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»Eine schlimme Entwicklung«

Die Westermann-Gruppe hat das verlagsübergreifende Bildungsmedien-Portal Lernando gestartet. An Sortimentern geht damit das Schulbuchgeschäft vorbei. Buchhändler Klaus Kowalke im Interview.

 Westermann wirbt damit, dass Kunden nicht mehr in die Buchhandlung gehen müssen. Haben Sie sich vom Schock schon erholt?

Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht der Sortimenter, weil es den Direktverkauf der Verlage massiv befeuert und der Buchhandel umschifft wird. Der Direktverkauf der Verlage an den Endkunden ist jetzt schon größer als der Umsatz, den Amazon mit Endkunden im Buchhandel macht. Lernando ist ja nicht nur für Schulen attraktiv, sondern auch für Endkunden. Allein die Namensgebung erinnert eindeutig an ...

Kommentare

9 Kommentare zu "»Eine schlimme Entwicklung«"

  1. Sara Willwerth | 24. August 2016 um 20:39 | Antworten

    Es geht doch nicht wirklich darum, ob es gute oder/und schlechte Buchhandlungen gibt. Natürlich gibt es sowohl als auch.und ganz viel dazwischen. Und eben auch Menschen mit menschlicher „Mängeln“. Es geht doch vor allem darum; Wollemn Verlage AUF DAUER den Sortimentsbuchhandel als Vertriebsweg? Das fängt doch bei den Buchpreisen an und hört beim Schulbuch noch lange nicht auf.

    Ach, man könnte soviel dazu sagen. ..was mich aber sehr erstaunt, ist die grosse Aktionskampagne von Westermann für drn LÜk Verkauf im Buchhandel. Naja, LÜK läuft ja auch dann erst wirklich gut, wenn man (Buchhändlerin? ) es den Kunden gezeigt und erklärt hat. Ein Schelm….

  2. Wilfried Albrecht | 23. August 2016 um 13:30 | Antworten

    Liebe Frau Carola Ottenburg,

    ich fühle mich nicht behäbig oder stur oder langsam oder einfallslos oder gleichgültig oder unbeweglich.
    Wenn ich meine Kunden behalten will und neue dazu gewinnen möchte, muss ich ganz schön auf Zack sein. Beweglich im Kopf und immer neue Ideen haben.

    Fragen Sie mal in der Schule, wer die Leseförderung unterstützt, wer bei Nachlieferungen auf der Matte steht, wer tolle Lesungen in der Schule veranstaltet – es ist der Buchhändler vor Ort, der sich krummlegt.

    Für mich klingt das so, wie ein Schüler neulich in der Buchhandlung sagte:

    Ich kann kein Spanisch. Ich möchte die Sprache gerne sprechen aber ich möchte sie nicht lernen.

    Verlage und Buchhandlungen sprechen zunehment eine andere Sprache

    • Carola Ottenburg | 24. August 2016 um 14:51 | Antworten

      Lieber Herr Wilfried Albrecht,
      ich kann mich nicht erinnern, Sie persönlich angesprochen oder gar angegriffen zu haben. Ich habe lediglich meine Erfahrungen mit Ihren Kollegen wiedergegeben und die sind nicht dadurch geprägt, dass ein Buchhändler sich für irgendetwas krummgelegt oder gar engagiert hätte, ganz gleich, ob das nun Leseförderung, Nachlieferungen oder tolle Leseevents in Kindergarten, Grundschule oder Gymnasium sind.

      Meine Erfahrung sind (ohne damit etwas über die hier Anwesenden aussagen zu wollen) bräsige Verkäuferinnen, die höchst lustlos Anfragen durchführen, dabei über den Mehraufwand maulen, um einem am Ende zu raten, sowas beim nächsten Mal lieber gleich beim Verlag bestellen.
      Auf mich wirkt das, wie: „Wir wollen zwar Kunden, aber die sollen sich bitte mit dem begnügen, was da ist.“

      Das sind – wie gesagt – meine Erfahrungen als Kundin. Natürlich können Sie das als Einzelfall abtun. Aber ich behaupte einfach mal, dass ich nicht die Einzige bin und dass der Großteil des stationären Buchhandels eben nicht das Engagement zeigt, das Sie (und vermutlich auch die wenigen, die hier kommentiert haben), an den Tag legen.

      Und wenn Buchhandlungen und Verlage zunehmend eine andere Sprache sprechen, liegt das vielleicht auch daran, dass beide Seiten zu wenig kommunizieren? Ich bezweifle nämlich stark, dass sich die Verlage aus reiner Boshaftigkeit dem Buchhandel gegenüber aus einem gut laufenden Geschäftsmodell lösen und neue Vertriebswege suchen, die zunächst einmal nichts als Kosten, Aufwand und Ärger bedeuten.

      • „Aber ich behaupte einfach mal, dass ich nicht die Einzige bin und dass
        der Großteil des stationären Buchhandels eben nicht das Engagement
        zeigt, das Sie […] an den Tag legen.“
        Wie kann man das bei 5-6000 Buchhandlungen in Deutschland „einfach mal“ behaupten. – Das ist nicht das, was ich einer Branchenpublikation lesen möchte, liebe Redaktion.

  3. Die Westermann Gruppe hat hier mit Lernando etwas auf den Weg gebracht, was sich in dieser Form gegen den Sortimentsbuchhandel richtet.
    Punkten kann der Buchhandel nur durch einen guten Service gegenüber den Schulen und den Eltern, die ja doch die Schulbücher beim Buchhändler am Ort bestellen.
    Es blebt sicher allgemein auch für die Sortimenter die Frage bestehen, ob sich das Schulbuchgeschäft noch lohnt.
    Herr Buchhändler Kowalke spricht dazu schon deutliche Worte.
    Ein Kauf von Schulbüchern bedeutete bisher für die Buchhandlung ja auch ein ,Mitnahmegeschäft` oder ein Zusatzverkauf.
    Auf diese Herausforderung von Lernando muss sich die Buchbranche insgesamt gesehen also einstellen.
    Im Gegenzug müssten dann mit anderen Büchern oder einer Spezialisierung weitere effiziente Nischen für das Buchgeschäft im Laden gefunden werden.

    Es ist außerdem eine gute Sache, dass Herr Kowalke, der in Chemnitz eine Buchhandlung leitet und auch im Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dabei ist, dieses Problem dort im Landesverband vom Börsenverein ansprechen will. Dies ist ein guter Ansatz, denn damit wird Lernando auch eine Gesprächs- und Ausspracheplattform auf einer Ebene von einem Landesverband gegeben, die schon auch eine Signalwirkung auf andere Bundesländer mit ihren Landesverbänden des Börsenvereins haben könnte.
    Es ist jetzt wichtig, dass man an Lernando dran bleibt und eben auch nach Lösungen sucht, die machbar sind.

  4. Buchbetreuerin | 22. August 2016 um 15:59 | Antworten

    Es ist die Realität, dass etliche Verlage mehr und mehr versuchen, ihre Käufer im „Direktverkauf“ unter Umgehung des Buchhandels zu erreichen. Und mein Eindruck ist: Viele Buchhandlungen sind einfach „verzettelt“ – sie bieten „vieles“ für „alle“; sie sind austauschbar und nur im Verdrängungswettbewerb gegen Konkurrenten unterwegs. Damit ist keine Positionierung zu erkennen, mit der sie sich einen klar erkennbaren und von Verlagen wie auch Kunden wahrnehmbaren Vorsprung mit entsprechendem Service aufbauen könnten. Wer neben der Spiegel-Bestsellerliste auch die üblichen neuen Sachbücher, Paperblanks, Fachbücher, Romane, Kinderbücher (das ganze Sortiment) und dann eben bei Schuljahresbeginn auch noch Schulbücher anbietet, der hat kein klar wahrnehmbares Profil – für Kunden nicht und für Verlage nicht, die dann eben das Direktgeschäft suchen. Kunden empfinden in den meisten Buchhandlungen den Service nur als „mäßig“, die Kompetenz der Mitarbeiter ebenso. Dabei könnte es auch anders gehen. Es gibt einige wenige erfolgreiche Buchhandlungen, die es anders machen, z.B. eine Buchhandlung, die nur Kochbücher verkauft, eine Buchhandlung, die nur E-Books verkauft usw.
    Es wäre auch eine klare Aussagen von Buchhandlungen zu sagen „Wir machen nicht mit beim Schulbuchgeschäft“, weil wir uns damit verzetteln und am Ende unter schlechten Konditionen und die Kunden unter mäßigem Service leiden. Doch dazu fehlt dann wieder der Mut, weil man ja glaubt, überall mitmischen und in allen Marktsegmenten ein Geschäft machen zu müssen. Das ist das traurige Elend des stationären Buchhandels, der von „strategischer Marktpositionierung“ anscheinend noch nie gehört hat und immer mehr Kunden Richtung online treibt. Viele Buchhändler bräuchten vor allem mal eine gute Unternehmensberatung, mit deren Hilfe sie eine klare Marktpositionierung erarbeiten müssten, anstatt bloß das Sortiment der Konkurrenz nachzuahmen.

  5. Carola Ottenburg | 22. August 2016 um 11:17 | Antworten

    Ich kann den Ärger nachvollziehen.
    Allerdings sieht die Sache aus Elternsicht ein bisschen anders aus: Die meisten Buchhandlungen bieten diesen Service nämlich nicht. Meine Erfahrung ist, dass viele Lehrmittel generell nur über den Verlag bestellbar sind, was für mich bedeutet, jedes Halbjahr mehrere Verlage nach den zusätzlich erforderlichen Büchern und Arbeitsheften abklappern zu müssen. Ein Portal, über das ich diese Bestellungen auf einmal abwickeln kann, ist für mich daher eine große Erleichterung.
    So sehr ich die Verärgerung von Herrn Kowalke nachvollziehen kann, ist das Problem aus meiner Sicht eher die generelle Behäbigkeit des stationären Buchhandels.

    • Was sollen das für Lehrmittel sein, die Eltern direkt vom Verlag bestellen müssen? Diese Aussage ist m.E. falsch. Der Buchhandel kann für die Eltern alles besorgen. Punkt.

    • Es gibt keine Lernmittel, die der Buchhändler nicht, die Eltern aber schon bestellen können.Bestenfalls gibt es Lehrmittel, die Buchhändler nicht bestellen können (Lehrermaterial, das zr Unterrichtsvorbereitung nur von Lehrern mit Schulstempel bezogen werden kann), das aber manche Eltern aus nachvollziehbaren Gründen sehr gerne hätten. Es gibt seltene Ausnahmen, zB gab es bei uns eine Schule, die mit einer Formelsammlung arbeitete, welche ein Lehrer im Selbstverlag herausgegeben hat. Der Herausgeber dieser Formelsammlung gewährte dem Buchhandel keinen Händlerrabatt, weshalb es nachvollziehbar sein sollte, dass man als Buchhändler solche Artikel nicht bestellt ( am Ende bleibt man als Händler, wenn man dem Kunden ggü kulant sein möchte, oft sogar auf den Liefer- und Portokosten sitzen, die die besagten Kunden dann nämlich nicht bezahlen).

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