Claus Schwarz: »Wir sind nicht nur Buchhändler, sondern Dienstleister«

Der Österreichische Buchhandlungspreis ist 2017 erstmals vergeben worden und soll – ähnlich wie sein deutsches Pendant – Arbeit und Verdienste der inhabergeführten Sortimente hervorheben. buchreport stellt die fünf Premieren-Preisträger vor. In dieser Folge: die Buchhandlung Plautz in Gleisdorf.


Buchhandlung Plautz

Inhaber: Claus Schwarz

Sparkassenplatz 2, 8200 Gleisdorf

www.plautz.at

Auszug aus der Jurybegründung: „Um als Buchhandlung in einer Stadt mit nur 10.000 EinwohnerInnen bestehen zu können, braucht es mehr als nur Enthusiasmus. Man muss sich unentbehrlich machen. Die Buchhandlung Plautz im steirischen Gleisdorf hat genau das in ihrem bald 70-jährigen Bestehen geschafft. Durch ausdauernde Arbeit in der Vermittlung von Literatur an alle Alters- und Bevölkerungsgruppen ist Plautz nicht nur ein Zentrum der Kinder- und Jugendliteratur, ein verlässlicher Kooperationspartner für Bibliotheken, Schulen und Kindergärten, sondern ein einmaliger kultureller Ankerpunkt der Region.“


 

Claus Schwarz führt die Buchhandlung Plautz in dritter Generation (Foto: Buchhandlung Plautz).

Claus Schwarz betont gleich am Anfang seiner Bewerbung für den Österreichischen Buchhandlungspreis: Die Buchhandlung Plautz ist ein „moderner Traditionsbetrieb“. Ihre Anfänge reichen bis ins Jahr 1948 zurück. Damals gründeten Auguste und Karl Plautz das Geschäft zunächst als Versandbuchhandlung mit angedocktem Zeitschriften-Großvertrieb. 1975 übernimmt die jüngste Tochter Helga Plautz die Buchhandlung, die mittlerweile mit einem Ladengeschäft präsent ist, und 30 Jahre später, im Jahr 2005 übergibt sie an die nächste Generation: ihren Neffen Claus Schwarz.

Er bietet heute in der steirischen Kleinstadt Gleisdorf ein breites Sortiment mit einem Schwerpunkt auf dem Kinder- und Jugendbuch, „da wir auch die Kunden von morgen gewinnen müssen“. Zudem zählt er Bibliotheken, Schulen, und Kindergärten zu seinen Kunden. Dort finden jährlich allein etwa 100 Weihnachtsbuchausstellungen statt.

Neun Mal war die Buchhandlung Plautz zudem Gastgeber für die Preisverleihung des Österreichischen Kinder-und Jugendbuchpreises und eine Mitarbeiterin pflegt den Kontakt zum Kunden bei Facebook, wo auch der Österreichische Buchhandlungspreis ausführlich dokumentiert wurde. Weil Claus Schwarz weiß, wie wichtig seine Mitarbeiter für seine Buchhandlung sind, investiert er das Preisgeld von 10.000 Euro in sie: Sie sollen eine Kulturreise machen und sich weiterbilden, berichtet er im Interview.

Claus Schwarz (vorne) und sein Team freuen sich über den Österreichischen Buchhandlungspreis. Das Preisgeld investiert Schwarz in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter (Foto: Buchhandlung Plautz).

Herr Schwarz, was zeichnet Ihr Unternehmenskonzept aus und wo liegen die besonderen Stärken Ihrer Buchhandlung?

Die besondere Stärken unserer Buchhandlung liegt sicher darin, dass wir unsere KundInnen kennen und deshalb gezielt die Wünsche befriedigen können. Wir sehen uns nicht nur als Buchhändler, sondern als Dienstleister – das gewünschte Buch muss unter allen Umständen besorgt werden. Auch Bibliotheken werden gut beraten. Wir besuchen vor dem Ankauf die dortige Bibliothek, um uns ein Bild über das dortige Programm zu bilden.

Wie groß ist die Aufmerksamkeit infolge der Auszeichnung und was versprechen Sie sich von dem Preis?

Die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und in den Medien ist groß. Die „Kronen Zeitung“ – vergleichbar mit „Bild“, ich möchte jetzt kein Urteil über die Qualität geben – war zwei Stunden bei unserem Fest anlässlich des Preises anwesend und hat einen zweiseitigen Bericht gebracht. Auch weitere Zeitungen und der ORF waren sehr informativ. Ich verspreche mir vom Preis eine gute Reputation. Bei Aufträgen für das Land Steiermark und weitere öffentliche Stellen musste ich oft deklarieren, warum eine Provinzbuchhandlung der gute Partner ist. Das sollte nun Vergangenheit sein.

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Es steht den MitarbeiterInnen für eine Kulturreise und Weiterbildung zur Verfügung und wird nicht in das Firmenvermögen integriert.

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie als Buchhändler stehen?

Das Niveau zu halten. Die Bevölkerung weiterhin davon zu überzeugen, wie wichtig das Kulturgut Buch für alle Bevölkerungsschichten ist. Den freien Zugang zu Büchern in einer Vollbuchhandlung zu ermöglichen. Junge, begeisterte Mitarbeiter zu motivieren, den Beruf als Buchhändler zu erlernen.

Der Österreichische Buchhandlungspreis

Beim Österreichischen Buchhandlungspreis, der 2017 erstmals vergeben wurde, erhalten fünf unabhängige Buchhandlungen je 10.000 Euro Preisgeld, das offen als Stütze gegen den Online-Handel verteilt wird. Die Buchhandlungen seien „herausragende Beispiele dafür, wie unterschiedliche kundenorientierte Konzepte auch in Zeiten von internationalen Internetriesen entgegenhalten können: mit modernen Ideen und persönlichem Profil“, lobte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. Der Verband vergibt den Preis gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt.

Ähnlich wie das deutsche Pendant soll die Auszeichnung als beste Buchhandlung des Jahres die Buchhandlungen als Kultur- und Begegnungsorte würdigen und ein Schlaglicht auf die unabhängige Buchhandelslandschaft werfen. Neben dem Preisgeld erhalten die prämierten Buchhandlungen ein Gütesiegel mit dem sie dauerhaft für sich werden können. Ausgezeichnet werden inhabergeführte Buchhandlungen, die

  • literarisch ausgerichtete Sortimente pflegen
  • ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten
  • innovative Geschäftsmodelle verfolgen
  • Lese- und Literaturförderung betreiben.

Die Preisträger 2017:

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