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Vorlesestudie 2016: Kinder wünschen sich häufigeres Vorlesen

Das Ergebnis ist eindeutig: 91 Prozent der Kinder in Deutschland gefällt es gut, wenn ihnen vorgelesen wird. Auch bei Kindern aus Haushalten mit mittlerer und niedriger Bildung liegt dieser Wert bei 90 bzw. 86 Prozent (hohe Bildung: 94 Prozent). Kaum eine Abweichung gibt es bei Kindern, in deren Haushalt eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird (92 Prozent). Fast jedes dritte Kind, dem vorgelesen wird, wünscht sich, dass dies öfter geschieht (30 Prozent). Bei Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wird, ist es jedes zweite (49 Prozent). Nach wie vor liest knapp ein Drittel der Eltern ihren Kindern zu selten vor. Ideal ist es, wenn sie sich mehrmals in der Woche Zeit nehmen, zum Beispiel 15 Minuten jeden Tag. Dann entfaltet das Vorlesen seine volle Wirkung für die intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern.

Für die mittlerweile 10. Vorlesestudie wurden die Kinder selbst befragt. Die Ergebnisse präsentierten die Initiatoren heute in Berlin: Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen, Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin Institut für Lese- und Medienforschung, Manuel Hartung, Ressortleiter Chancen DIE ZEIT, sowie Antje Neubauer, Vorsitzende Fachkuratorium Bildung Deutsche Bahn Stiftung. Die Initiatoren riefen auch zur Teilnahme am 13. Bundesweiten Vorlesetag auf, der in diesem Jahr am 18. November stattfindet.

Die Studienleiterin Dr. Ehmig wies darauf hin, dass jeder Kindern vorlesen kann. Tatsächlich seien es zwar meistens die Eltern und vor allem die Mütter, die diese Aufgabe übernehmen. Kinder schätzten die gemeinsame Zeit und vertraute Atmosphäre mit ihren Eltern. „Aber auch das Vorlesen außerhalb der Familie, zum Beispiel durch Ehrenamtliche, ist wertvoll. Denn gute Geschichten spielen ebenfalls eine große Rolle für die Kinder.“ 55 Prozent der Kinder gefällt die Gemütlichkeit beim Vorlesen, 46 Prozent schätzen tolle Geschichten. Für jüngere Kinder steht dabei der Humor im Mittelpunkt. Bei älteren rücken Spannung und die Identifikation mit den Hauptfiguren in den Vordergrund.

„In Deutschland müssten Kinder geradezu ein ‚Grundrecht‘ auf Vorlesen haben. Denn hier liegt der Schlüssel zu Bildung. Wer nicht lesen und schreiben kann, wird in unserer Gesellschaft durch das Raster fallen. Denn wie sollen sich Kinder oder Jugendliche sonst im Alltag, im Supermarkt, bei Behördengängen oder in den sozialen Netzwerken sicher bewegen? Deshalb muss das Vorlesen in Deutschland, wo die Bildung einen so hohen Stellenwert hat, selbstverständlich sein. Es gibt keinen Grund, den Kindern den Wunsch nach einer guten Vorlesegeschichte nicht jeden Tag neu zu erfüllen“, so Antje Neubauer in ihrer Bewertung der Ergebnisse.

„Die Studie zeigt, dass fast alle Kinder das Bedürfnis haben, vorgelesen zu bekommen – und alle Eltern können es erfüllen, unabhängig von Bildung und Herkunft“, ergänzte Manuel Hartung. „Das bedeutet: Vorlesen ist für alle da. Es erfordert in erster Linie ein wenig Zeit.“

Dr. Maas formulierte abschließend das Ziel: „Wenn Leseförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen wird, können wir bis 2020 den Anteil der Eltern, die zu selten vorlesen, auf 20 Prozent senken, bis 2030 auf 10 Prozent. Dann verfügen neun von zehn Kindern über die Bildungs- und Entwicklungschancen, die ihnen gerechterweise zustehen.“

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