Marktpotenzial auf den Philippinen

Ani Rosa Almario

Bei der Auftaktkonferenz The Markets richtet die Frankfurter Buchmesse den Fokus wie im vergangenen Jahr auf sieben internationale Märkte. Im Vorfeld präsentiert die Messe in Kooperation mit buchreport eine Serie, in der Experten aus den Ländern ihre Märkte vorstellen. Diesmal: Ani Rosa Almairo, Vizepräsidentin von Adarna House, Inc. dem ersten und größten philippinischen Verlagshaus für Kinderbücher.

Was sind die drei erstaunlichsten Fakten zu Ihrem nationalen Buchmarkt?

Erstaunlich an unserem Buchmarkt ist die große Anzahl junger Leser: 30% unserer Bevölkerung sind jünger als 14 Jahre. Das bedeutet große Wachstumsmöglichkeiten für Kinder- und Jugendbuchverlage. Eine zweite Besonderheit hat mit unserer aufstrebenden Wirtschaft zu tun. Unsere Wirtschaft ist letztes Jahr um 6% gewachsen und ebenso angestiegen ist die durchschnittliche Kaufkraft der Filipinos. Das könnte durchaus zu steigenden Buchverkaufszahlen führen. Außerdem lebt unser Buchmarkt nicht zuletzt von den großartigen Talenten, die wir vor Ort haben, ob im Bereich des Schreibens, der Gestaltung oder Illustration.

Was können andere Märkte von Ihrem Markt lernen?

Ich denke, dass für andere Märkte sicher lehrreich ist, wie unser Privatsektor – vor allem Unternehmensstiftungen – mit Verlegern vor Ort zusammengearbeitet haben, um die Lese- und Schreibfähigkeit in Schulen und weit entlegenen Provinzen zu verbessern. Unternehmensstiftungen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) waren ebenfalls förderlich für die Literaturproduktion in den verschiedenen Muttersprachen. Das ist nennenswert in einem Land wie den Philippinen, in dem über 170 Sprachen gesprochen werden.

Wo liegen nach Ihrer Einschätzung die Schwachpunkte Ihres Marktes?

Eine Schwachstelle sind die Vertriebsstrukturen. Es gibt immer noch Regionen des Landes, die keinen Zugang zu gut sortierten Buchläden haben und von alternativen Vertriebskanälen profitieren werden. Die zweite große Herausforderung besteht darin, dass es nicht genug Initiativen der öffentlichen Hand gibt, sich in dieser Industrie zu engagieren, Bücher in vielen verschiedenen Sprachen zu verlegen oder Titel zu ermöglichen, die aufgrund ihrer Thematik notwendig, aber nicht lukrativ sind. Leider sind die größten Verlagshäuser und die Autoren immer noch im Großstadtraum Manila konzentriert. Regional passiert im Verlagsgeschäft nicht viel.

Wie wäre es möglich, die Beziehungen zwischen Verlagshäusern zu verbessern? Was für Veränderungen sind dafür nötig?

Alle Verlagshäuser sind heutzutage, in Abhängigkeit von der Art ihrer verlegerischen Tätigkeiten, Mitglieder unterschiedlicher Organisationen. Ich kann aber nicht wirklich behaupten, dass die Beziehungen zwischen den Häusern angespannt wären, denn die Verbände bemühen sich eigentlich um harmonische Beziehungen. Trotzdem gibt es sicher noch Bedarf an Initiativen, die Verlagshäuser oder sogar die Verbände zusammenbringen, um an Verbesserungen für die gesamte Branche zu arbeiten. In unserer kürzlich veröffentlichten Roadmap für die Industrie haben wir Ziele skizziert, zu deren Umsetzung die Verbände z.B. zusammenarbeiten sollten.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der digitale Markt in Ihrem Land entwickeln?

Der Gebrauch von Digitalgeräten und der Konsum vor allem kostenloser digitaler Produkte ist bereits weit verbreitet. Was junge digitale Verleger erarbeiten müssen, ist ein Leistungsangebot, das die Filipinos dazu bringt, für digitale Bücher tatsächlich auch zu bezahlen. Das Angebot muss sowohl einen (für digitale Produkte) angemessenen Preis als auch eine solide Plattform für Vertrieb und Konsum der Inhalte umfassen. Bisher hat das noch niemand geschafft. Welches lokale Unternehmen auch immer das bewerkstelligen wird, es wird sich damit den Zugang zu einem der dynamischsten digitalen Märkte der ganzen Welt erschließen und die damit verbundenen Umsätze. Bei Adarna House bemühen wir uns, eine kostenpflichtige E-Book-Plattform (vergleichbar Oyster, Kindle Unlimited, Scribd) zu entwickeln, die spezifisch auf den philippinischen Kinderbuchmarkt zugeschnitten ist.

Welcher ausländische Buchmarkt interessiert Sie persönlich?

Der Markt der ASEAN-Staaten – zusammen wären wir die siebtgrößte Wirtschaft der Welt.

Ani Rosa Almario ist Vizepräsidentin von Adarna House, Inc., das erste und größte philippinische Verlagshaus für Kinderbücher. Zudem ist sie Vorstandsmitglied des National Book Development Board, Präsidentin der Book Development Association of the Philippines und Generalsekretärin des Philippine Board on Books for Young People.

Die Konferenz „The Markets“ stellt am 18. Oktober sieben internationale Buchmärkte auf der Frankfurter Buchmesse vor, die von Branchenexperten aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert werden. Ziel ist es, Geschäfte vor Ort anzubahnen sowie potenzielle Geschäftsfelder sichtbar zu machen. In diesem Jahr beleuchtet die Buchmesse die Märkte Polen, Spanien, Philippinen, Vereinigte Arabische Emirate, Brasilien, Großbritannien und Flandern & Niederlande.

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