Die Disruption kommt erst noch

Buchbranche, ruh’ Dich nicht aus, der eigentliche Wandel kommt erst noch. Mit dieser These hat ein britischer Marktforscher das Publishers’ Forum eröffnet – ein überzeugender Weckruf.

„Die Buchbranche steht nicht am Ende eines disruptiven Prozesses, sondern am Anfang“, versicherte Enders-Analyst Douglas McCabe (Foto: Daniel Lenz) zum Start der Konferenz in Berlin. McCabe skizzierte fünf Wellen der Veränderungen:
  • Internet
  • Smartphones
  • E-Reader
  • Tablets
  • Apps/Smart Connectivity
Bevor sich McCabe den Auswirkungen auf die Buchbranche widmete, skizzierte der Analyst die Herausforderungen durch die starke Apps-Nutzung der Verbraucher:
  • 86% der Onlinezeit entfällt in Großbritannien bereits auf Apps.
  • Ganz vorne bei der Nutzung sind Facebook und Spiele.
  • 99% der Apps-Erlöse entfallen auf eine Handvoll Unternehmen.
Während sich Google repositioniert habe – von der reinen Suchmaschine zur „learning machine“, die dem Nutzer die nächsten Fragen vorschlägt – und auch die Musikbranche den Wandel von Besitz zu Abonnement inzwischen aktiv gestalte, hätten die meisten Zeitschriftenverlage keine Digitalstrategie. Deren Digitalausgaben seien meist ein Flopp.
In diesem Wettbewerbsumfeld sei die Buchbranche einerseits keine Ausnahme:
Verbraucher verbringen immer mehr Zeit mit Smartphones, das spüren auch Verlage. In der Print-Wertschöpfungskette gebe es disruptive Impulse, einzelne Genres wie Reiseführer wanderten (perspektivisch) fast komplett ins Digitale. Spiele machten Büchern ob ihrer Komplexität zunehmend Konkurrenz. Die Preissetzung stehe unter Druck. Im Retailbereich spiele Amazon eine immer größere Rolle.
Andererseits sei die Bücherbranche anders:
  • Abodelle hätten sich bisher nicht durchgesetzt – weil es Verlage den Anbietern schwer gemacht hätten oder weil „all you can eat“ „lächerlich“ sei.  
  • Bücher seien atraktive Gegenstände, deren Haptik nicht zu unterschätzen sei; wenige Leser favorisierten per se E-Books.
  • Der Print- und E-Book-Markt seien unterschiedlicher Natur, Digital sei bislang kein so starker disruptiver Faktor gewesen wie in anderen Branchen.
Der Buchhandel (am Beispiel von Waterstones illustriert) sei heute halbwegs stabil. Und bei der Buch-Discovery sei er weiterhin entscheidend, da die meisten Online-Käufe Zielkäufe seien und die Entdeckung neuer Bücher derzeit im Digitalbereich nicht reproduziert werden kann (dazu auch die buchreport-Studie zum Thema Discovery)
Gleichwohl verwies der Enders-Analyst auf den US-Buchmarkt, wo von Selfpublishern aktuell großer Veränderungsdruck ausgehe. Auch die dortige Marktmacht von Amazons Kindle (74% Marktanteil) sprach McCabe an.
Dessen Fazit fiel nicht ganz uneigennützig aus: Verlage müssten sich stärker mit Daten beschäftigen, weil das Verbraucherverhalten für viele eine Unbekannte sei. Die Zahlenanalysten müssten aus der Isolation ins Herz der Verlage geholt werden.

Keynote: Who Are the Competitors to Publishers? from Publishers' Forum on Vimeo.

Kommentare

2 Kommentare zu "Die Disruption kommt erst noch"

  1. Immer schön unter Ausblenden der Tatsache, dass die Geschäftsmodelle einiger der weltgrößten Verlage seit Jahren vorwiegend digital sind. Wäre nützlich, wenn mehr Präzision in die Diskussion käme.

  2. Endlich wieder gute Bücher verlegen wäre auch sinnvoll.
    Hängt man sich an die Zahlenkolonnen, wird man zum Dienstleister untersuchter Gruppen. Das Kreative, der Text, muss dabei auf der Strecke bleiben. Ich lese z.B. immer weniger, weil mir das Angebot zu schlecht, zu flach, zu naiv ist.

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