In welchem Format werden wir lesen?

Felix Sasaki

Die Zukunft der digitalen Bücher liegt nicht bei Container-Formaten wie ePub, sondern im Internet – diese These gewinnt an Gewicht seit das World Wide Web Consortium (W3C) mit dem IDPF verschmolzen ist. Felix Sasaki, der für W3C arbeitet, ordnet im buchreport-Interview die aktuellen Entwicklungen ein. Im Webinar-Video „Bücher im Browser“ vertieft er das Thema als Referent.

In der Branche herrscht die Sorge, dass durch das Zusammengehen von W3C und IDPF die ePub-Weiterentwicklung leiden könnte. Zu Recht?

ePub 3.1 ist im IPDF im Status „Proposed Specification“. Das bedeutet dass ePub 3.1 fast fertig ist. Für Weiterentwicklungen in IPDF gibt es keine expliziten Pläne. Es gibt aber das Ziel, die Betreuung von ePub in einer W3C „Community“ Group weiter zu führen. In einer W3C Community Group kann jeder teilnehmen, auch ohne W3C Mitgliedsgebühren. Auf diese Weise wird die ePub-Entwicklung profitieren, d.h. sogar mehr Feedback einbeziehen können, als das gegenwärtig der Fall ist.

Wie kann ePub von dieser Allianz profitieren?

Auch aus technischer Sicht wird ePub von der Allianz profitieren. Es gibt eine Reihe von Webtechnologien im W3C Kontext (Progressive Web Apps, Web App Manifest, Service Workers) die auch für ePub-Reader und Editoren von großer Relevanz sind. Wenn jetzt Anforderungen an die Webcommunity aus der Sicht von ePub herangetragen werden, ist sichergestellt, dass diese und andere Technologien auch für das digitale Publizieren geeignet sind. Auf diese Weise kann auch ePub als Standard größere Verbreitung finden, in der Verlagswelt und darüber hinaus. 

Wenn Sie 5 bis 10 Jahre in die Zukunft schauen, welche Art Digitalbuch (Format, Art, Aussehen, Funktionen) würden Sie sich wünschen? 

Auf diese Frage wage ich keine Antwort zu geben. Die Anforderungen an digitale Publikationen sind zu vielfältig, aus der Sicht z.B. von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Verlagen, dem Bereich technische Dokumentation oder etwa von digitalen Lernmaterialien. Die Phantasie der Leser und Autoren nicht nur von digitalen Inhalten ist unbegrenzt. Standardisierte Technologien werden helfen, diese Phantasie umzusetzen und miteinander zu teilen.

Weiterführend zu seinen Antworten verweist Sasaki auf einen Eintrag von Tzviya Siegman, Co-Chair der Digital Publishing Interest Group im W3C.

Felix Sasaki arbeitete im W3C von 2005 bis 2009 im Bereich Internationalisierung. Seit 2012 ist er als W3C Fellow tätig, verbunden mit der Arbeit am DFKI (Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz). Er war Co-Chair der MultilingualWeb-LT Arbeitsgruppe und ist Co-Editor der Internationalization Tag Set (ITS) 2.0 Spezifikation. Er arbeitet im Moment unter anderem im EU-Projekt FREME. Sein Hauptinteresse gilt der Nutzung von Webtechnologien für die Repräsentation und Verarbeitung von mehrsprachigen Informationen.

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