Warum KNK und Kumavision ihre ERP-Lösungen zusammenlegen

 

Konzentration bei den Verlagssoftware-Anbietern: „Unter dem Vorzeichen der fortschreitenden Digitalisierung der Verlags- und Medienbranche“ entwickeln, vertreiben und implementieren die Microsoft-Partner Kumavision und KNK ihre Buchverlags-Lösungen künftig gemeinsam, lautete die Mitteilung zur Frankfurter Buchmesse. Was dort nicht explizit stand: Absehbar dürfte diese Kooperation darauf hinauslaufen, dass KNK, der als Spezialist die stärkere Position im Verlagsmarkt hat, sein Feld arrondiert. Die Kumavision-Verlagsanwendung ist dagegen nur eine von vielen Branchenlösungen des Markdorfer Mittelständlers.

Hintergrund ist die Marktenge im ERP-Geschäft mit Verlagen:

  • Die größeren Häuser sind versorgt, hier gilt es für Softwareanbieter, den Wettbewerb mit neuartigen und wirtschaftlicheren Lösungen zu verdrängen.
  • Die kleineren Verlage haben nicht das notwendige Geld, Lösungen mit breitem Funktionsumfang zu lizenzieren und die teure Anpassung an ihre geliebten Individualprozesse zu finanzieren.
  • Internationale cloudbasierte Mietlösungen übernehmen wichtige Teilfunktionen wie die Unterstützung von Marketing oder Vertrieb ohne hohe Anfangsinvestitionen

Kleineren Lösungsanbietern bleibt da nur das Projektgeschäft mit ihren Stammkunden oder das Ausweichen auf andere Anwendungen neben dem ERP sowie auf andere Branchen. Der „Tech-Stack“, also der Bestand an Technologien, über den das Softwarehaus und seine Mitarbeiter verfügen, wird zum Differenzierungsmerkmal, das auch Verlagskunden im Blick behalten sollten.

In dem Moment aber, in dem Verlage entschlossen ihre „Sonderlocken“ abschneiden und stärker auf Standardprozesse setzen, wird es eng für all jene, die an der Anpassung statt an den Lizenzen verdienen, und besser für die, die machtvolle Standardlösungen zu bezahlbaren Preisen anbieten. KNK dürfte an diesem Punkt gut aufgestellt sein.

Zu den Unternehmen:

  • Kumavision beschäftigt über 350 Mitarbeiter an 15 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Umsatz der Gesellschaft im Jahr 2015 betrug 42,9 Mio Euro.
  • KNK entwickelt und vertreibt mit „knkVerlag“ die nach eigenen Angaben einzige von Microsoft zertifizierte Branchensoftware für das Verlagswesen weltweit und betreut über 150 Verlage in Deutschland, Europa, Nordamerika und Asien.

ERP Enterprise Resource Planning

Enterprise-Resource-Planning-Systeme übernehmen idealerweise den kompletten Prozess von Rechteeinkauf und Programmplanung über Kalkulation und Materialwirtschaft bis zur Abrechnung mit den Leistungspartnern und zum Controlling.

Viele große Verlage steuern den Zentralprozess mit branchenübergreifenden ERP-Systemen wie SAP. Den restlichen, nicht sehr nahrhaften Verlagskuchen teilen sich über 20 Lösungsanbieter.

Als Marktführer gilt Klopotek mit seiner Lösung PPM und ist der einzige Spezialanbieter mit langer internationaler Erfahrung. KNK und Kumavision verbauen Microsoft Dynamics NAV, das frühere Navision. Daneben spielen Open.junixx.FM auf Basis von Filemaker, Cover, Pondus, Eddy, der aus England kommende Newcomer Biblio3 und viele Lösungen mit kleinerer Kundenbasis oder erweitertem Branchenfokus.

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