Heute wird es wieder später – Work-Life-Balance in Verlagen

Umfrage zur Work-Life-Balance verdeutlicht die Überstundenkultur in Buchverlagen

Überstundenrepublik Deutschland: Im vergangenen Jahr haben Arbeitnehmer im Zuge guter Konjunktur mehr als 1,8 Mrd Überstunden geleistet, addieren die Arbeitsmarktforscher der Bundesagentur für Arbeit. Mehr als die Hälfte der Überstunden waren unbezahlt.

In der Verlagsbranche ist die Konjunktur zwar kühler, aber auch hier wird fleißig mehr gearbeitet. Das ist aus einer aktuellen Umfrage des buchreport-Fachinformationsportals Pubiz.de zu lesen, an der sich 249 Medienschaffende beteiligt haben (s. buchreport.datei). Sie geben zu 97% an, die vereinbarte Arbeitszeit mehr oder weniger stark zu überschreiten.

 

Chefs verbringen besonders viel Zeit im Büro

Für die Gruppe der Buchverlagsmitarbeiter aus Publikums-, Fachinformations- und Bildungsverlagen ergeben sich aus der (nicht repräsentativen) Umfrage folgende Trendaussagen:

  • 23% leisten bis ca. 2 Stunden pro Woche Mehrarbeit.
  • 32% kommen auf 2 bis 5 Überstunden.
  • 25% arbeiten 5 bis 10 Stunden mehr.
  • 17% legen mehr als 10 Stunden obendrauf, 6% sogar mehr als 20 Stunden.

Das Ausmaß der Mehrarbeit korreliert mit der Hierarchieebene: Mehr als 5 Stunden pro Woche zusätzlich sind in der Geschäftsführung die Regel und werden auch von 60% der Bereichs- und Abteilungsleiter gemeldet. Aber auch die Hälfte der Teamleiter und fast 30% der Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung legen in der Woche 5 und mehr Stunden drauf.

Bei der Mehrarbeit handelt es sich in aller Regel nicht um „angeordnete Überstunden“: 85% geben vielmehr an, dass ihre Mehrarbeit aus eigener Initiative erfolgte, „weil es erforderlich“ war, s. Grafik  1  . Hinsichtlich der Erfordernisse gibt es folgende Rangfolge:

  • Ein Projekt muss fertiggestellt werden.
  • Eine Routinearbeit muss erledigt werden.
  • Es gibt ungeplante Abwesenheiten von Kollegen (Krankheit, Fluktuation).

Weiterhin werden genannt die Nachbesserung von Arbeiten unqualifizierter Kräfte und Mehraufwand durch Arbeiten, die zuvor von Dienstleistern erledigt worden waren.

Ein Fünftel der Befragten gibt aber auch strukturelle Engpässe an, und zwar dergestalt, dass die persönlichen Kapazitäten regelmäßig nicht reichen, um die Arbeit zu erledigen. Dazu passt auch der Eindruck, dass die Mehrarbeit übers Jahr gesehen weitgehend kontinuierlich (43%) oder regelmäßig wiederkehrend (30%) anfällt.

 

Überstunden werden als selbstverständlich wahrgenommen

Auch wenn die Mehrarbeit meist aus eigenem Antrieb erfolgt, wird sie von drei Vierteln überwiegend (12%) oder öfter (61%) als Belastung empfunden. Sie beeinträchtigt vor allem persönliche Interessen, Erholung/Gesundheit und sogar den Nachtschlaf sowie Familienleben und Partnerschaft. Nur 8% geben an, die Mehrarbeit in keiner Hinsicht als belastend zu empfinden.

Zur gewachsenen Überstundenkultur in vielen Buchverlagen gehört, dass die Mehrarbeit nicht nur nicht erfasst, sondern auch nicht gewürdigt wird. Vorgesetzte bedankten sich nie oder nur selten, lautet die Erfahrung s. Grafik  2  .

„Diese schnöde Missachtung der hohen Einsatzbereitschaft der Belegschaft wirft kein gutes Licht auf die vorherrschende Führungskultur. Selber stark belastete Vorgesetzte scheinen die (teils erheblichen) Überstunden ihrer Mitarbeiter für so selbstverständlich zu halten, dass sie keiner Erwähnung wert sind“, schreibt die Personalberaterin Sabine Dörrich in ihrer ausführlichen Umfrage-Analyse auf Pubiz.de und mahnt eine bewusste Wertschätzung an. Dazu gehöre auch mit Blick auf die Mitarbeitersuche in der nachwachsenden Generation eine offensivere Ausgleichsregelung.

Zum Thema geben 39% an: Kein Ausgleich. 37% können zeitnah einen Freizeitausgleich in Anspruch nehmen, 18% können Überstunden länger ansammeln. Für 6% gibt es die Option eines finanziellen Ausgleichs.


Pubiz-Umfrage zu Überstunden

Zum ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Privatleben (Work-Life-Balance) hat das Fachinformationsportal Pubiz.de 15 Fragen entwickelt und lanciert. Geantwortet haben 249 Medienschaffende, davon 47% aus Publikumsbuchverlagen, 22% aus Fachinformations- und Bildungsverlagen, die in nebenstehendem Artikel berücksichtigt wurden. Deren Zusammensetzung:

  • 28%: 1. und 2. Führungsebene (Geschäftsführung, Bereichs-, Abteilungsleiter)
  • 12%: 3. Ebene (Teamleitung)
  • 52%: 4. Ebene (o. Führungsverantwortung)
  • 8%: Volontariat/Praktikum

 

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