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Die Erfolgsfaktoren des digitalen Wandels

Alexander Markowetz ist ausgebildeter Informatiker und arbeite von 2009 bis 2016 als Juniorprofessor des Masterstudiengangs Informatik an der Universität Bonn. Heute befasst er sich als Berater, Redner und Autor („Digitaler Burnout“, Droemer) mit der Digitalisierung.

Dichtes Gedränge auf der Börsenvereins-Bühne in Frankfurt: Der Vortrag von Alexander Markowetz über die Erfolgsfaktoren der Digitalisierung hat offenbar einen Nerv getroffen.

Seine Botschaft: Nur wer Standards und offene Schnittstellen entwickelt, kann das Potenzial der Digitalisierung voll ausschöpfen und schnell und flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Seine Thesen können Sie hier auf buchreport.de nachlesen (plus):

An English translation of this article can be found here.

Wir stehen mit der Digitalisierung vor einer fundamentalen Neuordnung unserer Gesellschaft und der Wirtschaft, wie wir sie kennen. 

Um in dieser neuen Ordnung bestehen zu können und in einem fairen Wettbewerb ohne Abhängigkeit von einzelnen großen Konzernen florieren zu können, muss die Buchbranche umdenken. Verlage, Händler und Dienstleister müssen nicht nur über den Tellerrand des eigenen Unternehmens, sondern auch über die eigene Wertschöpfungskette und über nationale Grenzen hinausdenken. Wenn das gelingt, wird der Nährboden für eine positive Veränderung geschaffen, von denen auch und vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren.

Warum wir noch am Anfang stehen

Die zentrale Neuerung der Digitalisierung liegt in der grenzenlosen Kommunikation zwischen beliebigen Endpunkten, zu vernachlässigbaren Kosten. Es wird nicht länger ein eigenes Verwaltungs- und Fiskalsystem pro Nationalstaat geben. Stattdessen entsteht ein globales Internet of Things, dessen Parameter nur noch lokal angepasst werden. Noch sind wir allerdings weit von diesem Ziel entfernt.

Zwar müht sich die Bundesregierung den Wandel zur Industrie 4.0 und die digitale Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produkten weit oben auf die Agenda zu setzen, aber alle bisherigen Ergebnisse sind nur Fingerübungen. Die eigentliche Revolution steht noch bevor und wird eine Veränderung mit sich ziehen, die alle Branchen und ihre Geschäftsmodelle völlig neu definiert. 

Der Knackpunkt: Bisher wird die Digitalisierung nur unternehmensintern vorangetrieben. Einfache Branchenbeispiele:

  • Will ein Verlag eine Druckerei beauftragen, werden Informationen und Daten per E-Mail ausgetauscht.
  • Unzählige Praktikanten werden damit beschäftigt, Metadaten in Systeme einzupflegen oder Anfragen von Kunden zu beantworten.
  • Will ein Buchhändler von der Verlagsauslieferung erfahren, wo seine Bestellung ist, wird er telefonisch von Kundenberater zu Kundenberater durchgereicht, bis er schließlich eine Antwort erhält.

Was wir stattdessen brauchen, sind Schnittstellen zwischen den Unternehmen, die die Kommunikationsprozesse und den Datenaustausch wesentlich beschleunigen und Fehlerquellen minimieren. Zwischen zwei, drei Unternehmen ist eine solche Schnittstelle noch leicht denkbar, aber wirklich interessant wird es erst, wenn diese Schnittstelle nicht nur eine Handvoll von Unternehmen miteinander verbindet, sondern möglichst viele Unternehmen der Branche miteinander – und darüber hinaus auch mit angrenzenden Branchen. Der damit verbundene Investitionsaufwand ist aber nur zu stemmen, wenn die Schnittstellen standardisiert sind und möglichst viele Unternehmen sich auf diesen Standard verständigen würden – innerhalb und außerhalb der Branche.

Wo die Buchbranche ansetzen kann

Wie das in der Praxis gelingen kann, zeigt exemplarisch die Bonnier-Gruppe, die derzeit an einer offenen Schnittstelle zwischen Verlagen und Druckereien arbeitet, an deren Mitarbeit sich auch andere Verlage beteiligen können (mehr dazu im ausführlichen Artikel zum Thema, den Sie unten über LaterPay oder Ihren Abonnenten-Zugang freischalten können). Die Herstellungsabteilung ist ein guter Ansatzpunkt für die Entwicklung von Standards, weil es hier viele Schnittstellen zu anderen Unternehmen gibt – häufig auch zu internationalen Dienstleistern.

Auch im Buchhandel könnte die Entwicklung übergreifender Standards neue Rahmenbedingungen schaffen und Riechsalz gegen die Ohnmacht angesichts der Marktmacht von Amazon bieten. René Kohl, Inhaber der Berliner Versandbuchhandlung Kohlibri, beschäftigt sich seit rund zehn Jahren mit dem Thema und kennt viele Beispiele für ineffiziente Abläufe aufgrund fehlender Absprachen und Schnittstellen. 

Kohl: „Wenn wir uns mehr um die Entwicklung von standardisierten Prozessen kümmern würden, könnte aus unserer roten Zahl unter dem Strich zumindest eine schwarze Null werden. Bevor wir uns um diese Hausaufgaben nicht kümmern, brauchen wir erst gar nicht darüber nachdenken, wie wir kooperativ gegen Amazon vorgehen können.“

Wie die Branche mit Blick auf Vorzeigebeispiele aus anderen Branchen eigene Standards entwickeln und damit die Digitalisierung in einem fairen Wettbewerb vorantreiben kann, lesen Sie in der ausführlichen Version dieses Artikels im buchreport.magazin 10/2017. Sie können den Artikel über LaterPay oder Ihren Abonnenten-Zugang freischalten (s.u.). 

 

Vortrag Frankfurter Buchmesse

Integrating the Publishing Environment (IPE) – Der einzig realistische Ansatz für die Digitalisierung. Dezentral, kollaborativ und partizipativ.

  • Termin: Mittwoch, 11. Oktober 2017 , 12 bis 13 Uhr
  • Ort: Forum Börsenverein (Halle 3.1, Stand H 85)

Der Vortrag präsentiert IPE, einen radikal neuen Ansatz zur Digitalisierung des Verlagswesens. Mittels standardisierter IT Schnittstellen erlaubt IPE Interoperabilität und Geschäftsprozesse, quer über Unternehmensgrenzen hinweg. Der Community getriebene Ansatz zerstört die klassische Knebelung an einzelne Software Hersteller. Es erzeugt damit einen dezentralen, partizipativen und kollaborativen Wirtschaftsraum. Vor allem zerstört IPE die derzeitige Plattformökonomie. Nicht zuletzt ist IPE machbar. Er (i) orientiert sich an einer Blaupause aus dem Gesundheitswesen, (ii) kann mit einer kleinen Community loslaufen, und (iii) wächst organisch. In der Tat ist IPE der einzig realistische Ansatz für die Digitalisierung des Verlagswesens. IPE ist im Gründungsstadium. Der Vortrag ist in englischer Sprache.

Alexander Markowetz  alexander@markowetz.de
Text: Lucy Mindnich  mindnich@buchreport.de


Alexander Markowetz ist ausgebildeter Informatiker und arbeitete von 2009 bis 2016 als Juniorprofessor des Masterstudiengangs Informatik an der Universität Bonn. Heute befasst er sich als Berater, Redner und Autor („Digitaler Burnout“, Droemer) mit der Digitalisierung © Keynote Speakers

Die Digitalisierung wird größtenteils firmenintern vorangetrieben. Wer das Veränderungspotenzial ausschöpfen will, muss darüber hinausdenken. Wie das in einem fairen Wettbewerb gelingt, analysiert Alexander Markowetz.

An English translation of this article can be found here.

Wir stehen mit der Digitalisierung vor einer fundamentalen Neuordnung unserer Gesellschaft und der Wirtschaft, wie wir sie kennen. Noch können wir die Tragweite der Veränderungen, wenn überhaupt, nur erahnen, weil bisher nur winzige Effekte sichtbar waren.

Um in dieser neuen Ordnung bestehen und in einem fairen Wettbewerb ohne Abhängigkeit von einzelnen großen Konzernen florieren zu können, muss die Buchbranche umdenken. Verlage, Händler und Dienstleister müssen nicht nur über den Tellerrand des eigenen Unternehmens, sondern auch über die eigene Wertschöpfungskette und über nationale Grenzen hinausdenken. Wenn das gelingt, wird der Nährboden für eine positive Veränderung geschaffen, von denen auch und vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren.

 

Warum wir noch am Anfang stehen

Die zentrale Neuerung der Digitalisierung liegt in der grenzenlosen Kommunikation zwischen beliebigen Endpunkten, zu vernachlässigbaren Kosten. Es wird nic…
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