Bücherschau im Spagat

Internationaler Branchentreff: Aussteller aus über 100 Ländern sind in Frankfurt vertreten. Bei den Standbuchungen macht sich erneut der „Ehrengasteffekt“ bemerkbar: Französische Aussteller haben in diesem Jahr ihre Fläche um 12% im Vergleich zum Vorjahr vergrößert (Fotos: Marc Jacquemin).

„Wir werden auch immer mehr zur Publikumsmesse“, sagt Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, vielleicht sogar ein Literaturfestival (hier das ausführliche Interview). Aber natürlich ist die Messe auch alles andere und eine Plattform, die viel aushält.

Die Balance zu finden zwischen Publikumsevent und Fachmesse ist für die Frankfurter Buchmesse (11.–15. Oktober) eine alljährliche Herausforderung. Auch 2017 steht wieder der Spagat an: Einerseits mit neuen Formaten und aufgebohrtem Konferenzprogramm für die Fachbesucher, andererseits mit Lesefestival und Autoren-Prominenz für ein breites Publikum. „Auch die deutschsprachigen Verlage richten ihren Auftritt darauf aus: Unter der Woche geht es um Lizenzgeschäft und Vertrieb und Freitagmittag schalten sie vom Fachmesse- in den Publikumsmodus“, sagt Boos. Und dann soll sich die Buchmesse auch wieder als Arena für politische Debatten und „Seismograf für globalgesellschaftliche Entwicklungen“ erweisen.

Ihren Status als „internationalste aller Buchmessen“ sieht Boos im Rechtehandel begründet: Nachdem bereits 2016 das Literary Agents & Scouts Centre in Halle 6.3 lange im Voraus ausgebucht war, erweist sich das Lizenzgeschäft auch in diesem Jahr als Rückgrat der Messe mit 500 verkauften Tischen. Zur Frage, warum dem Agentencenter vor diesem Hintergrund nicht mehr Raum gegeben wird, verweist Boos auf die limitierte Fläche. Außerdem habe man einen weiteren Rechtemarktplatz für Verlage neben das Agentencenter gesetzt. Es sei aber nicht sinnvoll, ein zweites Rechtezentrum aufzumachen: „Die Leute wollen sich an einem Platz treffen.“

Einschneidende Änderungen am Messekonzept wie nach der Neuformatierung 2015 gibt es nicht, aber wie immer gibt es einige Neuerungen:

  • Unter dem Namen The Bigger Splash startet ein neues Programm für Marketing- und Kommunikationsexperten, bei dem sich Teilnehmer in verschiedenen Veranstaltungen über Werbestrategien und Beispiele aus der Verlagswirtschaft informieren können.
  • Beim neu geschaffenen Format Weltempfang Satelliten spricht Messe­direktor Boos im Business Club mit Journalisten und Buchautoren über politische und gesellschaftliche Themen.
  • Der 2016 erstmals platzierte Bereich The Arts+ wird fortgesetzt und erweitert mit Projekten aus Kultur- und Kreativwirtschaft (Halle 4.1).
  • In Halle 4.0 (J 87) wird das Buchhändlerzentrum wiedereröffnet mit Lesungen, Fachvorträgen und anderen Veranstaltungen.

 

Erster Test mit Bestsellerautor im großem Publikumsformat

Die Forcierung in Richtung Publikumsmesse wird deutlich durch 4o00 Veranstaltungen und weitere medienwirksame Aktionen:

  • Dan Brown wird am Samstag (14.10.) im Kongresszentrum vor rund 1800 Besuchern seinen neuen Thriller „Origin“ vorstellen. Die Veranstaltung ist deutschlandweit das einzige Event mit dem US-Bestsellerautor.
  • Viele weitere prominente Schriftsteller werden erwartet, wie Michel Houellebecq, Margaret Atwood, Daniel Kehlmann und Reinhold Messner.
  • Die Jury des französischen Literaturpreises Prix Goncourt wird am Mittwoch im Ehrengast-Pavillon die Kandidaten der Shortlist bekannt geben.
  • „Das literarische Quartett“ wird am Messe-Donnerstag aufgezeichnet.

Frankfurter Buchmesse in Zahlen

Besucher    
Jahr 2016 (%) 2015 (%)
Gesamt 278.023 (+0,8) 275.791 (+2,3)
Aussteller    
Einzelaussteller 2016 (%) 2015 (%)
Deutschland 2432 (+0,2) 2428 (–2,0)
International 4721 (+0,1) 4717 (+3,2)
Gesamt 7153 (+0,1) 7145 (+0,7)
Quelle: Frankfurter Buchmesse

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