Buchhandlung Leporello: »Wir sind hyperaktiv«

Der Österreichische Buchhandlungspreis ist 2017 erstmals vergeben worden und soll – ähnlich wie sein deutsches Pendant – Arbeit und Verdienste der inhabergeführten Sortimente hervorheben. buchreport stellt die fünf Premieren-Preisträger vor. In dieser Folge: die Buchhandlung Leporello in Wien.


Gelegen am Stephansplatz: Das 2009 eröffnete Leporello-Geschäft im Wiener 9. Bezirk (Foto: Jennifer Jursitzky, 2011).

Buchhandlung Leporello

Inhaber: Rotraut Schöberl, Erwin Riedesser

Singerstraße 7, 1010 Wien

www.leporello.at

Auszug aus der Jurybegründung: „Rotraut Schöberl ist die Buchhändlerin, der Österreich vertraut. Seit vielen Jahren bringt die Inhaberin von Leporello mit persönlich zugeschnittenen Empfehlungen den BesucherInnen ihrer Buchhandlung das Sortiment näher. Seit gut 11 Jahren animiert sie auch jede Woche im Fernsehen zum Lesen. Wem sonst würde man, wie beim Leporello Buch-Abo, sogar Bücher abkaufen, ohne genau zu wissen, um welche es sich handelt?“


1994 haben sich die beiden Buchhändler Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser selbständig gemacht und in Wien-Alsergrund ihre Buchhandlung Leporello eröffnet, deren Architekturkonzept preisgekrönt war. Heute betreiben sie zwei Filialen, die jeweils in exponierter Lage gelegen sind: Seit 1999 residiert Leporello am Wiener Burgtheater, 2009 wurde eine 120-qm-Fläche in unmittelbarer Nähe des Stephansplatzes eingerichtet. Einer der Schwerpuntke ist die Theaterliteratur, hinzu kommen Literatur, Lyrik, Kunst, Philosophie, Geschichte, Kulinaria sowie Kinder- und Jugendbuch. Im Interview bezeichnen sich die Inhaber selbst als „hyperaktiv“: Leporello ist mit Büchertischen bei Veranstaltung vertreten, im Bibliotheksgeschäft aktiv, mit der Burgtheater-Filiale ohnehin im Kulturleben präsent, und Rotraut Schöberl empfiehlt seit 13 Jahren dienstags im österreichischen Frühstücksfernsehen „Café Puls“ Bücher. Als einziges österreichisches Sortiment sind sie zudem bei „5plus“ Mitglied, einem Zusammenschluss literarischer Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum. Die mit der Gruppe verbundene „elitäre“ Haltung entspreche zwar nicht der grundsätzlichen Leporello-Haltung, sagte Rotraut Schöberl einst im buchreport-Gespräch, aber: „Durch das Marktdenken besteht die Notwendigkeit einer Unterscheidung.“ Wofür sie und Mitinhaber Erwin Riedesser das Preisgeld genau nutzen wollen, ist noch nicht entschieden, aber jedenfalls soll es helfen, ihre Buchhandlung noch besser zu positionieren.

Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser vor ihrer Buchhandlung Leporello in Wien (Foto: Leporello)

Was zeichnet Ihr Unternehmenskonzept aus und wo liegen die besonderen Stärken Ihrer Buchhandlung?

Ideenreichtum, große Aktualität und Wendigkeit sowie maßgeschneiderte Abo-Angebote; und nicht zuletzt durch unsere Filiale im Burgtheater sind wir mitten im Kulturleben verankert. Wir sind hyperaktiv, mit vielen Büchertischen bei unterschiedlichsten Veranstaltung – die aber immer zu unseren Warengruppen passen – und sind mit Taschengeld-Einkäufen ebenso vertraut und kompetent wie mit Großbibliotheksaufträgen.

Wie groß ist die Aufmerksamkeit infolge der Auszeichnung und was versprechen Sie sich von dem Preis?

Sehr groß und vor allem: die Freude unserer KundInnen und potentiellen KundInnen über diesen Preis verstärkt ihn noch!

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Die Diskussionen sind bei uns noch voll im Gange: Es gibt so Vieles, das in Frage kommt, um uns in Zukunft noch besser zu positionieren.

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie als Buchhändler stehen?

Unsere Kunden auch weiterhin zu begeistern und in der Leporello-Familie zu behalten.

Der Österreichische Buchhandlungspreis

Beim Österreichischen Buchhandlungspreis, der 2017 erstmals vergeben wurde, erhalten fünf unabhängige Buchhandlungen je 10.000 Euro Preisgeld, das offen als Stütze gegen den Online-Handel verteilt wird. Die Buchhandlungen seien „herausragende Beispiele dafür, wie unterschiedliche kundenorientierte Konzepte auch in Zeiten von internationalen Internetriesen entgegenhalten können: mit modernen Ideen und persönlichem Profil“, lobte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. Der Verband vergibt den Preis gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt.

Ähnlich wie das deutsche Pendant soll die Auszeichnung als beste Buchhandlung des Jahres die Buchhandlungen als Kultur- und Begegnungsorte würdigen und ein Schlaglicht auf die unabhängige Buchhandelslandschaft werfen. Neben dem Preisgeld erhalten die prämierten Buchhandlungen ein Gütesiegel mit dem sie dauerhaft für sich werden können. Ausgezeichnet werden inhabergeführte Buchhandlungen, die

  • literarisch ausgerichtete Sortimente pflegen
  • ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten
  • innovative Geschäftsmodelle verfolgen
  • Lese- und Literaturförderung betreiben.

Die Preisträger 2017:

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