»Wir brauchen Standards, um die Digitalisierung zu meistern«

Die Teilnehmer der IPE-Konferenz in Leiden © Michaela Philipzen

Wer die Digitalisierung ernsthaft und zum Fortschritt der gesamten Buchbranche vorantreiben will, muss offene Standards und Schnittstellen schaffen, appelliert Alexander Markowetz. Gemeinsam mit Ullstein-Produktionsleiterin Michaela Philipzen hat er dafür die internationale Brancheninitiative Integrating the Publishing Environment gestartet, die sich jetzt in den Niederlanden konstituiert hat. In einer gemeinsamen Erklärung verpflichten sich die Mitglieder zu einer „radikalen globalen Interoperabilität und Prozessdigitalisierung“. Beteiligt sind neben den großen Druckereien, insbesondere Verlage und Digitaldienstleister. 

Die Grundannahme der Initiative zusammengefasst: 

  • Verlage, Händler und Dienstleister müssen nicht nur über den Tellerrand des eigenen Unternehmens, sondern auch über die eigene Wertschöpfungskette und über nationale Grenzen hinausdenken.
  • Wenn das gelingt, wird der Nährboden für eine positive Veränderung geschaffen, von denen auch und vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren.
  • Wir brauchen internationale, unternehmensübergreifende digitale Standards über alle Wertschöpfungsketten hinweg im Sinne eines gemeinschaftlichen Handelns.

Ausführlich erklärte Markowetz den Hintergrund der Initiative IPE im Beitrag „Die Erfolgsfaktoren des digitalen Wandels“ aus dem buchreport.magazin 10/2017 und in einem anschließenden Vortrag auf der Frankfurter Buchmesse 2017.

Der Appell zeigte Wirkung: Nach einem ersten Treffen im Anschluss an den Vortrag in Frankfurt, trafen sich engagierte Branchenvertreter am 18. und 19. Januar 2018 im Wissenschaftsverlag Brill in Leiden (Niederlande), um die Entwicklung offener Standards und Schnittstelle für die Buch- und Medienbranche sowie benachbarte Industrien voranzutreiben. International beteiligt an der Initiative sind neben den Initiatoren:

  • Softwareentwickler Crispy Mountain
  • die Branchenlogistiker CB Centraal Boekhuis und KNV
  • die Druckereien GGP Media, Livonia Print, Printpool, Media-Print und die CPI Group
  • Selfpublishing-Anbieter Lulu Press
  • IT-Dienstleister Open Publishing
  • die Digitaldienstleister Readbox und Bookwire
  • sowie die Verlage Brill, Ullstein und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. 

Eingeladen waren auch Vertreter aus dem Gesundheits- und Energiesektor, auf deren Erfahrungen zur Erarbeitung von Standards die IPE aufbauen will.

Initiative der Gesundheitsindustrie (IHE) dient als Blaupause

Als Ergebnis des Treffens verpflichteten sich überzeugte Teilnehmer mit ihrer Unterschrift zur Förderung einer „radikalen globalen Interoperabilität und Prozessdigitalisierung“ innerhalb der Verlagsbranche. „Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Integration notwendig ist, damit unsere Branche die Herausforderungen, vor denen wir heute und in Zukunft stehen, bewältigen kann“, heißt es in dem Schreiben.

Als Blaupause und Methodik für die Erarbeitung von Branchenstandards dient die Initiative Integrating the Healthcare Enterprise (IHE) aus dem Gesundheitssektor. Die IHE formuliert Anforderungen aus der Praxis in sogenannten Use Cases, identifiziert relevante Standards und entwickelt technische Leitfäden (Profile), mit denen ein Hersteller sein Produkt umsetzen und testen kann. Beim internationalen „Connectathon“ testen die Hersteller ihre Systeme untereinander und bereiten sie auf den Praxiseinsatz vor.

Die Gesundheitsbranche und dem Energiesektor muss dabei auch mit sensiblen Patientendaten und kritischer Infrastruktur umgehen. Dass es dennoch möglich war, offene Schnittstellen zu anderen Wertschöpfungsketten zu entwickeln und den Austausch von Daten untereinander zu vereinfachen, beweist, dass die erarbeiteten Schnittstellen und Standards hohen Anforderungen gewachsen sind. Einige Anwendungsfälle wie die Logistik der Medikamentendistribution oder der digitale Rechnungsworkflow könnten mit leichten Anpassungen von der Brancheninitiative IPE übernommen werden. Solch ein Blick über den Tellerrand ist für den Fortschritt von IPE entscheidend: „Cross-vertical“ zu schauen und zu adaptieren ist der Schlüssel zur globalen Interoperabilität.

Offen für alle Wertschöpfungsketten: Von Produktion bis Handel

Die IPE will die gesamte Publishing-Wertschöpfungskette einbinden – von Kunden, über Verlage, Druckereien, Druckmaschinenhersteller, Softwareanbieter, Distributoren bis hin zu Papierhändlern sowie Groß- und Einzelhändlern. Dabei sollen bestehende Standards soweit wie möglich integriert werden, entsprechend seien Standardisierungsinitiativen der Verlagsbranche als Teilnehmer besonders willkommen. Mit der französischen Initiative ClicEdit beispielsweise werden erste Gespräche geführt.

Auf der Konferenz wurden zunächst zwei Arbeitsgruppen gebildet, um konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren:

  • Print und Publishing unter Leitung von Jens Nebe (GGP Media) sowie Malin Eriksson (Printpool)
  • Logistik und Distribution (print/digital) unter Leitung von Julius Mittenzwei (Open Publishing) und einem Experten von Brill

Weitere, nahliegende Anknüpfungspunkte stellen sich u.a. im Bereich des Identity-Managements (Urheber, Kunden etc.), dem Remittenden-Management, im Rechnungswesen wie im Management von Urheberrechten. Eine Landkarte der Schnittstellen wird derzeit entwickelt.

Über die weitere Entwicklung der Initiative wird buchreport ausführlich berichten.

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