VG Wort-Mitgliederversammlung im Fokus der Presse

Bevor auf der Mitgliederversammlung der VG Wort am Samstag (26.11.) ein weiteres Mal über die Umsetzung des BGH-Urteils abgestimmt werden wird, widmen sich „FAZ“ und „Süddeutsche“ dem Konflikt innerhalb der Verwertungsgsellschaft. Dass es zu einer Einigung kommen könnte, halten die Kommentatoren für unwahrscheinlich.

Der „FAZ“-Redakteur Michael Hanfeld fasst noch einmal die Ausgangslage zusammen (Ausgabe vom 25.11.2016, S. 15). Dabei behauptet er, dass der Autor und Jurist Martin Vogel, der gegen die Verteilungspraxis der VG Wort geklagt hatte, durch politische Einflussnahme seine Klage gewissermaßen vorbereitet habe: „Er sorgte seinerzeit als Berater der vormaligen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) für einen Passus im Urheberrechtsgesetz, der eine Rechtewahrnehmung, wie die VG Wort sie ausübt, ausschließt. In dem Gerichtsverfahren gegen die VG Wort, das vor dem BGH endete, fuhr er die Ernte ein.“ Hanfeld erinnert noch einmal an die letzte, kontroverse Mitgliederversammlung der VG Wort, auf der die von der Verwertungsgesellschaft vorgeschlagene Umsetzung des BGH-Urteils durch den Verband freier Journalisten „Freischreiber“ (s. auch den Beitrag von „Freischreiber“-Mitbegründer Wolfgang Michal im buchreport.blog) verhindert worden war. Die Ausgangslage weist nach Meinung Hanfelds auf eine Zukunft ohne gemeinsame Vertretung von Autoren und Verlegern in der VG Wort hin. Auch wenn abgestimmt wird, ob Autoren ihr Anrecht auf die für 2012 bis 2015 fälligen Summen abtreten können, bleibe den Verlagen keine Wahl: „Sie müssen zahlen, bis zum 30. November.“

Auch Detlef Esslinger rekapituliert in der „Süddeutschen Zeitung“ noch einmal die Vorgeschichte eines Konfliktfalls, der nach seiner Einschätzung für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar sei: „Wo ist eigentlich das Problem? Die Mitglieder haben die im Prinzip herrliche Aufgabe, fast 100 Millionen Euro zu verteilen, die ihnen quasi zugeflogen sind.“ Für das Scheitern einer Einigung über den neuen Verteilungsplan auf der letzten Mitgliedersammlung hat er eine Erklärtung: Das Problem bestehe nicht darin, dass die Autoren darüber stritten, wer wie viel von dem Geld zu bekommen habe. Viel kleinere Fragen hatten den Ausschlag gegeben: „Bis wann die Verlage das Geld zurückzuzahlen haben. Ob man es denjenigen Verlagen stunden soll, denen andernfalls die Insolvenz droht. Ob sie dafür aber Zinsen zu zahlen haben. Ob ein Autor auch zugunsten seines Verlags auf das ihm nun zustehende Geld verzichten kann.“ Esslinger, wie Hanfeld auch selbst stimmberechtigtes Mitglied in der VG Wort, legt offen, dass er selbst für die Vorschläge der VG Wort-Geschäftsführung gestimmt hatte und auch ein anonymisiertes Verfahren in Ordnung fände, in dem Autoren auf ihre Ansprüche verzichten könnten. Den Widerstand des Verbands „Freischreiber“ kann er nicht nachvollziehen: „Kann das wirklich sein: dass Autoren Geld deshalb nicht nehmen, weil sie darauf bestehen, noch ein paar Euro mehr zu bekommen? Einige der „Freischreiber“ und erst recht jener Münchner Gelegenheitsautor, der bis zum BGH gezogen war, sind echte Michael-Kohlhaas-Typen. Sie wollen recht haben bis zum letzten Cent, und wenn darüber kleine Verlage hopsgehen – ihnen doch wurscht.“ Als Grund für diesen Widerstand der Journalisten vermutet er ein unterschiedliches Verhältnis zwischen Autoren und Verlegern bei Buch- und Presseverlagen.

 

 

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