Sichtschneisen in den E-Book-Markt

E-Reader in der Buchhandlung Graff in Braunschweig (Foto: buchreport/Christina Reinke)

Wie entwickelt sich das Geschäft mit E-Books? Verlässliche und umfassende Aussagen zum Digitalbuchmarkt zu treffen, ist schwierig:

  • Daten werden auf Shop-Seiten unter Verschluss gehalten.
  • Die Rolle der Selfpublisher wird unterschiedlich bewertet oder das Marktsegment nicht erfasst.
  • Hinzu kommt, dass sich die Märkte weltweit disparat entwickeln.

Zwei deutsche E-Book-Dienstleister haben mit ihren Daten jetzt zumindest ein paar aktuelle Tendenzen aufgezeigt.

Readbox-Zahlen: Amazon vergrößert Abstand zu Tolino

Der Dortmunder Digitaldienstleister Readbox hat einige Leistungs- und Kennzahlen für 2016 veröffentlicht. Sie sind nicht repräsentativ für den deutschen Gesamtmarkt, aber dank großer Kunden wie Bastei Lübbe, Carlsen und HarperCollins sowie insgesamt 12,7 Mio ausgelieferter Titel im Digitalvertrieb lassen sie Trends erkennen, die darauf hindeuten, dass Amazon seinen Marktanteil auf 55% im E-Book-Segment zuletzt wieder ausgebaut hat. Der stärkste Verfolger Tolino verliert dagegen an Boden und erreicht demnach nur noch 23% (Vorjahr: 27%).

Die E-Book-Preise haben sich laut Readbox bei durchschnittlich 6 Euro stabilisiert, mutmaßlich mit einer großen Schwankungsbreite.

»Global E-Book Report« dokumentiert Preisstrategien

Preise und Preisstrategien sind auch ein Thema des „Global E-Book Reports“, den Berater (und buchreport-Korrespondent) Rüdiger Wischenbart jährlich erstellt. Aus der neuen Ausgabe (erscheint am 25. April, dann hier bestellbar) hat Wischenbart jetzt auf der London Book Fair ein paar Befunde herausgelassen, zu denen u.a. auch der Frankfurter Dienstleister Bookwire Daten beigesteuert hat. Sie geben Einblick in die unterschiedlichen Preisstrategien bei E-Books:

  • Etablierte Belletristikverlage vor allem in Deutschland und Frankreich orientieren sich bei der Bepreisung digitaler Ausgaben weiterhin an den Preisniveaus für gedruckte Ausgaben.
  • Demgegenüber stehen Selfpublisher, die sich mit niedrigeren Verkaufspreisen profilieren. Ihr Marktanteil wächst, insbesondere in Genres wie Thriller, Romantik und Science-Fiction.
  • Es gibt zudem länderspezifische Unterschiede, wie ein exemplarischer Vergleich der Digitalmärkte in Deutschland und Spanien zeigt: In Deutschland ist der Marktanteil der mittleren E-Book-Preisklasse (5–10 Euro) sowohl nach Absatz als auch nach Umsatz rückläufig; in Spanien hat das Preissegment 2016 hingegen deutlich zugelegt. Weitere Befunde für die beiden europäischen Märkte:
  • Gegenläufige Preistrends in Europa

    Die 2017er-Ausgabe des „Global E-Book Reports“ (erscheint am 25. April) dokumentiert, wie unterschiedlich sich die europäischen Digitalbuchmärkte entwickeln. Das wird besonders beim Pricing deutlich.

    Für Deutschland wurden die Zahlen des Frankfurter Digitaldienstleisters Bookwire ausgewertet:

    • 57% aller 2016 verkauften E-Books kosteten unter 5 Euro (2015: 53%). Sie trugen 22% des Umsatzes bei (2015: 21%).
    • E-Books mit Preisen zwischen 5 und 10 Euro waren hingegen sowohl beim Absatz als auch beim Umsatz rückläufig.
    • E-Books mit den von den meisten traditionellen Verlagen bevorzugten Preisen von über 10 Euro legten zu mit 17% aller verkauften Exemplare (2015: 13%) und 37% des Umsatzes (2015: 29%).

    Für Spanien zeichnet sich hingegen eine gegenläufige Entwicklung ab:

    • Die günstigste Preisklasse hat dort 2016 deutlich Marktanteil verloren und steht nur noch für 48% des Absatzes (2015: 58%) und 27% des Umsatzes (2015: 34%).
    • Dafür legte das Segment zwischen 5 und 10 Euro – anders als in Deutschland – deutlich zu: 38% aller Verkäufe entfielen auf die mittlere Preiskategorie, die dadurch 45% des Gesamtumsatzes beigetragen hat.

Bei Marktschwergewicht Amazon liest Wischenbart dagegen eine international übergreifende Tendenz zu einem bevorzugt promoteten E-Book-Preis heraus: Im Dezember 2016 bis über den Jahreswechsel lag der mittlere Preis eines „Kindle“-Bestsellers (die Rankings werden stark von den hauseigenen Amazon-Titeln dominiert) in Deutschland, Italien, Frankreich und in Spanien jeweils bei 2,99 Euro.

Debatte: Was ist mit dem E-Book los?

Diskurs der Digitalstrategen: Ralf Biesemeier, Sascha Heinen und Michael Döschner-Apostolidis (nicht im Bild) im Gespräch mit den buchreport-Redakteuren Daniel Lenz und Lucy Mindnich (v.l., Foto: Olivier Favre).

Die E-Book-Wachstumskurve ist abgeflacht, der digitale Umsatzanteil dümpelt auf ein- bis zweistelligem Niveau vor sich hin. Was ist los mit dem E-Book? Im Interview identifizieren Michael Döschner-Apostolidis (Holtzbrinck ePublishing), Sascha Heinen (Bastei Lübbe) und Ralf Biesemeier (Readbox) mögliche Ursachen.

Das vollständige Interview lesen Sie im buchreport.magazin 2/2017 (hier zu bestellen) oder hier als Digitalversion für Abonnenten von buchreport.digital.

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