Mehr Geld für die Entwicklung

Die Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB erhöht die Meldegebühren für das von ihr betriebene Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB). Außerdem werden die Einstellbedingungen für Titelmeldungen an das VLB erweitert.

Die Meldegebühren für Titel im Goldstatus erhöhen sich um 0,10 Euro, im Silberstatus um 0,25 Euro und im Bronzestatus um 0,50 Euro. Die jährliche Mindestgebühr steigt um 20 Euro. Die für die Verlage geltenden Titel-Meldegebühren werden rückwirkend für das laufende Jahr 2016 angepasst, die Preise für Buchhändler-Abonnements bleiben unverändert. Verlage können allerdings von einer reduzierten Meldegebühr profitieren, wenn sie ihre Titel besonders gut pflegen. Die MVB hatte das Anreizsystem im vergangenen Jahr eingeführt, um die Datenqualität des VLB zu verbessern.

Die Preiserhöhung (die aktuelle Liste hier) begründet die MVB mit Investitionen in die Weiterentwicklung und damit einer Verbesserungen des Systems. Im Moment etwa wird die Anhebung auf den Standard ONIX 3.0 vorbereitet, der neue Möglichkeiten bei der Titelmeldung bieten soll.

Außerdem wurden die Einstellbedingungen für Titelmeldungen an das VLB erweitert. Nach Mitteilung der MVB gelten besondere Konditionen bei der Übertragung von Titelbeständen oder Teilbeständen eines Verlags auf einen anderen. Darüber hinaus wird jede Bestellung, die Verlage über das im VLB enthaltene Bestellbuch oder auf anderem Weg von der Clearingstelle IBU erhalten, nach den für die IBU fälligen Beträgen pro Bestellzeile abgerechnet.

Angesichts der geänderten Konditionen wird den Verlagen ein Sonderkündigungsrecht bis zum 31. Juli 2016 gewährt. In diesem Fall wird der gesamte Titelbestand des jeweiligen Verlags sofort archiviert und für das Jahr 2016 auf Basis der bisher gültigen Preisliste (Stand 2015) halbjährig abgerechnet.

In einer gemeinsamen Stellungnahme lehnen die IG unabhängige Verlage und die Kurt Wolff Stiftung die VLB-Gebührenerhöhung ab:

Erstaunt sind die IG unabhängige Verlage (ehemals Arbeitskreis kleinere und unabhängige Verlage – AkV) und die Kurt Wolff Stiftung über die von der MVB per Post angekündigte rückwirkende Gebührenerhöhung für VlB-Titelmeldungen. In der April-Sitzung des Verleger-Ausschuss hatte MVB-Geschäftsführer Ronald Schild eine Gebührenerhöhung angedeutet, diese wurde aber von der Mehrheit der Verleger abgelehnt. „Die Belastungsgrenze der Verlage, insbesondere der kleineren, ist erreicht. Neben den bevorstehenden Rückzahlungen an die Verwertungsgesellschaften, eine stillschweigend erfolgte Erhöhung der Standgebühren für die Frankfurter Buchmesse, jetzt auch noch rückwirkend eine Erhöhung der VlB-Gebühren, das lässt das Fass überlaufen!“, so die Sprecherin der IGuV Britta Blottner. Britta Jürgs, Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung ergänzt dazu: „Eine derartige Gebührenerhöhung gerade in dem Jahr, in dem das VG Wort-Urteil die Verlage zusätzlich belastet, ist ein Signal in die falsche Richtung.“

Das neue Gebührenmodell sieht für Printtitel Preissteigerungen von ca. 4 % bis 12,8% vor. Eine noch viel deutlichere Erhöhung schlägt sich bei den E-Books nieder, dort liegen die Preiserhöhungen zwischen 13 % und 50 %. Ebenfalls drastisch sind die Auswirkungen für Kleinstverlage, da werden die Mindestgebühren deutlich erhöht – im Goldstatus um über 40 %.

„Das angebotene Sonderkündigungsrecht und damit ein Ausstieg aus dem VlB darf keine Alternative sein. Die Folge wäre ein unattraktives und schwaches VlB. Allerdings hätte ich dafür Verständnis, wenn Verlage darüber nachdenken. Das passt doch gerade alles nicht zusammen“ bedauert Britta Blottner. Die IguV und die Kurt Wolff Stiftung fordern die MVB auf, das angekündigte Preismodell zu überdenken.

Kommentare

7 Kommentare zu "Mehr Geld für die Entwicklung"

  1. Zitat: „Anhebung des VLB auf den neuen ONIX-Standard“
    Das sind Änderungen, die nur den großen bis ganz großen Unternehmen Vorteile bringen dürften.
    Ich fände es wesentlich wichtiger, die Website von buchhandel.de endlich so zu programmieren, dass man sie auch nutzen kann.
    Ein kleinster Tippfehler bringt kein Ergebnis, bei anderen Anfragen kommen hunderte unrelevante Ergebnisse. Alte ISB-Nummern werden nicht verarbeitet und vieles mehr.
    Ich biete zur Verbesserung gerne meine Fähigkeiten als Programmierer und meine Erfahrung als Verleger an.

    • Na na na! Sie glauben doch nicht im Ernst, dass der deutsche Buchhandel noch in diesem Jahrzehnt Suchmaschinen benutzen wird, die State of the Art sind. Ein gewisser Grad an Undiscoverability muss schon sein, sonst kaufen einem die Leute am Ende noch die ganzen Bücher weg.

  2. Ronald Schild | 9. Juni 2016 um 16:38 | Antworten

    Das VLB trägt mit seinen standardisierten Datenprozessen einen wesentlichen Anteil zur effizienten und damit kostensparenden und ressourcenschonenden Organisation der Arbeitsabläufe in der Buchbranche bei. Deshalb sind wir mit der IG unabhängige Verlage und der Kurt Wolff Stiftung einer Meinung, dass wir alles tun müssen, damit das VLB, wie gefordert, auch weiterhin ein attraktives und leistungsfähiges Arbeitsmittel für alle Branchenteilnehmer bleibt. Voraussetzung dafür ist, dass wir fortlaufend in die Weiterentwicklung der Systeme investieren können, um unseren Kunden das bestmögliche Rüstzeug für die berufliche Zukunft an die Hand zu geben. Derzeit bereiten wir unter anderem die Anhebung des VLB auf den neuen ONIX-Standard in der Version 3.0 vor, der neue Möglichkeiten bei der Titelmeldung und damit auch bei der Recherche bieten wird. Das Leistungsspektrum erhöht sich also.

    Solche Innovationen sind allerdings mit erheblichen Investitionen bei gleichzeitig steigenden Allgemeinkosten verbunden.

    Um die positiven Effekte des neuen Preismodells weiter zu stärken, geben wir die entstandenen und entstehenden Kosten so an unsere Verlagskunden weiter, dass die Melder mit der höchsten Datenqualität nur unwesentlich belastet werden, während der Anreiz für die Meldung besserer Daten bei den Meldern mit Silber- und Bronzestatus bewusst erhöht wird. Im Ergebnis ist gegenüber dem vor 2015 geltenden Gebührenmodell nach wie vor eine signifikante Entlastung bei denjenigen Meldern (Gold-Status) zu verzeichnen, die mit der Qualität ihrer Daten dazu beitragen, dass die Qualität des VLB als Datenbank steigt und dessen Relevanz und Nutzerattraktivität erhöht wird.

    • Gebührenzahler | 10. Juni 2016 um 9:56 | Antworten

      Sehr geehrter Herr Schild,

      anstatt das zu erwartende Business-Blabla abzuliefern, wäre hier für Sie die Möglichkeit da gewesen, sich zu entschuldigen und zuzugeben, dass Sie sich mit dem Gebührenmodell Gold-Silber-Bronze schlicht böse verechnet haben und sich nun in unseriöser Weise mit einer rückwirkenden Gebührenerhöhung aus dem Schlamassel retten wollen.
      Verständnis erhält man nur, wenn man dies selbst lebt – und das fängt mit Ehrlichkeit an.

  3. Branchenexperte | 9. Juni 2016 um 14:42 | Antworten

    Wer E-Books ins VLB meldet ist selbst Schuld. Aus welchem Grund sollten Verlage das tun? Es wird kaum eine Buchhandlung im VLB nach E-Books recherchieren.

    • Pst! Nicht weitersagen…
      Obwohl, ich hatte mal eine Bestellung aus irgendeinem Buchladen per VLB. Ich solle doch das E-Book kostenfrei zuschicken…

  4. Branchenexperte | 9. Juni 2016 um 14:29 | Antworten

    Erst wird der libreka! Euro mit großem Tamtam aufgehoben und nun doch wieder als VLB TIX Euro eingeführt. Weiterentwicklung VLB, je klar, dafür benötigt es keine Gebührenerhöhung – Geld ist genug durch die Einnahmen vorhanden. Eher weitere Subventionen für das nächste Millionengrab VLB TIX. Was hat die Entwicklung vom VLB TIX bisher gekostet? Welche Einnahmen stehen dem gegenüber?

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