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Holtzbrinck: Wie Maschinen auf dem Metadaten-„Schrottplatz“ aufräumen

Kaum ein Publikumsverlag hat sich dem Thema Metadaten schon frühzeitig so intensiv gewidmet wie Holtzbrinck. 2014 trat dort Tobias Streitferdt als Metadata-Manager an, als erster innerhalb der Buchbranche. Zwei Jahre später zieht der frühere Reisejournalist und Online-Berater eine Zwischenbilanz und entwirft eine Vision, wie sich die Infos rund ums Buch durch Computer verbessern lassen.

Der folgende Text fasst die Präsentation von Streitferdt bei der E-Book-Konferenz der Akademie der Deutschen Medien im Dezember 2016 in München zusammen.

Bei Holtzbrinck ePublishing ist Tobias Streitferdt (hier zu sehen bei der Präsentation auf der E-Book-Konferenz der Akademie der Deutschen Medien) auf Metadaten-Optimierung spezialisiert. Foto: Medienakademie

Der Handlungsdruck

Die Discovery von Büchern ist nach Einschätzung von Holtzbrincks Metadaten-Manager stark unter Druck, aus mehreren Gründen:

  • Große Technologie- und Internetkonzerne wie Google, Apple, Amazon & Co. bringen mit einem hohe Tempo neue Produkte und Services auf den Markt, was dazu führt, dass der Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer bzw. möglichen Leser umkämpft ist.
  • Es gibt einen wachsenden Wettbewerb der Verlage untereinander.
  • Immer mehr Titel von Selfpublishern strömen auf den Markt; die Selbstverleger optimieren ihr Angebot kontinuierlich, beispielsweise bei Preisen, Category Management und Metadaten ihrer Bücher – demgegenüber sei es bei den meisten Verlagen üblich, nur ein Mal Metadatenoptimierung und Category Management vorzunehmen und hin und wieder beim Pricing an den Stellschrauben zu drehen.

In dieser Situation gibt es nach Einschätzung von Streiferdt mehrere Optionen für Verlage:

  • Weiter machen wie bisher, also klassische Sortimentspflege, Backlist-Bestseller als Pront on Demand auskoppeln und sonst auf Verramschen setzen.
  • Panisch die Backlist bereinigen oder aber aufblähen, um mehr Regalfläche zu besetzen – die es aber digital in dem Sinne nicht gibt.
  • Oder schließlich bei der Metadatenpflege auf Automatisierung zu setzen – wie es bei Holtzbrinck der Fall ist.

Metadaten-Automatisierung bei Holtzbrinck

Der Aufhänger

Die Einführung des neuen VLB-Preismodells, mit dem Ziel, den Gold-Status für alle Backlist-Titel zu erlangen, sorgte bei Holzbrinck 2014 dafür, sich intensiver mit dem Thema Metadaten zu beschäftigen – was sich in der Einstellung von Tobias Streitferdt als Metadata & Discoverability-Manager niederschlug.

Setzt bei der Metadaten-Optimierung dezidiert auf Automatisierung: Tobias Streitferdt. Foto: Medienakademie

Die Ausgangslage

Was Streitferdt zu seinem Amtsantritt bei Holtzbrinck vorfand, war ein, in eigenen Worten, „Schrottplatz an Metadaten“: 40.000 Backlisttitel mit schlecht bis gar nicht gepflegten Keywords, ohne Thema-Kategorien. Oft wurden im Laufe der Geschichte von Titeln die Warengruppen geändert, vom Hardcover über das Taschenbuch bis zum E-Book; die Schlagwörter waren oft rechtschreibfehlerhaft. Ergo gab es keine homogene Metadaten-Grundlage in ONIX.

In dieser Situation wurden bei Holtzbrinck mehrere Wege getestet: manuelle Verfahren einerseits, automatisierte Verfahren (durch Streitferdt) andererseits.

Manuelle Verfahren:

  • Bei einem Holtzbrinck-Verlag erfolgte die manuelle Bearbeitung der Metadaten durch eine Person im Vertrieb, die sich Thema-Kategorien und Schlagwörter vornahm. Das Ergebnis auf der Zeitachse: 15 Minuten pro Titel, 1,5 Jahre für 4000 Titel.
  • Bei einem anderen Verlag wurden im Lektorat nur die Thema-Kategorien nachgepflegt. Entsprechend niedriger war der Zeitaufwand: 12 Minuten pro Titel, ein halbes Jahr für 2500 Titel insgesamt.

Automatisierte Verfahren:

Streitferdts Ansatz ...

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