Monatspass

»Eigentlich müssten die Kalenderverlage dankbar sein«

Christian Riethmüller (Foto: Steffen Sixt)

Die Buchhandlung Osiander hat mit ihrer Kalender-Rabattaktion für Unmut bei den Kalenderverlagen gesorgt. KV&H-Geschäftsführer Jürgen Horbach hat das Verkaufsmarketing des Regionalfilialisten heftig kritisiert: Damit bereite man den Weg zur Abschaffung der Buchpreisbindung.

Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Wir jammern im Buchhandel seit Jahren über zurückgehende Frequenzen und darüber, dass Amazon uns immer mehr Kunden abgräbt, und wenn wir dann mal in Bereichen, in denen wir flexibel sind, etwas beim Preis machen, dann hagelt es Kritik“, äußert Riethmüller gegenüber buchreport.de sein Unverständnis. „Eigentlich müssten die Kalenderverlage dankbar sein, weil wir den Rabatt ja auf unsere Kosten nehmen und den Kalenderverkauf durch unsere Aktion erhöhen.“ Zudem werde es gerne gesehen, wenn Osiander etwa in seinem Geschäft in Stuttgart am Marktplatz in 1a-Lage auch den Kalenderverlagen ein Schaufenster für ihre Produkte anbiete. Wenn man aber Marketing-Aktionen mache, um die Kunden auch ins Geschäft zu holen, dann gebe es Kritik.

Auch das Argument, dass Amazon keine langfristigen Preisaktionen bei Kalendern mehr mache, hält aus seiner Sicht nicht Stand: „Amazon ist in der Wahrnehmung der Kunden sowieso günstig. Amazon hat jeden Tag bei vielen Produkten Tiefstpreise. Und wenn ich mich als stationärer Händler mit Amazon messen will, muss ich meinen Kunden auch über einen längeren Zeitraum zeigen, dass es auch bei uns manchmal Schnäppchen gibt. Es ist Urlaubszeit, wir haben Touristen in unseren Städten, und viele kaufen jetzt einen Kalender, den sie sonst nicht gekauft hätten.“

Dass schließlich die Rabatt-Aktion die Preisbindung attackiere, kann Riethmüller ebenfalls nicht verstehen: „Kalender sind keine Bücher, sie sind nicht preisgebunden, sowenig wie PBS-Artikel, DVD’s, Spiele, Non-Books oder Hörbücher.“ Der Kunde habe heute andere Bedürfnisse, er achte mehr auf den Preis, sei offen für solche Aktionen.

Im Übrigen gebe es viele Kalenderkunden, die das ganze Jahr auf die großen Preisreduktionen im Januar und Februar warteten, mit 20% bis 50% Nachlass: „Diese Rabattaktionen machen fast alle mit, und die Verlage dulden das kritiklos. Da schenken wir 50% einfach so her. Wenn wir jetzt mit 20% vorziehen, und damit Kunden, die sonst im Januar und Februar mit 50% gekauft hätten, zum vorzeitigen Kauf verführen, profitieren Handel und Verlage. Wir verlieren weniger Rabatt und haben das Geld 6 Monate früher in der Tasche. Und dann nimmt der eine oder andere Tourist oder Kunde gleich noch Ferienlektüre bei uns mit, statt die bei Amazon zu kaufen. Der August mit seinen hohen Frequenzen in den Läden ist ein perfekter Monat für genau so eine Aktion.“ 

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