Eine schlimme Entwicklung

Die Westermann-Gruppe hat das verlagsübergreifende Bildungsmedien-Portal Lernando gestartet. An Sortimentern geht damit das Schulbuchgeschäft vorbei. Buchhändler Klaus Kowalke (Foto: privat) im Interview.

Westermann wirbt damit, dass Kunden nicht mehr in die Buchhandlung gehen müssen. Haben Sie sich vom Schock schon erholt?

Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht der Sortimenter, weil es den Direktverkauf der Verlage massiv befeuert und der Buchhandel umschifft wird. Der Direktverkauf der Verlage an den Endkunden ist jetzt schon größer als der Umsatz, den Amazon mit Endkunden im Buchhandel macht. Lernando ist ja nicht nur für Schulen attraktiv, sondern auch für Endkunden. Allein die Namensgebung erinnert eindeutig an Zalando und soll das „Schrei vor Glück“-Image transportieren. Das ist eine schlimme Entwicklung. Natürlich ist es aus Sicht der Verlage verständlich, gegen Amazon anzukämpfen und vielleicht sogar Marktanteile zurückzugewinnen. Nur ist die Frage, ob man das mit dem Partner Buchhandel nicht besser hätte machen können.

Werden die Buchhändler den Start des Portals am Umsatz spüren?

Wenn es sich durchsetzt, auf jeden Fall. Vielleicht sollten sich die Buchhändler überlegen, ob das Schulbuchgeschäft überhaupt noch sinnvoll ist. Die geringen Rabatte lassen den Aufwand ohnehin unwirtschaftlich werden, wenn wir noch die Transportkosten tragen müssen. Dann haben wir eine Marge von noch nicht einmal 3%. Hinzu kommt: Lernando suggeriert, dass eine Bestellung im Buchhandel umständlicher ist. Die Gefahr ist, dass der Endkunde, der vielleicht nur ein Arbeitsheft kauft oder ein Schulbuch nachbestellt, dort hängenbleibt. Dann sind Folgegeschäfte in Gefahr. Weniger Besucher in den Buchhandlungen bedeuten auch weniger Mitnahmegeschäft.

Wie können Buchhändler jetzt punkten?

Aufgrund der Preisbindung gibt es keinen Preiswettbewerb, Sortimente müssen also den bestmöglichen Service anbieten. In dem Bereich sind wir aber schon am Maximum und liefern etwa auf Wunschtermin oder sortieren die Klassensätze vor.

Klaus Kowalke betreibt in Chemnitz die Buchhandlung Lessing und Kompanie und ist im Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv, wo er das Thema Lernando auch auf den Tisch bringen möchte.

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