Studie analysiert den deutschen Einzelhandel

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den deutschen Einzelhandel? Eine Studie des Instituts Ibi Research hat bundesweit rund 2000 Einzelhändler nach ihren Geschäftsmodellen, Strategien und Plänen befragt. Das Fazit: Die Branche muss ihr klassisches Geschäftsmodell überdenken.

Unter dem Titel „Der deutsche Einzelhandel 2017“ haben die Forscher des an der Universität Regensburg angesiedelten Instituts zusammen mit 41 Industrie- und Handelskammern sowie dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nun belastbares Zahlenmaterial vorgelegt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 54% der befragten Händler verkaufen ihre Waren ausschließlich stationär, knapp ein Drittel (35%) haben neben dem traditionellen Geschäft einen Online-Handel etabliert und 11% sind reine Online-Händler.
  • In den nächsten fünf Jahren rechnen 24% der stationär aktiven Händler mit einen Rückgang der im Ladengeschäft erwirtschafteten Umsatzanteile.
  • Im Vertriebskanal Online-Shop erwarten dagegen lediglich 4% der Händler einen Rückgang. 13% erwarten einen Zuwachs dieses Kanals und 83% rechnen damit, dass die Online-Umsatzanteile gleich bleiben.
  • In der Kategorie der Multikanalhändler sind Buchhändler mit einem Anteil von 45% nach Fotogeschäften (57%) und IT-Händlern (46%) am häufigsten vertreten.

Als positiv aus der Sicht des Einzelhandels bewerten die Verfasser der Studie, dass On- und Offline stärker zusammenwachsen: Immer mehr Ladengeschäfte, die auch online aktiv sind, verbinden die Kanäle:

  • Services wie eine Online-Reservierung und eine Vor-Ort-Abholung setzen bereits 27% der Händler ein und 11% planen es.
  • Ähnliche Werte ergab die Analyse beim Online-Kauf und der Abholung im Ladengeschäft (Click and Collect): Hier liegen die Werte bei 24% und 10%.
  • Ernüchterung dagegen beim Blick auf die digitale Aufwertung des Ladengeschäfts: Gerade einmal 5% haben ein virtuelles Regal zur Sortimentserweiterung im Einsatz und 5% planen es.
  • Auch kostenloses WLAN findet sich bisher nur in gut einem Drittel der Geschäfte.
  • Ein Fünftel der Händler verfügt noch immer nicht über digitale Systeme zur die Anbindung an Online-Shops oder ‑Plattformen und plant auch keine in Zukunft.

Ein weiteres Themenfeld der Studie waren die aktuellen und zukünftigen Investitionen des deutschen Handels in Digitalisierungsvorhaben:

  • Lediglich 12% der Unternehmen haben ein ausgewiesenes Budget für Investitionen in die Digitalisierung.
  • 56% der Händler ohne explizites Budget nutzen zur Finanzierung von Digitalisierungsmaßnahmen das allgemeine Investitionsbudget, 9% wollen generell nicht in die Digitalisierung investieren und 8% haben für solche Investitionen kein Geld.
  • Von den Händlern mit ausgewiesenem Budget wollen zwei Drittel dieses in den kommenden drei Jahren steigern. 

Gleichzeitig sehen viele Händler ihr Geschäftsmodell durch die Marktmacht globaler Marktplätze wie Amazon, Ebay & Co. gefährdet:

  • 70% bezeichnen den Einfluss auf ihr Geschäftsmodell als „sehr hoch“ oder „hoch“.
  • Ein ähnlicher Wert wird nur vom Faktor der „zunehmenden Kundenanforderungen“ erreicht (69 %).
  • Hier unterscheiden sich die verschiedenen Händlertypen in ihrer Einschätzung: Sehen 73% Multikanalhändler den Einfluss von Amazon & Co. auf ihr Geschäftsmodell als sehr hoch bzw. hoch an, sind es bei den rein stationären Händlern nur 58%, bei den reinen Online-Händlern aber 70%.
  • Trotz aller Befürchtungen sehen die meisten Befragten (64%) den stationären Einzelhandel weiterhin als den wichtigsten Einkaufskanal. Sogar jeder zweite reine Online-Händler (51%) schließt sich dieser Meinung an.
  • Den Trend zu kleineren Ladenflächen beobachten 61%. 22% sehen diese Entwicklung gar nicht.
  • Bei der Frage, ob die Digitalisierung mehr Chancen als Bedrohungen für den Handel mit sich bringt, äußert sich gut ein Drittel indifferent. 31% der Händler denken eher optimistisch und sehen die Chancen deutlich vor den Bedrohungen.
  • Eine Analyse nach Händlertyp zeigt jedoch, dass insbesondere die reinen Online-Händler hier sehr positiv gestimmt sind (74%), während von den rein stationären Händlern lediglich 31% einen Überhang der Chancen sehen.
  • Rein stationäre agierende Akteure sind hier deutlich skeptischer als Multikanalhändler (47%) und reine Online-Verkäufer.
  • Zudem erwarten 73% der reinen Online-Händler und 74% der Multikanalhändler eine zunehmende Ausweitung des Vertriebs der rein online agierenden Akteure in die Fläche. Bei den rein stationär aktiven Unternehmen liegt der Wert nur bei 67%.

Das Fazit von Ibi Research-Geschäftsführer Georg Wittmann, der das Forschungsprojekt leitet: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der deutsche Einzelhandel sein klassisches Geschäftsmodell überdenken muss.“ Die Studie zeige aber auch, dass der Handel die wesentlichen Treiber für die Veränderung bereits identifiziert habe: Marktplätze wir Amazon, eBay & Co. Nun gelte es die richtigen Antworten zu finden, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können.

Die vollständige Studie „Der deutsche Einzelhandel 2017“ steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

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