„Ein Warnsignal für den stationären Handel“

Der Online- und Versandhandel wächst erneut schneller, als viele Experten prophezeit haben. Zu diesem Fazit kommt Handelsexperte Gerrit Heinemann mit Blick auf die aktuellen Zahlen des BEVH. Während immer mehr Kunden ihre Möbel online kaufen, ging die Online-Nachfrage nach Büchern leicht zurück.

Die für Juli bis September 2016 ermittelten Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH) im Detail:

  • Gesamtumsatz: Im dritten Quartal haben die Online- und Versandhändler insgesamt 13,7 Mrd Euro umgesetzt, das ist ein Plus von 10,7% gegenüber 2015 (12,3 Mrd Euro).
  • Bestellwege: Erstmalig haben die klassischen Bestellwege (Callcenter und Katalog) wieder an Bedeutung gewonnen, obgleich das Gros der Umsätze (91,4%) nach wie vor online umgesetzt wird.
  • Buch-Umsätze: Der Versandbuchhandel hat von Juli bis September 1,3 Mrd Euro umgesetzt, die Umsätze mit Büchern gingen dabei um 8,2% von 858 Mio Euro (2015) auf 797 Mio Euro zurück.
  • Abo-Modelle: Seit dem 2. Quartal ermittelt der Verband auch die Umsätze mit Streaming-Modellen. Die Ergebnisse für das 3. Quartal: Mit Hörbuch-Abonnements hat die Branche 19 Mio Euro umgesetzt (keine Vergleichszahlen für 2015), mit E-Book-Diensten 17 Mio Euro.

„Unsere aktuellen Zahlen zeigen im Vorjahresvergleich zwar nach einem Lese-Plus im Frühsommer einen leichten Umsatzrückgang. Doch es sieht aus, als stabilisierten sich die Umsätze und damit das Buch als Kultur- und Wirtschaftsgut“, bewertet BEVH-Geschäftsführer Christoph Wenk-Fischer die Entwicklung.

Der Blick auf die einzelnen Warengruppen zeigt besonders in der Möbelbranche starke Bewegungen: Der Umsatz mit Möbeln, Lampen und Dekorationen ist um 33,1% gewachsen. Der Möbelverkauf werde aber überwiegend über die klassischen Bestellwege abgewickelt, so der BEVH.

„Auch das dritte Quartal in 2016 zeigt, dass die Entwicklung im E-Commerce wieder rasanter verläuft, als viele Experten vorausgesagt haben. Vor allem die großvolumigen Warengruppen gehen jetzt in beschleunigtes Wachstum über und beflügeln dabei erneut die Online-Pure Plays. Der stationäre Handel sollte dieses als Warnsignal sehen, um sich nicht erneut die Butter vom Brot nehmen zu lassen.“, warnt Gerrit Heinemann, Professor für BWL und Handel und Leiter des eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein, mit Blick auf die Zahlen. Er begleitet als Handelsexperte die Studienarbeit des BEVH.

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