchmarkt.

“Das E-Book ist ein dummes Produkt. Es ist genau das gleiche wie Print, nur dass es elektronisch ist. Es gibt keine Kreativität, keine Erweiterung, keine echte digitale Erfahrung”, meint Nourry, der allerdings auch selbstkritisch hinzufügt: “Wir als Verleger haben keine gute Arbeit geleistet, wenn es um die Digitalisierung geht.” Man habe es mit angereicherten und erweiterten E-Books versucht, doch ohne Erfolg. Man habe Apps entwickelt, eigene Internet-Seiten für Verlagsinhalte, doch den wenigen Erfolgen stünden hunderte von Fehlschlägen gegenüber. “Ich spreche von der gesamten Branche. Wir haben uns nicht gut geschlagen.”

Nourry ist zwar überzeugt davon, dass die Inhalte der Verlage auch jenseits des E-Books in digitaler Form genutzt werden können, doch die Verlage selbst seien dazu nicht imstande. Es fehle an Fähigkeiten und Talenten innerhalb der Unternehmen, weil Verleger und Redakteure nicht das volle Potenzial von 3D und digital begreifen. Aus diesem Grund habe Hachette in den vergangenen Jahren drei Videospielfirmen erworben, um Talente aus anderen Branchen zu gewinnen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie man über das E-Book hinausgehen könne (eine Strategie, die unter den deutschen Verlagen vor allem Bastei Lübbe verfolgt).

Was die Bedeutung der großen Digitalunternehmen für die Buchbranche angeht, hat Nourry vor allem lobende Worte für Amazon übrig: Der Online-Händler habe eine fantastische Rolle gespielt für die Verlagsbranche: “Abgesehen von unserer kleinen Auseinandersetzung ist es ein sehr leistungsfähiger Einzelhändler, der in der Lage ist, Bücher fast überall auf der Welt sehr schnell zu versenden. Das ist eine echte Chance für Verlage.”

 

Kommentare

1 Kommentar zu "»Das E-Book ist ein dummes Produkt: keine Kreativität, keine Verbesserung«"

  1. Rüdiger Wischenbart | 21. Februar 2018 um 16:54 | Antworten

    Nourry hat recht! Allerdings hat Nourry keine “E-Book Schelte” betrieben, wie in einigen Reaktionen zu lesen ist. Er hat den Finger auf eine Wunde gelegt, nämlich auf die Versäumnisse der Verlage seit Einführung des Kindle vor 10 Jahren. Einige Gedanken zu Nourry und diesen Versäumnissen hier: http://wischenbart.com/booklab/?p=859

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