100 übersetzte Seiten, die sich ausgezahlt haben

Nina George ist eine Ausnahme im Literaturbetrieb. Sie schreibt nicht nur Bestseller, sondern ist stark branchenpolitisch engagiert. Jetzt macht ihr Roman »Das Lavendelzimmer« in den USA Karriere.

Nina George

Über Nina George lassen sich viele Geschichten erzählen. Die 43-Jährige ist nicht nur als Autorin erfolgreich in verschiedenen belletristischen und Sachbuch-Genres zu Hause, sondern auch als branchen- und medienpolitisch engagierte „Literaturaktivistin“ (George über George) unterwegs, die bekannt für klare Ansagen ist.

Vorstandsmitglied im PEN-Zentrum Deutschland, gefragte Rednerin auf Branchentagungen und treibende Kraft hinter dem „Netzwerk Autorenrechte“, das kürzlich von neun Schriftstellerverbänden in Berlin gegründet wurde. So sieht das Engagement einer selbstbewussten Frau aus, die schon viele Bestseller geliefert hat – und gerade einen Erfolg feiert, der bislang nur wenigen deutschsprachigen Autoren vergönnt ist: der Durchbruch in den USA.

Deutsche Schriftsteller, die jenseits des Atlantiks Erfolge feiern, sind eine rare Spezies. Cornelia Funke, Kai Meyer, Bernhard Schlink und Jan-Philipp Sendker gehören zu denen, die es auf die Bestsellerlisten geschafft haben. Und jetzt Nina George, die mit ihrem Roman „The Little Paris Bookshop“ für viel Gesprächsstoff sorgt, der 2013 im Original als „Das Lavendelzimmer“ bei Droemer Knaur erschienen ist.

Möglich macht es der Großhandelskonzern Costco (Umsatz 2015: 116 Mrd Dollar), der in seinen 705 Filialen ein gut gepflegtes Buchsortiment vorhält und mit Pennie Clark Ianniciello eine Bucheinkäuferin hat, die in der Branche einen sehr guten Ruf genießt. Ihr Lieblingsbuch des Monats, das Costco als „Pennie’s Pick“ massiv bewirbt, ist ein Königsmacher. Keiner weiß das besser als Jan-Philipp Sendker, der im Dezember 2013 als erster deutscher Autor für „The of Hearing Heartbeats“ als „Pennie’s Pick“ gewürdigt wurde („Das Herzenhören“ bei Blessing).

Den ganzen Oktober über hat Costco „The Little Paris Bookshop“ stationär und online intensiv promotet. Neben Displays in den „Price Clubs“ genannten und nur den 71 Mio Mitgliedern zugänglichen Großhandelsflächen wurde das Taschenbuch auch im Kundenmagazin „Costco Connection“ groß beworben.

Gut im Rennen war Georges Roman auch schon vor Ianniciellos Schützenhilfe, aber jetzt ist das Buch über den Pariser Buchhändler Jean Perdue und sein Bücherschiff im Mainstream angekommen. Nachdem das beim Penguin Random House-Verlag Crown erschienene Hardcover 2015 mit Platzierungen auf der „New York Times“-Bestsellerliste schon positiv auf sich aufmerksam gemacht hatte, hat es auch das Taschenbuch unter die Top 15 geschafft. Auf der „Indie“-Bestsellerliste des US-Buchhändlerverbands ist der Roman sogar seit über 30 Wochen ununterbrochen dabei.

Kein Bestsellererfolg auf Ansage

„Pennie’s Pick“ ist für George das Sahnehäubchen auf der Karriere eines Buches, die so nicht absehbar war. Romane über Buchhandlungen und Buchhändler würden sich nicht verkaufen, hieß es zunächst in Deutschland, als sie die Arbeit an „Das Lavendelzimmer“ in Angriff nahm. Gleichwohl hat es der Roman im Hardcover bis auf Rang 4 in der SPIEGEL-Bestsellerliste sowie im Taschenbuch auf Rang 6 geschafft und wurde von der Hamburger Literaturagentur Keil & Keil in 35 Sprachen vermittelt, zuletzt nach Japan. Inzwischen steht „Das Lavendelzimmer“ mit weltweit über 1,2 Mio verkauften Exemplaren in den Büchern:

  • Droemer Knaur hat hierzulande mittlerweile über eine halbe Million Hardcover und Taschenbücher abgesetzt.
  • Knapp 200.000 sind es in Großbritannien und den Commonwealth-Ländern.
  • Auch in Griechenland, Italien und Israel war Buchhändler Jean Perdu ein Bestseller.
  • In den USA hat Crown bislang ca. 300.000 Bände in allen Formaten verkauft und die Nachfrage bleibt hoch.

Dass es Keil & Keil gelungen war, mit Janklow & Nesbit eine der New Yorker Topagenturen als Subpartner zu gewinnen, war sicherlich mitentscheidend für den Erfolg des Romans in der englischsprachigen Welt. Allerdings hatte Nina George vorab ihre Hausaufgaben gemacht: Wohl wissend, dass in US-Agenturen kaum jemand Deutsch spricht, hatte sie rund 100 Seiten von „Das Lavendelzimmer“ auf eigene Kosten ins Englische übersetzen lassen.

Und die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende, denn jetzt interessieren sich auch Filmemacher für Nina George. Gerade hat 20th Century Fox International „The Little Paris Bookshop“ optioniert. Der erste Schritt auf dem Weg zur Hollywood-Karriere? Im April erscheint bei Crown zudem die Übersetzung von Georges Bestseller „Die Mondspielerin“ (2011) mit dem Titel „The Little Breton Bistro“.

Bei Janklow &  Nesbit und Crown fühlt sich die Deutsche „bestens“ aufgehoben. „Verlag und Agentur haben mich geradezu beispielhaft in den gesamten Prozess eingebunden und mich ständig über alle Aktivitäten auf dem Laufenden gehalten.“ Auch die Reaktionen insbesondere aus dem Indie-Buchhandel haben sie überrascht. „Die Resonanz ist überwältigend und größer als in Deutschland. Ich bekomme ständig Mails, Briefe und Fotos.“

Text: Anja Sieg, Foto: Urban Zintel

aus: buchreport.magazin 11/2016

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