»Das ist ein Missbrauch der Preisbindung«

Christian Preuss-Neudorf (Foto: Veit Landwehr)

Mit einer Kürzung der Rabatte für Fachzeitschriften sorgt Hanser für Verärgerung im Buchhandel: In einem offenen Brief kritisiert Christian Preuss-Neudorf, Geschäftsführer der Fachbuchhandlung VUB (Köln), ein für Januar 2017 angekündigtes neues Konditionenmodell, das den Preisnachlass für Händler um die Hälfte verringert von 10 auf 5%. Damit verhalte sich Hanser „grob unpartnerschaftlich“ gegenüber seinen Handelspartnern und und untergrabe zudem die Preisbindung.

Hanser hatte die Rabattkürzung in einem Schreiben an die Buchhandelspartner begründet u.a. mit den „erheblichen Herausforderungen“, vor denen die Fachzeitschriftenverlagen seit einigen Jahren stünden: Die klassischen Erlösquellen aus Werbung und Abonnement seien rückläufig, die „digitale Disruption“ erfordere hohe Investitionen und schließlich setzten auch die fehlenden Ausschüttungen sowie Rückforderungen der VG Wort den Fachverlag unter zusätzlichen Druck, schreibt Geschäftsführer Wolfgang Beisler. Um diese Entwicklungen zu kompensieren, sei er gezwungen, die Geschäftsmodelle von Hanser neu auszurichten und „die Beziehungen zu Lieferanten und Händlern neu zu definieren“. Heißt: Der generelle Rabattsatz wird von 10 auf 5% gekürzt, ausgenommen sind Online-Only-Angebote und Lieferungen nach Übersee, die mit 3% rabattiert werden.

In dem offenen Brief, über den das „Börsenblatt“ zuerst berichtet hat, macht daraufhin der VUB-Geschäftsführer Preuss-Neudorf seinem Ärger Luft. Sein zentraler Kritikpunkt: Mit der Rabattkürzung instrumentalisiere Hanser die Preisbindung, die eigentlich den Schutz des flächendeckenden Buchhandels gewährleisten soll, zu eigenem Gunsten. Denn anders als die Verlage habe der Handel keine Gestaltungsmöglichkeiten, denn eine Preiserhöhung sei naturgemäß angesichts gebundener Preise nicht möglich. Zudem erhebt Preuss-Neudorf den Vorwurf, dass Hanser seinen Direktvertrieb forciere und auf Kosten des stationären Sortiments seine Verlagsmarge verbessere.

Hier der offene Brief im Wortlaut:

„(…) Der Handel ist im deutschen Modell der Buchpreisbindung an die von Ihnen einseitig festgelegten Preise gebunden. Er kann sich gegen eine Rabattkürzung nicht zur Wehr setzen, da Sie auch diese einseitig festlegen und nicht verhandeln, sondern wörtlich: ‚In Kraft setzen‘. Das klingt verstörend hoheitlich, geradezu herablassend!

Der Handel ist nicht dazu in der Lage, Rabattkürzungen (Ihre neue Kalkulation) zu kompensieren. Eine Preiserhöhung ist uns nach Buchpreisgesetz verboten! Was sollen wir davon halten, wenn Sie uns dieses neue Modell mit einem Vorlauf von 6 Wochen zumuten? Wie soll Ihr Partner, der Handel, darauf angemessen reagieren? Sollen wir unseren Kollegen kündigen, während Sie Ihre bei Hanser schonen? Der Handel kann ja nicht einmal mehr das Abo rechtzeitig kündigen, um seinen Kunden eine Alternative zu empfehlen.

Halten Sie eine Reaktion auf Seiten des Handels gar für überflüssig, weil mit Hanser ja nur ein Verlag so vorgeht und der Handel doch gut von den Rabatten anderer Verlage leben kann? Wollen Sie also als Trittbrettfahrer anderer Verlage Nutzen ziehen, oder als Nachreiter und Vorreiter den Prozess beschleunigen, der das Ende des flächendeckenden Handels bedeutet? Wollen Sie so Hanser retten, ohne Handel als Vertriebsweg?

Im Ergebnis nutzen Sie die Ihnen aufgrund der Gesetzeslage eingeräumte Machtposition ohne Zögern aus, um den Handel als weniger komfortabel ausgestatteten Partner zur Verbesserung Ihrer Verlagsmarge heranzuziehen. Kein Papierlieferant lässt sich von Hanser 6 Wochen vor Jahresbeginn die Hälfte seines Rohertrags für 2017 wegnehmen, kein Mitarbeiter akzeptiert in dieser Zeit eine 50%ige Gehaltskürzung und auch nicht die Werkstatt für Ihren Firmenwagen. Die werden am Verstand des Partners zweifeln!

Fazit:

Die vom Buchpreisbindungsgesetz angepeilten Ziele werden durch Ihr Verhalten bei Hanser diskreditiert. Sie tragen dazu bei, dass dem Handel die Basis seiner Existenz entzogen wird. Sie vermeiden Preiserhöhungen bei Abonnenten, die eine logische Folgerung jedes Kaufmanns wären und verhalten sich grob unpartnerschaftlich gegenüber dem Handel und den anständig rabattierenden und kollegialen Verlagen.

Ihre digitalen Hanser-Produkte (Rabatt 3%) sollen aber trotzdem und vor allem verstärkt bei den B2B-Kunden von vub | Wissen mit System einen Platz finden. Damit kommen Sie im Direktgeschäft nicht weiter, denn es gibt zu dieser anspruchsvollen Zielgruppe weder an unserem Katalog, noch an den Leistungen von vub einen Weg vorbei.

Warum aber sollten wir für 3 % Rabatt einen Finger für dieses Geschäft mit Hanser rühren? Haben Sie dem fleißigen Vertrieb von Hanser hier vielleicht ein Eigentor geschossen?“

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