Die Blockchain in der Praxis: Was die Bitcoin-Technologie möglich macht

Blockchain-basierte Technologien, ihre Risiken und Chancen werden in vielen Dienstleistungsbranchen heiß diskutiert. Doch was ist das genau – eine Blockchain? Wie funktioniert sie? Was können Unternehmen damit tun? Der zweite Teil der Serie des deutschen Blockchain-Dienstleisters Faizod im IT-Channel von buchreport.de beschäftigt sich mit konkreten Use Cases.

Smart Contracts mit der Blockchain

Die wohl bekannteste und zukunftsträchtigste Applikation von Blockchains sind die Smart Contracts (deutsch: intelligente Verträge). Dies sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden, überprüfen oder Abwicklung eines Vertrages technisch unterstützen. Smart Contracts sind also internetbasierte Verträge, deren Vertragsbedingungen mittels einer Programmiersprache festgelegt wurden. Nachdem der Vertrag abgeschlossen wurde, prüft er fortlaufend und selbstständig, ob eine der vorher definierten Vertragsbedingungen eingetreten ist. Sobald dies der Fall ist, erfüllt er den anderen Teil automatisch. Hierdurch verspricht man sich schnellere und kosteneffizientere Verträge, die zudem einen deutlichen Mehrwert an Rechtssicherheit gewähren.

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Die Plattform smartcontracts.com hat verschiedene Blockchain-basierte Vertragstypen entwickelt, die über klickfertige Webformulare ausgeführt werden können. Eine schriftliche Fixierung des Vertrages wird damit unter Umständen überflüssig und gefährdet somit das Berufsfeld der Anwälte und Notare. In der Zukunft des Rechtswesens ist es denkbar, dass vor allem einfache Vertragswerke über die Plattform abgewickelt werden.

Folgendes kleine Beispiel soll die Funktionsweise von Smart Contract etwas näher erläutern.

Person A kauft sich ein neues Auto. Folgende zwei Szenarien sind möglich:

  1. Nach dem Kauf macht A eine Spritztour und führt dabei riskante und gefährliche Fahrmanöver aus. Nach 30 Minuten erhält A über das Info-Display des Fahrzeugs eine Meldung eingeblendet: Die jährliche Versicherungsprämie steige um 60%. Dies ist das Ergebnis der Auswertung der „Fahrverhaltensdaten“, die vom Auto bzw. die verbaute Blackbox dem Smart-Contract-Programm mitgeteilt hat.
  2. A kann die monatlichen Raten für sein Auto nicht mehr zahlen. Auch dies wurde vom Smart Contract eigenständig erkannt und entsprechend umgesetzt: A wird von jeglicher weiteren Nutzung des Fahrzeugs ausgeschlossen. Die Öffnung des Pkws mit dem A ausgehändigten Schlüssel bzw. mit den Zugangsdaten ist nicht mehr möglich. Erst wenn die nächste Rate gezahlt wird, ist die Inbetriebnahme wieder möglich. Das Fahrzeug fährt schließlich autonom zum Händler B zurück.

Ownership Layer: Eigentumsrechte via Blockchain registrieren

Das Berliner Start-Up ascribe.io will einen „Ownership Layer” (deutsch: Eigentümerschicht) über das Internet legen. So werden alle digitalen Werke wie Bilder, Videos, 3D-Schöpfungen oder sonstige Dokumente unauslöschlich in die Blockchain abgespeichert. Wird ein Werk registriert, erhält es von Ascribe eine eindeutige ID, die sich aus sich aus dem jeweiligen Datenfile und der Identität des Urhebers zusammensetzt. Das unautorisierte Verbreiten des Werkes lässt sich zwar nicht verhindern, aber die Information über den geistigen Eigentümer bleibt erhalten. Wird ein Inhalt verkauft, so erhält ascribe eine Provision.

Patent- und Markenamt: Rechtemanagement in der Blockchain

Die Blockchains Proofofexistence und Binded (früher Blockai) ermöglichen eine Art Patentschutz. Gegen die Zahlung eines Betrages von 5 Milli-BitCoins erhält der Nutzer einen Zeitstempel und einen Hash. Dieser dokumentiert den Inhalt, ohne auf das Originalwerk zuzugreifen. Proofofexistence ermöglicht es, seine Ideen und Werke anonym und sicher zu speichern. Der Infodienst NewsBTC postuliert sogar, dass das Rechtemanagement für Künstler, Autoren oder Journalisten an geistigem Eigentum durch Proofofexistence revolutioniert wird. Die eigentliche Datei, die geschützt werden soll, wird nicht online gespeichert, und daher besteht nicht die Gefahr einer unerwünschten Veröffentlichung des Materials.

Diamanten Register: Wie die Blockchain Fälschungen erschwert

Das Londoner Start-Up Everledger widmet sich physischen, sehr teuren Gütern: Diamanten. Ein Diamant besitzt 40 Merkmale, die kombiniert einen eindeutigen „Fingerabdruck“ ergeben. Somit ist jeder Diamant eineindeutig in der Summe seiner Attribute. Jeder offizielle Besitzer eines solchen Diamanten trägt sich in die Blockchain auch mit seinen persönlichen Daten ein. Somit wird das Fälschen und Hehlen der Diamanten erschwert. Auch problematische Entstehungskontexte wie zum Beispiel die „Blut-Diamanten“ können aus dem Wirtschaftskreislauf ausgeschlossen werden. Der zukünftige Fokus von Everledger richtet sich auf andere teure Güter wie Luxus-Uhren, Designer-Handtaschen und Kunstobjekte.

Musikbranchen: Eine Rechtedatenbank in der Blockchain

Im Bereich Musikrechte versuchen mehrere Anbieter, sich zu etablieren. Dabei ist es nur der erste Schritt, eine Datei oder den Urheber zu verifizieren. Darauf folgend soll ein völlig verändertes Musik-Ökosystem entstehen, das gerechter, moderner und flexibler als die bisherigen Techniken sein möchte.

Das US-amerikanische Start-Up Ujo verfolgt das Ziel, eine globale Musikrechtedatenbank aufzubauen. Die Künstler verfügen und verwalten ihre verwertungs- und lizenzierungsrelevanten Informationen selbst. So legt der Urheber des Musikstückes den Preis für einen Download, einen kommerziellen respektive unkommerziellen Remix oder die Verwertung durch Musikportale fest.

Ujo ist prinzipiell eine Rechtedatenbank und Bezahlungsinfrastruktur. Die Plattform ist frei und kann von jedermann genutzt werden. Ujos Ansatz ist, dass es keinen Vorteil für bestimmte Nutzer geben darf und alle Beteiligten die gleiche Infrastruktur teilen. Ujo versucht, zwei große Probleme im Bereich der Musikrechte zu lösen. Der erste Punkt ist der, wie man das Geld an die Künstler und Rechteinhaber gerecht verteilt. Zweitens wird das Problem angegangen, wenn ein Lied mehrere Urheber und Rechteinhaber hat („co-writer“). Ujo Music arbeitet in einer Reihe von Kooperationen mit Künstlern und Musik-Unternehmen zusammen in der Hoffnung, dass sich diese neue gemeinsame Infrastruktur für die Kreativwirtschaft durchsetzt.

IT-Grundlagen und Technologien der Zukunft

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Die direkte Konkurrenz zu Ujo ist die Plattform PeerTracks. Die Umsetzung ist jedoch eine andere. Musiker können hier eine Art virtuelle Unter-Währung für ihre Fans begründen. Diese könnte zum Beispiel „Madonna-Coin“ heißen. Inhaber dieser Coins erhalten dann spezielle Produkte wie eine besondere Aufnahme des Stückes oder einen Backstage-Pass für ein Konzert. Mit steigendem Bekanntheitsgrad der Künstler wächst auch der Wert der jeweiligen Unterwährung. So könnte der Anreiz steigen, junge gute Künstler früh zu entdecken und in diese über den Kauf von Coins zu fördern.

PeerTracks versteht sich selbst als Musik-Streaming und Musik-Verkaufs-Plattform, bei der die Fans die Künstler fair entlohnen und fördern können. Der Dienst nutzt die Blockchain für seine Transaktionen und transferiert das Geld direkt vom Nutzer an den Künstler. Jeder einzelne hochgeladene Song wird einem Smart Contract beigefügt.

In der Ujo-Technik kommen Major Labels und Musikverlage nicht vor. Auch bei PeerTracks sind diese nicht zwingend erforderlich. Die Entdeckung von Talenten, die Einstiegsfinanzierung, Fan-Management und Vertrieb werden mit Hilfe der Blockchain-Technik durch die Crowd realisiert.

Finanzwesen: Bitcoin als neue Währung

Wie eingangs bereits erklärt, liegt der Ursprung der Blockchain-Technologie in der Kryptowährung BitCoin. Frühe Aktivisten der BitCoin-Bewegung hatten die Vision, die Banken vollständig überflüssig zu machen. Inzwischen hat die Finanzbranche die Möglichkeiten für sich entdeckt und hat eigene Bestrebungen, das BitCoin-Prinzip umzusetzen. Ziel ist es, die Branche schneller, innovativer und profitabler zu machen. Nach einer Studie der spanischen Bank Santander könnten jährlich 20 Mrd US-Dollar Infrastrukturkosten wegfallen. Mittlerweile erforschen alle größeren Kreditinstitute die Möglichkeiten von Blockchain, so auch das Konsortium R3ZEV. Die genauen Ziele des Verbundes sind jedoch noch nicht klar. Die Bestrebungen der Banken, ein eigenes BitCoin zu schaffen, stecken noch in den Kinderschuhen.

Verknüpfungen mit dem Internet der Dinge

Slock.it aus dem sächsischen Mittweida nutzt die Technologie des Blockchain-as-a-Service. In der Software werden verschieden physische Dinge verknüpft. Dies können Küchengeräte, Steckdosen, sämtliche Schlösser in Türen und Autos, die sogenannten smarten Schlösser, sein. Das Internet der Dinge bedeutet, dass jedes physische Objekt auf der Erde ein Abbild im Internet hat. Das kann zum Beispiel der Kühlschrank sein, der automatisch nachbestellt, falls der Lebensmittelvorrat zur Neige geht. Oder der Drucker bestellt selbständig einen neuen Toner, wenn die Farbe zu Ende geht. Die Verknüpfung von Blockchains und dem Internet der Dinge birgt ein großes Potential für Innovationen.

Mit freundlicher Genehmigung von Faizod.

Der dritte Teil der Serie beschäftigt sich mit zukünftigen Anwendungen der Blockchain.

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